Bericht: Negative


Zwei Jahre war es mittlerweile her, dass Negative zum letzten Mal das Gewerkschaftshaus in Erfurt beehrten. Wo die Zeit hin ist, frage ich mich in diesen Tagen des Öfteren. Irgendwas muss wohl doch an der Aussage dran sein, dass die Zeit, wenn man älter wird, immer schneller vergeht. Nicht, dass ich mich alt fühlen würde, aber mein Ausweis flüstert mir ab und zu, dass ich die 20 schon ein paar Tage hinter mir gelassen habe.

Es war also somit das erste Mal, dass ich Negative in geschrumpfter Besetzung live erleben durfte. Bei eisigen Temperaturen, machten wir uns gegen 17 Uhr auf den Weg zum Gewerkschaftshaus, der Interviewtermin war auf 17:30 Uhr angesetzt und Frau möchte ja auch pünktlich sein - denn wir sind nun mal keine Finnen ;)
Die erste Überraschung des Abends erwartete uns am Eingang - blicken wir einmal zwei Jahre zurück. Ich bin mir sicher, der ein oder andere kann sich gut dran erinnern, welche Ausmaße die wartenden Fans um 17 Uhr erreicht hatten. Als wir um die Ecke bogen, äußerte ich den Verdacht, dass der Einlass evtl. an einer anderen Stelle stattfinden würde, denn man konnte nicht einen einzigen Fan sehen. Als wir die letzte Ecke passiert hatten, erwartete uns dann doch eine Handvoll durchgefrorener, natürlich ausschließlich weiblicher, Fans. Wir ließen es uns nicht nehmen, und zählten durch. 34 - inklusive uns. Eine halbe Stunde später, fanden wir uns im Backstage zwischen dem Catering sowie Jonne und Larry wieder. Das Interview gibt es demnächst hier zu lesen.

Nach einer guten halben Stunde verließen wir mit neuen Erkenntnissen über alte Hippies die heiligen Hallen wieder und harrten der Dinge, die da kamen. Eine gute Stunde später, die ersten bekannten Gesichter. Ich war nahezu überwältigt, dass ich doch noch welche zu Gesicht bekam. Ein bissl gegacker später, gingen endlich die Türen auf, und wir wurden von der Kälte erlöst. Jacken abgeben, mit Getränken eindecken, doch noch ein paar Bekannte treffen - und auf die Vorband warten. Substyle, eine Band aus Köln, waren als Support angekündigt. Ob sie pünktlich anfingen, kann ich leider nicht sagen, ich trage prinzipiell keine Uhr. Jedenfalls schafften es die Jungs, das nicht ganz so gefüllte Gewerkschaftshaus schon mal in die richtige Stimmung zu versetzen. Eine Musik, die ich nun eigentlich selbst kaum in ein Genre einordnen kann und möchte - man sollte sich wohl einfach selbst ein Bild machen. Mir hat?s jedenfalls gefallen.

Nach kurzen Diskussionen, mit den etwas verstörten Securities, fand ich mich, kurz nachdem das Licht zum zweiten Mal an diesem Abend ausging, im Fotograben wieder. Allein das Bild der Fans in den ersten Reihen überzeugte mich. Kein Gedränge, kein Gekreische. Es sah so aus, als wären die Leute da, um einen schönen Abend mit der Band zu erleben.
Natürlich wurde es lauter, als Jonne mit Akustikgitarre bewaffnet die Bühne betrat. Die Haare, die mittlerweile wieder länger geworden sind, zum Zopf. [Fangirlmodus] Er sah SO gut aus!! [/Fangirlmodus]
Die Setlist war eine bunte Mischung der mittlerweile vier Studioalben, wobei auffiel, dass Anorectic ein bisschen zu kurz kam. Ich möchte hier jedoch anmerken, dass mich der Song Naive langsam wirklich nervt - und ich finde, er sollte dringend von der Setlist gestrichen werden. Natürlich ist es etwas anderes, wenn man eine Gitarre weniger auf der Bühne hat, jedoch bin ich der Meinung, dass es dem typischen Negativesound nicht geschadet hat. Es ist anders, aber es ist gut. Die Band macht einen zufriedenen Eindruck und die positive Stimmung wurde 1:1 an das Publikum weitergegeben. Ich würde behaupten, wir haben Erfurt gerockt!
Man verzeihe mir dieses, das übliche Maß wohl etwas überschreitende Review, aber vielleicht habt ihr bis hierher durchgehalten und es hat euch auch ein bisschen gefallen.
Für mich sind und bleiben Negative eine der besten Livebands - und falls ihr die Chance habt, guckt bei einem der verbleibenden Konzerte vorbei!

Setlist:
My my, hey hey (Akustik)
Devil on my shoulder
In my heaven
Lust'n'Needs
Moment of our love
Sealed
Givin' up
Wish you were here (Akustik)
An Ornament
Fading yourself
Naive
Frozen to lose it all
Motherfucker
Planet of the sun
One last shot

Zugaben:
Angels won't lie (instrumental)
Misery
Until you're mine
Won't let go

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