Bericht: Zitadellen Festival

Als erstes müssen wir ein fettes Lob an die Organisation aussprechen!
Ebenso wie der Mailverkehr aufschlussreich und ausführlich war, klappte es mit dem Presseeingang, wo Stempel vergessen wurden und uninformierte Einlasser uns erst nicht durchlassen und daraufhin auch noch die Kamera abnehmen wollten. Aber nach ausführlichen Diskussionen überwanden wir auch dieses Hindernis.
Stattfinden sollte das Festival in der Zitadelle Spandau, nordöstlich der Spandauer Altstadt am Zusammenfluss von Spree und Havel in einem der bedeutendsten und besterhaltenen Festungsbauten aus der Hochrenaissance. Für die Kombination der Bands und der von ihnen angesprochenen Gothic- und Mittelalterszene mit einigen wenigen bunten Leuten ein recht idealer Ort für solch eine Veranstaltung.
Der Konzertabend mit vier Bands sollte von der bayrischen Kombo Big Boy mit ihrem Hamburger Ausleihgitarristen eröffnet werden, die ein zwanzigminütiges Set spielten. Es machte den Anschein, als wäre das Publikum durchaus froh gewesen, dass es so schnell vorbei war - bis auf einige wenige, teilweise von weit her angereiste Big Boy Fans. Schlussendlich wollten wir etwas Positives sagen: Die Gitarre des Lords war schön!
Nach einer kurzen Umbauphase folgten die Berliner Zeraphine, denen schon eine halbe Stunde vergönnt war. Diese Band gibt es mittlerweile etliche Jahre, aber auch im Laufe der vier veröffentlichten Alben hat sich nichts geändert. Hat man einmal Zeraphine live erlebt, ist es egal, wie viele Jahre es her ist. Die Songs klingen gleich und die Bewegungsabläufe auf der Bühne machen es nicht spannender.
Um halb acht war es endlich an der Zeit für die von uns erwarteten The 69 Eyes, die mit dem gleichen Set wie bereits auf dem M'era Luna aufwarteten.
Klang doch zuvor Zeraphine Sänger Sven stimmlich schon ungewohnt, setzte sich dieses Problem bei Jyrki69 fort. (Big Boys Stimme wollen wir nicht beurteilen, scheinbar war dies eine Liveleistung von ihm, traf er doch nicht so viele Töne!) Zwischen diversen Rückkoppelungen kam es hin und wieder zu Tonaussetzern, bis zum Ende hin beide Gitarren leiser und leiser wurden - als hörte man nicht ohnehin schon ausreichend Widerhall des Schlagzeuges. Zwischenzeitlich kam uns der Gedanke, dass man einfach nur den Tontechniker verklagen sollte!
Das Publikum harrte gespannt der Dinge, die dort auf der Bühne passieren sollten und schien lediglich bei "Feel Berlin" richtig Stimmung machen zu wollen. Immerhin war dies der Song, der der Heimatstadt der wohl meisten Besucher gewidmet war. Angekündigt wurde der Song von Jyrki mit den Worten "We played this song only two times before in this city". Zuvor wurde "Devils" vorgetragen, wobei Timo-Timo richtig die Party begann und versuchte, das Publikum zum mitmachen zu animieren - was ihm auch ein wenig gelang. Dennoch mussten die Zuschauer immer wieder zum Klatschen aufgefordert werden und nur der Applaus nach den einzelnen Lieder kam von alleine.
Selbstverständlich blieb der Band weder der schlechte Ton noch die inaktive Menge verborgen und so muss man sagen, dass sie trotz der widrigen Bedingungen eine gute Show ablieferten. Auch wenn wir schon Bessere gesehen haben - mit gutem Ton und einer ausgelasseneren Stimmung unter den Zuschauern!
Hauptact des Abends waren In Extremo. Um 9 Uhr wurde es dunkel im Bühnenbereich der Zitadelle. Ein einziger Spot war auf Das Letzte Einhorn (Sänger) gerichtet, während dieser die Vorgeschichte referierte - bis es plötzlich einen Knall gab. Mit einem Feuerwerk fiel der mittig der Bühne hochgezogene schwarze Vorhang und der Rest der Band wurde sichtbar.
In Extremo war ein zweistündiges Spektakel mit Feuerwerk und Konfettikanonen. Eine Mischung aus mittelalterlichen Tonwerkzeugen und neuzeitlichen Saiteninstrumenten, Schlagzeug und Gesang auf (mittel)hochdeutsch und ausschließlich hausgemachten Hits aus den langen Jahren der Bandgeschichte, die tausende Fans im Zitadellenhof an einem spätsommerlichen Abend in Berlin begeisterte.
Man merkte, dass der Großteil der Zuschauer für diese Band gekommen war. Die Stimmung war fantastisch, die Leute textsicher und sangesfreudig und scheinbar der Tontechniker in einen fachkundigen ausgewechselt!
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