Vorbericht: Wacken Open Air 2008


In einem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein werden einmal im Jahr die Kühe von der Wiese vertrieben, die Zahl der Bevölkerung steigt für vier Tage auf über 70.000 und es herrscht großflächiger Ausnahmezustand.
Die Radiosender unterbrechen ihre endlosen Staumeldungen nur noch vereinzelt mit Liedern, erste Metalheads schlagen zwischen umliegenden Windrädern und Wäldern bereits emsig ihre Zelte auf und mehr Mobiltoiletten als das Dorf Einwohner zählt, werden aufgestellt, während die ersten Bands angekarrt und im Backstage abgeladen werden. In der Nähe dieses kleinen Dorfes, irgendwo in Deutschland, mitten auf dem Acker und umgeben von Gleichgesinnten aus aller Herren Länder, beginnt für Einige nun die schönste Zeit des Jahres:
das Wacken Open Air.


Photo © Wacken

Vom 31. Juli bis zum 02. August 2008 werden sich Metalfreunde aller Genre zum bereits 19. Mal in Wacken einfinden und alles auf den Kopf stellen, denn in diesen Tagen bleibt sowohl auf dem Campingplatz als auch auf der Stage kein Stein auf dem anderen. Während vor den Zelten getrunken, gefeiert und gegrillt wird, mosht, headbangt und pogt die Menge vor den Bühnen. Wacken ist laut und schmutzig, doch genau das macht dieses Festival aus, denn es ist der Inbegriff des Metal und somit all das, was die Fans so lieben. Von Death über Black bis hin zu Heavy und Thrash ist alles vertreten, was das Metallerherz höher schlagen lässt, denn auch in diesem Jahr geben sich Musiklegenden und solche, die es werden wollen, die Klinke in die Hand.
Wer sich das Line Up des diesjährigen W:O:A durchliest, könnte meinen, die Invasion der Finnen ist endlich geglückt. Es scheint beinahe so, als ob noch nie so viele Bands aus dem Land der dunklen Wälder, tiefen Seen und heißen Saunen gleichzeitig auf einem deutschen Festival gespielt haben.
Die Liste der Vertreter des gemeinhin als zurückhaltend angesehenen, nordischen Völkchens liest sich wie das Who is Who der finnischen Metalszene und wer die bisher bestätigten Bands kennt, weiß, dass zurückhaltend bei ihnen definitiv das falsche Beschreibungskriterium ist.

Nightwish heizen seit diesem Jahr mit ihrer neuen Sängerin Anette Olzon dem Publikum ordentlich ein. Zwar gehen die Einschätzungen diesbezüglich weit auseinander, doch wer die Chance noch nicht ergriffen hat, die Nachfolgerin von Tarja live zu erleben, kann dies auf dem Wacken nachholen und sich selbst eine Meinung über die Umbesetzung einer der erfolgreichsten finnischen Bands bilden.
Ebenfalls hinlänglich bekannt und immer ein gern gesehener Act auf dem norddeutschen Metalfestival sind Children of Bodom, die gerade erst ihr Album "Blooddrunk" veröffentlichten, welches weltweit Erfolge feierte. Wo sie aufschlagen, wächst kein Gras mehr, da wird wohl auch die anschließende einjährige Schonfrist der Wiese nichts dran ändern können.
Ähnlich nachhaltig wie die Mannen um Alexi Laiho werden sich sicher auch ihre scheinbar einem Gruselkabinett entsprungenen Landesgenossen präsentieren, denn Lordi ergreifen dieses Mal ebenfalls die Chance vor mehr als 70.000 musikbegeisterten Metalfans zu performen. Nachdem die Band im vergangenen Jahr ihren Auftritt auf dem Wacken absagen musste, ist die Zeit in diesem nun mehr als reif. "Der Tag der Abrechnung naht! Die Arockalypse ist da.", steht es verheißungsvoll im Pressetext geschrieben. Eine klare Ansage, die in jedem Fall wohl unausweichlich ist und so - aber definitiv um Einiges gruseliger - werden Lordi die Besucher mit Sicherheit auf ihre eigene, ganz besondere Art und Weise erfreuen. Denn eigentlich kennen Metalfreunde keine Angst und es erschreckt sich ja auch schon länger niemand mehr vor den skurrilen Eurovision Song Contest Gewinnern, wenn man ihnen nicht gerade bei Vollmond in einer dunklen Seitengasse begegnet. Doch man weiß ja nie...
Mit Ensiferum findet sich direkt eine weitere Band der nordischen Breitengrade bei uns ein, die sich problemlos der Schublade "Verkleidungsmetal" zuordnen lässt. Gerade tourten sie noch gemeinsam mit Moonsorrow und Korpiklaani durch unsere Lande und bestreiten derzeit eine ganze Reihe von Konzerten in den USA. Doch die Gruppe findet sich pünktlich wieder in Europa ein, um auf dem W:O:A ein Mal mehr für Stimmung zu sorgen.
In Deutschland bisher eher ein Geheimtipp ist die Band um Musiker Tuomas Saukkonen, Before the Dawn. Sind sie in Finnland bereits mehrfacher Vertreter in den Charts gewesen, so gilt es hierzulande größtenteils noch, die Aufmerksamkeit der zukünftigen Fans auf sich zu ziehen. Und welcher Ort wäre für ein solches Vorhaben besser geeignet als ein komplett dem Metal gewidmetes Festival?
Während einige der unbekannteren Bands, wie auch die Musiker der aus Suolahti stammenden Machine Men, leider bereits mittags um Zwölf als "Kanonenfutter" verheizt werden, dürfen andere direkt bei ihrem ersten Wacken-Besuch zur Prime Time auf der Bühne stehen. So auch Stam1na. Die vierköpfige Band aus Lemi dürfte dem geneigten Konzertgänger vielleicht seit der gemeinsamen Deutschlandtour mit Apocalyptica im vergangenen Herbst bekannt sein. Mit ihrem neusten Silberling "Raja" sowie altbekannten und immer wieder gern gespielten Titeln im Gepäck, wollen sie die Massen begeistern. Diese Musiker verstehen es, ihre Instrumente gekonnt einzusetzen und wissen durchaus, wie man ein Partyzelt auch in ein solches verwandelt.
Des Weiteren werden sich auch Sonata Arctica wieder die Ehre geben, spielte die Band um Frontmann Tony Kakko doch zu letzt Anno 2005 auf dem Wacken. Neben solch gestandenen Musikern finden jedoch auch immer wieder jene ihren Platz im Line Up, die sich ihren Thron im musikalischen Metal-Olymp erst noch erspielen müssen. Und so gibt es in diesem Jahr selbst für die jüngeren Metalheads ein Highlight, nämlich die Nachwuchsrocker von Sturm und Drang. Während André und Co. mit Pubertätsproblemen kämpfen und sich auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben derzeit irgendwo zwischen Schule und beginnendem Bartwuchs befinden, scheint ein erneuter Zwischenstopp auf dem Wacken kein so schlechter Anfang für die junge Karriere der fünf Teenies aus Vaasa. Dieses Mal werden die Newcomer sogar für alle Festivalbesucher auf der Bühne spielen und nicht mehr nur für die Journalisten im Pressezelt, wie es beim letzten W:O:A der Fall war. Wenn den Jungs mit ihren 16 Jahren bei solch hohen Erwartungen mal nicht zu recht ganz schön die Muffe geht.
Diese Bands haben nun die Aufgabe, allen Besuchern zu verdeutlichen, warum die Kühe weichen mussten, dass sie es nicht umsonst taten und dass Finnland für mehr steht als nur Wald, Wasser und Sauna. Und wo kann man das besser unter Beweis stellen als auf dem Wacken Open Air?!


Photo © Wacken

"Warum Iron Maiden niemals auf dem Wacken spielen werden", war in dem Buch "Die Wahrheit über Wacken" noch als sehr amüsanter, realitätsferner Dialog zu Papier gebracht. Doch selbiger gilt nun als überholt, denn endlich ist es so weit! Es ist vollbracht und Iron Maiden geben dieses Jahr als Headliner ihr einziges Deutschlandkonzert und die gut informierten Wacken-Freunde tauschen in ihren Köpfen ganz von selbst Iron Maiden gegen Judas Priest, AC/DC oder Kiss. Bereits am ersten Abend wird die Band aus UK auf der Bühne stehen, während ihr Auftritt auf sämtlichen Videowänden des Festivalgeländes für jedermann sichtbar live übertragen wird.
Nun rechnet(e) man mit dem Auftritt einiger nie, andere hingegen sind ohne Zweifel öfter vertreten und so darf selbstverständlich auch Wacken-Urgestein Mambo Kurt nicht fehlen, ist dieser doch inzwischen "Festival-Inventar" und von allen Besuchern gern gesehen und hoch geschätzt.

Line-Up:
3 Inches of Blood | Airboume | Alestorm | As I Lay Dying | At the Gates
Autumn | Avenged Sevenfold | Avantasia | Axel Rudi Pell | Axxis
Before the Dawn | Carcass | Children of Bodom | Corvus Corax | Crematory
Cynic | Destructor | Dream of an Opium Eater | Enemy of the Sun
Ensiferum | Evocation | Excrementory Grindfuckers | Exodus
Girugämesh | The Rotted | Gorgoroth | Grave | Hatebreed | HeadHunter
Holy Moses | Iron Maiden | Job for a Cowboy | Kamelot | Killswitch Engage
Kreator | Krypteria | Lauren Harris | Leaves Eyes | Lord Belial | Lordi
Machine Men | Massacre | Mercenary | Metakilla | Mortal Sin | Mustasch
Nashville Pussy | Negura Bunget | Nifelheim | Nightwish | Obituary | Opeth
Powerwolf | Primordial | Psychopunch | Sabaton | Saltatio Mortis
Soilwork | Sonata Arctica | Stam1na | Sturm und Drang
The Bones | The Haunted | Torture Squad | Unearth
Van Canto | Warbringer | Watain

Mit derzeit 68 Bands ist das Billing schon reich bestückt, aber sicher noch nicht komplett. Man kann also gespannt sein, ob sich nicht vielleicht doch noch die eine oder andere Gruppe spontan auf dem W:O:A einfinden wird. Und als ob ein solch imposantes Line Up nicht schon genug Anlass zu Freude gibt, so bieten die Veranstalter, neben dem altbekannten Full Metal Bag gefüllt mit Goodies aller Art, in diesem Jahr sogar eigens mietbare Dixi-Metal-Klos als besonderes Feature an. Na wenn das mal nichts ist?!
In diesem Sinne: treibt die Kühe von der Wiese, denn es ist Zeit für das Wacken Open Air 2008!

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