Bericht: Taubertal Festival 2007


Zum 12. Mal ging vom 10.-12.08.07 das Taubertal Festival in Rothenburg ob der Tauber über die Bühne, man könnte es nur mittlerweile leider in "Schlammfestival" umbenennen. Nachdem die Sonne seit 2003 nicht mehr schien, ließ uns der Regen auch in diesem Jahr nicht im Stich. Bereits Mitte der Woche wurden Unwetterwarnungen herausgegeben. Wie ich später bei einer Pressekonferenz erfuhr, wurde am Donnerstag ernsthaft darüber nachgedacht das gesamte Festival abzusagen. Dazu kam es jedoch glücklicherweise nicht.

10.08.2007
Nichts ahnend, was uns noch erwarten würde, starteten wir am Freitagvormittag Richtung Rothenburg. Im Internet hatten wir uns schon etwas über die "Schlammverhältnisse" vor Ort informiert und waren somit gut mit Gummistiefeln und wetterfester Kleidung ausgestattet. Nach einer guten Stunde Fahrt sahen wir das Ausmaß des mehrtägigen Dauerregens. Die Zeltplätze bestanden nicht mehr aus Äckern sondern lediglich aus Schlamm - geschätzte 20 cm. Ein Hoch auf die mitgebrachten Gummistiefel. Diese sollten sich auch zum Trend des Festivals entwickeln, in allen Formen und Farben wurden sie präsentiert. Ein "einfaches reinfahren" zu unserem Campingplatz war bereits bei unserer Ankunft mittags nicht mehr möglich. Somit ging die Suche nach dem Abschlepphaken los. Woher soll Frau auch wissen, wo sich dieses ominöse Teil befindet. Aber frei nach dem Motto "dumm darf man sein, man muss sich nur zu helfen wissen" - warfen wir einen Blick in die Betriebsanleitung und lösten das Problem somit sehr schnell. Nach gut einer Stunde hatten wir nun unseren Platz auf dem Schlammfeld bekommen. Zeltaufbau im Regen ist nicht sehr spaßig, aber ohne geht ja auch nicht. Ich weiß nicht, wie lange wir brauchten, aber auf jeden Fall stand irgendwann auch unser Zelt.
Am späten Nachmittag machten wir uns dann auf den laaangen Weg vom Zeltplatz zum Festivalgelände. Beim Weg ins Tal fiel uns die stetig wachsende Autoschlange auf. Weil jedes Auto einzeln auf den Zeltplatz geschleppt werden musste, bildete sich mittlerweile ein Rückstau vom Festivalgelände bis zur Autobahn, was Wartezeiten von bis zu 5 Stunden verursachte. Wir waren froh am Vormittag schon angereist zu sein.

Eigentlich hätten an diesem Abend die Jungs von Sunrise Avenue gespielt, die jedoch kurzfristig wegen "Krankheit" absagen mussten. Als Ersatz kamen Fiddler's Green. Bei strömendem Regen schafften es die H-Blockx von Anfang an das Publikum mitzureißen und schon war die Nässe von oben größtenteils vergessen.


Nach kurzer Umbaupause betraten nun Bela B. Y Los Helmstedt die Bühne. Ich persönlich kannte Bela B. nur im Zusammenhang mit den Ärzten, somit war ich gespannt was mich erwarten würde. Lustige, aber auch teilweise tiefgründige Texte sowie ein Gläschen Weißwein auf der Bühne überzeugten mich. Von anderen Festivalbesuchern hörte ich allerdings, dass sie den Auftritt zu "lasch" fanden. Mein absolutes Highlight war das Peter Maffay Cover "Und es war Sommer" - einfach herrlich. Allerdings bemerkte man hierbei deutlich die Altersunterschiede. Während wir aus voller Kehle und mit Begeisterung mitsangen, sah man bei den jüngeren Festivalbesuchern eher fragende Gesichter.
Abgeschlossen wurde der erste Festivaltag von Gentleman and The Far East Band. Reggae aus Deutschland, gesungen von einem eher im Hop Hop Stil gekleideten Gentleman, der mit dem Publikum versuchte in Englisch zu kommunizieren - Bob Marley würde sich im Grab umdrehen.

11.08.2007
Nach dem Kampf mit dem Schlamm am nächsten Morgen und erneuten, immer wiederkehrenden, Regenschauern machten wir uns am Nachmittag zum Auftritt von Juli. Trotz des trüben Wetters schafften es Juli mit einer Mischung aus altbekannten Hits wie "Geile Zeit" sowie der Aktuellen Single "Zerrissen", das Publikum zu begeistern. Wie Leute darauf kommen gerade bei Juli einen Pogo zu starten ist mir nicht ganz verständlich, aber jedem wie's gefällt. Die Stimmung gut, der Regen nicht vorhanden - was will man mehr. Als Zugabe "Perfekte Welle", alles in Allem ein schöner Auftritt.




Die Überraschung des Festivals für mich, die deutsche Band Madsen betraten um 19.15 Uhr die Bühne. Für mich zu dieser Zeit noch unbekannt begeisterten sie mich von Anfang an. Und scheinbar nicht nur mich. Zur Setlist kann ich leider nichts weiter sagen, da mir die Band wie erwähnt bis dato nicht bekannt war. Auf jeden Fall ein toller Auftritt.
Um 23 Uhr dann endlich der lang erwartete Auftritt der sechs Finnen von Negative. Ein eher ungünstiger Zeitpunkt, um wirklich viele Leute vor die "Sounds for Nature" Bühne zu locken, da zeitgleich auf der Centerstage die Beatsteaks spielten. Somit hatte sich, neben den Hardcore Fans - die schon seit Stunden zwischen Regen und Sonnenschein ausharrten, nicht wirklich viel Publikum eingefunden. Der Stimmung sollte dies, wie wir nachher erfahren sollten, nichts ausmachen. In einem komplett weißen Outfit präsentierte sich Sänger Jonne uns. Die Frage, wie er es geschafft hatte, ohne auch nur einen einzigen winzig kleinen Fleck auf die Bühne zu kommen, soll für immer sein Geheimnis bleiben. Gut gelaunt eroberte die Band schnell die Herzen des Publikums. Mit einer durchaus abwechslungsreichen, aber nicht außergewöhnlichen Setlist und wie immer grandiosen Outfits wurde losgerockt. Jonne erzählte uns von dem, wegen Überschwemmung abgesagten Festival, dass die Jungs am Vortag in NRW hätten bestreiten sollen und wie froh sie seien heute beim Taubertal, trotz des schlechten Wetters, spielen zu können. Typische Showeinlagen bekamen wir natürlich zu sehen, das obligatorische Mikrofon in der Hose des Sängers durfte nicht fehlen. Nur auf einen Kuss innerhalb der Bandmitglieder wurde vergeblich gewartet. Nichts desto trotz war es ein guter Auftritt - nicht ihr bester, aber gut. Man hatte Spaß und ich denke, dass die Jungs vielleicht den einen oder anderen Fan an diesem Abend neu für sich gewinnen konnten. Es wurde fleißig nach Zugaben gerufen, nur leider war dafür keine Zeit mehr.

Setlist Negative:
1. Sinners Night / Misty Morning
2. My My / Hey Hey
3. Swans
4. Frozen To Lose It All
5. Glory Of The Shame
6. Planet Of The Sun
7. One Last Shot
8. The Moment Of Our Love
9. Naive
10. Until You're Mine
11. In My Heaven


12.08.2007
Kaum zu glauben, aber am letzten Festivaltag zeigte sich uns das Wetter doch noch wohlgesonnen und die Regenwolken waren verschwunden. Da wir am Abend das Festival Richtung Heimat verlassen wollten (3 Tage sind wirklich genug), begann am Vormittag der Zeltabbau. Ebenso, wie wir am Freitag auf den Campingplatz "geschleppt" wurden, wurden wir auch wieder runtergeschleppt. Ob die 5 Euro, die die Bauern fürs Schleppen verlangten nun gerechtfertigt waren lasse ich mal im Raum stehen. Natürlich bezahlten wir brav, denn man war ja froh wieder draußen zu sein. Das Auto wurde also nach Rothenburg gefahren und wir genossen das herrliche Sommerwetter in der Stadt. Ein "warmes" Essen einer bekannten Fastfoodkette durfte freilich nicht fehlen.

Am frühen Nachmittag brachte uns der Shuttlebus dann wieder zum Festivalgelände. Und heute bemerkte man nun eindeutig die 1-Tages Besucher. Im Gegensatz zu uns (ausgerüstet mit Gummistiefeln und nicht mehr ganz so fit), begegneten uns nun junge Mädchen in Begleitung ihrer Eltern sowie tatsächlich Mädels in Ballerinas oder Sandalen.



Mit den Headlinern Mika und P!NK war der Sonntag doch sehr "poppig" angehaucht. Gespannt warteten wir, ob Mika an diesem Abend auch auftreten würde. Wurde doch überall berichtet, dass die Londoner alle Termine rund um das Taubertalfestival abgesagt hatten. Wir wurden nicht enttäuscht. Ob er nun auf ein Festival passt, darüber lässt sich streiten, nicht allerdings darüber, dass er eine unbeschreibliche Stimme hat. Die Show wurde - bunt. Ein kleines Fest auf der Bühne. Schon beim Opener, der aktuellen Single, "Relax - take it easy" waren die Besucher begeistert, es wurde mitgesungen, gefeiert und getanzt. Die gute Laune sprang wie ein Funke über. Aber auch die ruhigeren Stücke konnten überzeugen. Zum Abschluss der Show stürmten noch als Tiere verkleidete Tänzer die Bühne und es gab buntes Konfetti fürs Publikum - Kitsch pur, aber irgendwie auch nett.





Nachdem dieses "Spektakel" beendet war, begann das Warten auf P!NK. Und diese Umbaupause war nun wirklich gigantisch. Wir warteten geschlagene 1,5 Stunden - nicht sonderlich angenehm wenn man bereits 2 Festivaltage hinter sich hatte. Und es zehrte an den Nerven. Die Eiswiese platzte zu diesem Zeitpunkt aus allen Nähten. Ich für meinen Teil stellte mich brav mit den anderen Reportern am Bühnengrabeneingang an und verharrte dort der Dinge. Leider gab es eine nicht so schöne Mitteilung. Die Fotografen durften nach den ersten 3 Songs die zum fotografieren freigegeben waren, den Backstagebereich nicht mehr verlassen. Prinzipiell hätte ich das kein Problem gefunden, nur leider war auch dieser so überfüllt, dass ich das restliche Konzert lediglich auf der Videoleinwand verfolgen konnte. Doch um 21.45 Uhr war es endlich soweit. Die Fotografen, mit denen ich im Bühnengraben stand waren wie kleine 13jährige Mädels - war wirklich lustig zu beobachten, jeder natürlich auf der Jagd nach den besten Fotos. Am Anfang noch etwas verhalten, taute der Superstar später doch noch auf und lieferte eine tolle Show ab.





Zwecks des Shuttlebusses musste ich den Auftritt von P!NK schon etwas früher verlassen, was sehr schade war.

Ein Fazit des Wochenendes:
Schlechtes Wetter, super Stimmung und tolle Bands. Ein Lob meinerseits noch an die Organisation bezüglich der Presse, man wurde freundlich behandelt und stets gut informiert.
Das Taubertal-Festival in Rothenburg - immer wieder einen Besuch wert.



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