Bericht: Tuska Festival 2008


TUSKA FESTIVAL Das Tuska, engl. agony, zu deutsch so etwas wie sehr starker Schmerz, ist das größte finnische Metalfestival, welches jährlich im Kaisaniemipark direkt neben dem Bahnhof Helsinkis, im absoluten Zentrum der finnischen Hauptstadt, ausgetragen wird.
Nun erwartet man sicher etwas "Großes", aber da im Stadtzentrum nicht so viel Platz zur Verfügung steht wie beispielsweise die etwa 180 ha, die das Wacken Open Air jährlich beansprucht, haben wir es hier mit einem kleinen, aber feinen Festival zu tun, bei dem sich nicht nur das Who is Who der finnischen Metalszene die Ehre gibt, sondern auch internationale Megastars vertreten sind. Dieses Jahr waren das beispielsweise Dimmu Borgir (NOR), Tyr (FOR), Fields of the Nephilim (UK) und Slayer (US).
Die Konzerte finden abwechselnd entweder zeitgleich in den beiden Zelten oder auf der großen zentral gelegenen Hauptbühne statt.

Freitag
Mokoma
Hatte es noch am Tag zuvor um die Mittagszeit wolkenbruchartige Regenfälle mit Hagel über dem Kaisaniemi gegeben, so eröffneten die finnischen Thrasher von Mokoma bei strahlendem Sonnenschein das Tuska. Trotz der frühen Stunde und der Tatsache, dass ein Grossteil der Festivalbesucher noch in der endlos scheinenden Schlange am Einlass standen, war es vor der Hauptbühne schon gut gefüllt. Nach einem lustigen Kinderlied als Intro war dann Schluss mit Lustig und es gab eine Vollbedienung in Sachen Thrashmetal. Die Band hatte sichtlich Spaß und das Publikum dankte ihren mit frenetischem Jubel.(S)

Kypck - Inferno Stage
Kypck (gesprochen Kursk, wie das U-Boot), die ihre Musik selbst als Post Russian Doom Metal from Finland bezeichnen, bringen einen mal wieder in die Verlegenheit, eine Band als ein typisch finnisches Phänomen betiteln zu wollen. Der Sänger singt auf russisch, die Bandmitglieder sind teilweise in Uniformen gekleidet, die wohl an sowjetische Militärs erinnern sollen und überall prangt der rote Stern auf olivgrünem Grund. Die Dekoration der Mikrophone erinnert an Stacheldraht und eine der Gitarren ähnelt der Form einer AK 47 (Kalaschnikov). Der Bassist marschiert immer wieder im Stechschritt über die Bühne und wozu braucht ein Bass eigentlich mehr als eine Saite? Vier währen doch reine Verschwendung! Die Jungs haben aber mehr als ihre Outfits zu bieten, auch musikalisch können sie mit ihrer Mischung aus Doom und Deathmetal überzeugen. (S)

Tracedawn - Sue Stage
Tracedawn sind eine weitere junge finnische Metalband, die in Deutschland noch eher weniger bekannt sind. Der Vergleich des Alters wegen zu Sturm und Drang liegt nahe, aber damit tut man Tracedawn keinen Gefallen, denn meiner bescheidenen Meinung nach sind sie um Klassen besser.
Sechs junge Herren, die ihre Instrumente beherrschen, der Gesang wechselt zwischen Clean Vocals und Growls und man kann nur staunen, wie aus Antti eine so kraftvolle Stimme hervorkommen kann. Musikalisch haben sie auch ein sonst nicht unbedingt metal-liebendes Ohr überzeugt und für das Auge liefern sie eine Show voller Spielfreude, Energie und Spaß.
Von dieser Band werden wir sicher noch etwas hören und wir sollten ihnen Beachtung schenken.
Meiner Meinung nach die beste Band des gesamten Festivals. (N)

Stam1na - Sue Stage
Während auf der benachbarten Inferno Stage die von vielen hoch gelobten Österreicher The Sorrow aufspielten, gaben sich auf der Sue Stage Stam1na die Ehre und sorgten gleich beim ersten Song für Abkühlung in den ersten Reihen, indem sie ihre kurz zuvor genässten Haare propellerartig kreisen ließen. Das war auch nötig, denn im Zelt war es richtig voll und die Jungs heizten dem Publikum mit ihren Songs mächtig ein. Bassist Kaikka hüpfte in alt bekannter Manier wie ein Derwisch über die Bühne. Gitarrist/Sänger Antti machte als Zwischeneinlage einen Sprung in den Fotograben und klatschte seine Fans in den ersten Reihen ab um daraufhin wieder zurück ans Mikro zu kehren.(S)

The Scourger - Inferno Stage
Die bei uns leider relativ unbekannten The Scourger zeigten vom ersten Moment an wo der Hammer hängt, doch leider spielten zum gleichen Zeitpunkt auf der Sue Stage die Schweden von Entombed, was wohl der Grund dafür war, dass vor der Bühne nicht so viel Andrang herrschte. Doch diejenigen, die sich dafür entschieden hatten diesem Auftritt beizuwohnen, wurden dafür mächtig belohnt. Die Band zeigte sich extrem spielfreudig und servierte Thrash-/Deathmetal vom Feinsten. (S)


Nosturi Afterparty
Morian
Die "dark sentinals" spielten ihr letztes Konzert der "Sentinals of the Sun" Tour und sind schon fast auf dem Weg ins Studio zur Arbeit an ihrem zweiten Album.
Musikalisch die sind Herren aus Jyväskylä definitiv überzeugend, wenn auch sehr ruhig im Vergleich zu den Bands auf den Bühnen im Kaisaniemipuisto. Leider ließ die Show zu wünschen übrig, denn die Sechs bewegten sich kaum.
Normalerweise soll dies aber anders sein und dem sich langsam füllenden Nosturi hat es gefallen - wohl nicht nur den hauptsächlich Mädchen in den ersten beiden Reihen.
Sie sind einen zweiten Versuch wert. (N)

Battlelore
Im finnbands.com Forum fallen sie unter die Rubrik "Verkleidungsmetal" und auch wenn diese Umschreibung von Musik alles andere als Schubladendenken erfüllt, so beschreibt sie Battlelore doch treffend mit ihren mittelalterlichen Bühnenoutfits, bei dem weder Gesichtsbemalung noch Schwert fehlen dürfen.
In einer Mischung aus tiefen männlichen Vocals und klaren weiblichen Gesangsparts präsentieren sie ausgereiften Folkmetal vom Feinsten und auch wenn sie oft im Bühnennebel verschwanden, sind sie Hörens- und Sehenswert. (N)


Samstag
-Sitting in the park-
Wenn tatsächlich einmal keine Band auf der Bühne stehen sollte, die man unbedingt sehen will, oder wenn man einfach mal eine kleine Konzertauszeit braucht und sich einige Minuten setzten möchte oder Freunde treffen will, lässt es sich auch gut vor dem Eingang zum Festival im Kaisaniemi Park aushalten und in gemütlicher Runde ein Bier zum Supermarktpreis trinken. Allerdings sollte man bedenken, wenn man einmal das eigentliche Festivalgelände verlassen hat, kommt man an dem Tag nicht mehr rein! Also genau vorher überlegen, ob man rausgeht.
Dort finden sich bei gutem Wetter genauso viele Menschen ein wie auf dem Festivalgelände selbst, lauschen den Tönen von der Mainstage (hierbei sollte man selbstverständlich nicht auf Tonqualität achten) und chillen bei ein paar Drinks.
Lustig zu beobachten sind auch die Flaschensammler, die unter anderem richtig Ellenbogeneinsatz zeigen, um eine 20ct Pfandflasche vor der immensen Konkurrenz zu ergattern. (N)


Kalmah
Kalmah eröffneten am Samstag den Reigen der Bands auf der Hauptbühne und leider war es am frühen Vormittag (13.45h) noch nicht sehr gut gefüllt. Viele schliefen wohl noch ihren Rausch vom Vortag aus. Doch das schreckte die Jungs nicht ab. Sie legten sich vom ersten Song an richtig ins Zeug und konnten das anwesende Publikum mit ihrem brachialen Sound nicht nur Aufwecken sondern auch in ihren Bann ziehen. (S)

Kiuas - Sue Stage
Mit ihrem stark melodischen Material stachen Kiuas zwischen den vielen Death-/Thrashmetal Bands, die dieses Jahr auf dem Tuska vertreten waren regelrecht hervor. Man kann ja nicht nur Brachial-Bands haben und das ist gut so. Mit ihrem musikalisch sehr weit gestreuten Spektrum waren sie eine echte Bereicherung des Festivals. Sie spielten einen Querschnitt aus allen Alben und wussten auch zu überraschen. So verschwand nach der Hälfte des Sets die komplette Band von der Bühne und nur der Gitarrist kehrte mit einer Laute zurück, setzte sich in den Schneidersitz und spielte eine indisch anmutende Melodie. Nach einigen Minuten gesellte sich die restliche Band wieder zu ihm und sie setzten ihr Set fort. Es ist immer wieder faszinierend, welche Präsenz vor allem der Sänger auf der Bühne hat und wie er das Publikum dazu animiert mit zu machen. Insgesamt ein gelungener Auftritt. (S)

Sotajumala - Inferno Stage
Die Inferno Stage war der richtige Rahmen für Sotajumala, denn die Herren legten vom ersten Song an infernalisch los. Vor allem der Sänger strahlt eine derart gewaltige Energie aus, der man sich schwer entziehen kann. Dementsprechend waren auch die Reaktionen aus dem Publikum: es wurde auf Teufel komm raus gemosht. (S)

Ghost Brigade - Sue Stage
Ich war sehr gespannt auf diese Band, vor allem wie das im Vorfeld hoch gelobte Material des Debüt Albums der Newcomer live funktionieren würde. Zum Intro, welches man von ‚Rails on the River' kennt, betraten sie die Bühne und es schien als würde es eher beschaulich zugehen, doch weit gefehlt. Songs wie ‚Hold on the thin line' oder ‚Autoemotive' kommen live noch brachialer rüber als aus der Konserve. Alle Achtung! Die Jungs lassen es so richtig krachen. Wer von den teilweise nach braven Schuljungs aussehenden Bandmitgliedern auch nettes Rumstehen erwartet hätte, der war weit gefehlt. Action pur! Ein absolut klarer Sound war ein weiteres Plus, auch wenn Keyboarder Alexi zwischenzeitlich mit den Anschlüssen seines Instruments kämpfte. Für mich die beste (finnische) Band des Tages! (S)

Der Vollständigkeit halber müssen die danach auf der Hauptbühne spielenden Briten von Fields of the Nephilim erwähnt werden, welche ein weiteres Highlight des Festivals darstellten.

Diablo - Sue Stage
So ist das manchmal, da freut man sich auf eine Band und dann haben sie einen schlechten Tag erwischt. Die Jungs legten sich zwar schwer ins Zeug konnten aber leider nicht so ganz überzeugen. Hatten zuvor Ghost Brigade auf dieser Bühne noch einen glasklaren Sound, war nun bei Diablo das genaue Gegenteil der Fall und alles wirkte eher breiig. Schade. (S)


Sonntag
Before the Dawn
Der Tagesplan sah Korpiklaani zum Frühstück vor und ich wunderte mich, warum die Before the Dawn Jungs mit der Backline von Korpiklaani hantierten. Dies klärte sich auf, als BfD die Bühne betraten und Lars (Bass) uns zwischen den Songs erklärte, dass sich die Backline von K. in "fucking Belgium" befände und sie vor geschlagenen 40 Minuten gefragt worden seien, ob sie einspringen könnten. So einfach kommt man scheinbar zu einem Konzert auf dem Tuska, auch wenn sie am Vorabend schon auf der Afterparty im Virgin Oil spielten.
Zwar wurden sie mit ‚buhs' empfangen, heizten jedoch der Menge noch gut ein. Nach dem zweiten Songs hatten sie das Publikum vollends auf ihrer Seite und wurden gefeiert. (N)

Shade Empire - Inferno Stage
Nachdem die US-Amerikaner von Killswitch Engage die Hauptbühne verlassen hatten, stand der geneigte Festival-Besucher nun vor der Wahl: Voll auf die zwölf mit oder ohne Keyboard? Wir entschieden uns natürlich für die (finnische) Variante mit Keyboard und machten uns auf zur Inferno Stage. Zuerst einmal wurde die gesamte Bühne in Nebelschwaden gehüllt und man konnte teilweise nur erahnen wo sich die einzelnen Bandmitglieder aufhielten. So sah man oft nur fliegende Haare versteckt zwischen viel Nebel. Und wie schon erwähnt gab es ein richtiges brachiales Brett. Das Publikum brüllte die Songs mit und feierte ihre in Leder und Nieten gekleideten Helden! (S)

Sonata Arctica
Sie haben eine der gewaltigsten Bühnenbilder überhaupt und nutzen dies aus, auch wenn die Synchronversuche von Elias (Gitarre) und Henkka (Keys) kurzzeitig unkoordiniert aussahen. Unterlegt wurde das Ganze selbstverständlich mit Feuerwerk vom ersten bis zum letzten Song.
Sie spielten sich quer Beet durch die sechs veröffentlichten Studioalben und trotz der langen Zeit, die sie miteinander verbrachten und der unzähligen Konzerte in ihrer Karriere lassen sie sich die Spielfreude nicht nehmen. Nach "The Cage", bei dem Tony (Gesang) kurzzeitig Elias' Gitarre bedienen durfte, hatte Tony nur noch eine Frage… welche sich nur mit "Vodka" beantworten ließ.
Überraschenderweise spielten sie danach einen Song in Finnisch an, bevor Sticks und Picks ins Publikum verteilt wurden und die fünf sich unter viel Applaus vom Tuska verabschiedten.
Gerne wieder! (N)


Damit neigte sich das diesjährige Tuska in der 11ten Auflage seinem abschließenden Höhepunkt - Slayer. Und für uns und unseren Bericht bedeutete dies Feierabend mit einem gemütlichem Lonkero oder auch Bier.
36.000 zahlende Gäste besuchten das Tuska, 180 Personen über 65 Jahren wurde freier Eintritt gewährt.
Ein großer Dank geht von uns an die Organisatoren, denn in dieser Hinsicht gibt es für uns nichts zu beklagen und alles verlief reibungslos.

Vielleicht sehen wir uns nächstes Jahr wieder.

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