Bericht: Finnish Metal Expo 2008


Was soll man über die FME erzählen? Es ist ein Hybrid aus Konzerten, Musik(er)messe und Award-Show. Die meisten gehen natürlich wegen der Konzerte und dem unvermeidlichen 'Sehen' und 'Gesehen werden' hin, aber leider auch um sich in bester finnischer Manier bei der jeweiligen Lieblingsmusik kräftig zu betrinken.
Die FME hat jedoch mehr zu bieten als nur die Konzerte. Nahezu jedes bekanntere Finnische Rock- und Metal-Label war mit einem Messestand vertreten, an denen auch teilweise die Musiker persönlich für ihr aktuelles Album warben.
Rock- und Metal-Festivals oder Konzert-Venues gaben sich die Ehre und alle namhaften Metalmagazine präsentierten sich dort. Aber nicht nur für den Musikkonsumenten gab es viel zu sehen, auch für Musiker war ein reichhaltiges Angebot vorhanden. Instrumente, Zubehör, Accessoires, etc. konnten bestaunt und teilweise auch ausprobiert werden und natürlich konnte man dem ein oder anderen sein Demo zustecken oder Kontakte knüpfen.
Diverse Workshops und Instrument Clinics, bei denen verschiedene Instrumentalisten ihr Können darboten und im Anschluss daran für Fragen aus dem Publikum zur Verfügung standen, wurden auf zwei weiteren Bühnen angeboten, so dass man um alles miterleben zu können stellenweise in Zeitnot geraten konnte.

Tag 1
Freitag, 15. Februar 2008

Als wir gegen 17 Uhr an der Halle ankamen, hatte sich bereits eine beachtliche Schlange vor dem Einlass gebildet. Nachdem ich die Halle betreten hatte, war es noch fast eine Stunde Zeit bis die erste Band die Bühne betrat und so konnte ich erst einmal gemütlich durch die Ausstellungshallen schlendern.

Als erste Band des Abends spielten Sotajumala auf der Hauptbühne. Ihr Name bedeutet übersetzt Kriegsgott. Von Anfang an sprühten die Herren nur so vor Energie. Rein von Äußerlichkeiten ausgehend, macht Sänger Mynni nicht unbedingt den Eindruck als wolle er Konfliktlösungsstrategien in Ruhe bei einem Tässchen Mate-Tee ausdiskutieren und dementsprechend voll in die Fresse war auch der Sound! So konnte man die angekündigte Ballade wohl auch eher mit einem Augenzwinkern betrachten, denn die Jungs prügelten sich in bester Deathmetal-Manier auch durch diesen Song. Hier werden keine Gefangenen gemacht.

Und schon ging es weiter mit dem Songwriting Workshop von Tuomas Saukonen dem Mastermind und Songwriter von Before the Dawn und Dawn of Solace. Das hieß also quer durch alle Ausstellungshallen, zu der sich am anderen Ende des Komplexes befindenden Zodiak Stage laufen.
'Wie schreibt man einen Song?' war das Thema seines Vortrages. Auch wenn mein Finnisch nicht das Beste ist, so konnte ich dem, was Tuomas erzählte gut folgen. Ganz klar, zuerst braucht man eine Grundmelodie, die man am besten mit der akustischen Gitarre gemütlich auf dem Sofa ausprobiert. Dann geht's ans Umsetzen. Für die Dynamik des Songs darf natürlich eine Bridge nicht fehlen. Die Leadmelodie auf der Gitarre wird dann als drittes eingebaut. Für die Aufzeichnungen dieser drei Elemente spielte der Mann hinterm Mischpult jeweils das Klicken eines Metronoms ein. Nun muss noch ein echtes Rhythmusinstrument her. Also zog Tuomas sich die Schuhe und Strümpfe aus und schwang sich hinters Schlagzeug. Nach einer kurzen Einführung, dass man je nach Stilrichtung die Art des Spiels dosieren und variieren muss, gab er einige Beispiele für Jazz, Pop etc vor. Der Tontechniker startete die vorher aufgezeichneten Gitarrenparts und los ging's mit den Drums. Jetzt fehlte nur noch der Bass. Da dieser sich meist am Schlagzeug orientiert, wird er auch zuletzt eingefügt. Die vier bereits aufgezeichneten Spuren wurden wieder eingespielt und nun die Aufnahmen mit dem Bass abgeschlossen. Zum Finale wurde der fertige Song noch einmal komplett abgespielt.
...wenn's doch nur so einfach wäre!

Zwischen Ausstellungshalle eins und zwei befand sich die Cafeteria und in einem Freiraum neben dieser hatten Cause for Effect ihr Lager aufgebaut und beschallten in regelmäßigen Abständen die Anwesenden mit ihrer doch recht ungewöhnlichen Musik. Ihre Mischung aus Grindcore, Freejazz und sonstigem kam bei vielen Leuten an und so bildete sich immer, wenn die beiden wieder mal ein paar Stücke zum Besten gaben, eine relativ große Menschentraube.

Discard
Die Truppe aus Joensuu bediente das Thrash-/Deathmetaller-Herz vom Feinsten. Doch es wurde nicht nur ordentlich drauf los geknüppelt, sondern es zeigte sich auch hier und da der ein oder andere Prog-Ansatz in Form von diversen Soli, melodischen Elementen oder diversen Breaks. Der Auftritt war mitreißend und die Band zeigte sich äußerst spielfreudig.

Laut Plan sollte jetzt Matias Kupiainen bereits auf der Zodiac Stage zugange sein, doch als ich ankam, war gerade noch der letzte Rest einer Art Fragestunden mit Archie69 von The 69 Eyes und Niclas Etelävuori von Amorphis im Gange. Ein Moderator stellte den beiden Fragen und diese plauderten ein wenig aus dem Nähkästchen.
Nachdem die Drei das Feld geräumt hatten, betrat Matias Kupiainen die Bühne. Wem der Name nichts sagt, der ist nicht alleine. Er war der Gewinner, eines im Vorfeld zu den Aufnahmen des finnischen 'Guitar Heroes' Albums abgehaltenen Wettbewerbes, dessen Sieger für besagten Longplayer eine Passage einspielen durfte. Dasd der Junge wirklich talentiert ist, davon konnte man sich hier überzeugen. Schade nur, dass er vor Beginn einen ewig langen Soundcheck machte und ich deswegen nur kurz seinem Spiel lauschen konnte, weil mir die Zeit davon rannte. Denn auf der Hauptbühne bahnte sich nun das eigentliche Highlight dieses Abends an:

Die Verleihung der Finnish Metal Awards (detaillierter Bericht).

Turisas
Die Band wirkte zu Anfang ein wenig reserviert, die Aktion auf der Bühne wurde dann aber doch noch richtig wild, was jedoch nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass die Vertretung am Akkordeon sich teilweise etwas unbeholfen anstellte. Der Sound war insgesamt extrem breiig. Während des ersten Drittels der Show wurden viele Pyro-Effekte abgefeuert und das Publikum schien die weniger gute Soundqualität nicht weiter zu stören, denn sie feierten die Truppe um Warlord Nygård kräftig.

Tag 2
Samstag, 16. Februar 2008

Am zweiten Tag der FME öffneten die Türen bereits um 14 Uhr und obwohl die erste Band Kiuas schon um 15 Uhr die Bühne betrat, war es im Gegensatz zum vorangegangenen Tag schon sehr gut gefüllt.
Die bereits Anwesenden wussten warum, denn Kiuas zündeten ein musikalisches Feuerwerk, das seines gleichen suchte. Sänger Ilja erstaunte mit seiner extrem variablen Stimme. Von tiefsten Growls, über blackmetalartiges Kreischen bis hin zu wunderbar brillanten, an eine Powermetal-Stimme erinnernde Cleanvocals, hat der Mann die gesamte Bandbreite des Metalgesangs drauf. Vom ersten Ton an ging das Publikum mit. "Wilkommen zu unsere Rock'n'Roll Revue" lautete das ausgegebene Motto. Lauri Porra, der am heutigen Abend aushilfsweise den Bass bediente, fügte sich in die Truppe ein, als würde er zur Stammbesetzung gehören und rockte was das Zeug hielt. Beim vierten Song "Warrior Soul" gerieten die Leute dann vollends aus dem Häuschen. Es wurde mitgesungen, gemoscht und die Stimmung war großartig. Leider war das Spektakel schon nach einer halben Stunde wieder vorbei.

Unglücklicherweise hatten Amberian Dawn, die zu Unrecht von vielen als weiterer Nightwish-Klon bezeichnet werden, zu Beginn ihres Sets mit großen Soundproblemen zu kämpfen und so konnte man die wunderschöne Stimme von Sängerin Heidi beim ersten Song fast gar nicht hören. Nach dem zweiten Lied war dann die Abstimmung wesentlich besser und Heidi, die besonders am Anfang sehr steif wirkte, kam nun wesentlich gelöster rüber. Insgesamt betrachtet war die Show zwar optisch wenig spektakulär, dafür aber musikalisch gesehen durchaus hörenswert.

Ari Koivunen
Bei Ari Koivunen spalten sich die Meinungen in der finnischen Metalszene. Die einen mögen den 'Idols'-Gewinner (das finnische Pendant zu Deutschland sucht den Superstar), auch wenn ‚Hevi-Ari' trotz seines Hardrock-Gebarens, den Status eines Popstars inne hat und er in der finnischen Teeniepresse hochgejubelt wird. Die anderen verabscheuen den Jungen zutiefst, was sich auch in den Publikumsreaktionen während der gestrigen Preisverleihung widerspiegelte. Bei diesem Auftritt galt: wer ihn nicht sehen wollte, ging einfach nicht hin. Dementsprechend war der weibliche Anteil sehr hoch, was auch für diverse Kreischeinlagen zu Beginn des Sets verantwortlich war. Als Ari auf die Bühne kam konnte man sein Gesicht vor lauter Kappe und Kaputze kaum entdecken, doch es schien so, als taute er nach den ersten positiven Reaktionen von Seiten des Publikums auf. Bald waren der Hoodie und die Mütze verschwunden und er rockte richtig drauf los. Zwar klingt seine Stimme live nicht ganz so wie auf dem Album, aber dennoch konnte er überzeugen.

Lauri Porra Bassclinic
Lauri Porra ist und bleibt ein Phänomen. Vor Beginn der Fragerunde zeigte der Meister erst einmal was man aus einem Bass alles für Töne und Läufe heraus locken kann. Solche Techniken wie beispielsweise Tapping, habe ich zuvor noch nie bei einem Bassisten gesehen. Was dieser Mann auf dem Instrument zaubert ist einfach umwerfend und schwer in Worte zu packen.

Was hätte nach so viel geballter Basspower besser passen können, als gemütlich in der Cafeteria den Grindjazz-Klängen (ich taufe das jetzt einfach mal so) von Cause for Effect zu lauschen. Denn die Herren traten auch heute wieder in regelmäßigen Abständen an gleicher Stelle wie gestern auf.

Für Norther, wie für die vorangegangenen Acts galt, kurz aber heftig. Denn auch sie hatten nur eine Spielzeit von knapp 30 Minuten. Da dies der erste Gig seit der Veröffentlichung von 'N' war, spielten die Jungs ausschließlich Material vom neuen Album und im Gegensatz zu den Studioaufnahmen konnten mich die live gespielten Lieder absolut überzeugen. Mein persönliches Highlight war das, als zweites gespielte 'Frozen Angel', welches bereits letztes Jahr unter anderem auf dem Soundtrack zu 'Vares 2- Jäätynyt Enkeli' veröffentlicht wurde. Norther sind und bleiben eine absolut klasse Liveband, deren Songs auf der Bühne wesentlich besser rüber kommen als auf der heimischen Stereoanlage abgespielten CD.

The Scourger
Ich habe es ja nicht so mit Metal und war ein bisschen skeptisch. Dennoch wollte ich diese Jungs auch einmal auf der Bühne erleben und es lohnte sich definitiv, denn sie boten eine tobende, energiegeladene Show vor einem ebenso tobenden Publikum. Sänger Jari ließ sich kaum vom Rand der Bühne vertreiben und machte sich einen Spaß daraus, die Fotographen und ihre Linsen mit Schweiß vollzutropfen.
Musikalisch boten sie auch eine gute Show und meines Erachtens kommen die Songs live wesentlich besser rüber als aus der Konserve. (N)

Parallel zu The Scourger hielt Teppo Velin von Stam1na seine Drum Clinic auf der Zodiak Stage ab. Zur Verstärkung hatte sich Kake einen Gitarristen mitgebracht und legte auch nach kurzer Einführung, bei der er über die verschiedenen Genres redete, los. Ich habe ihn schon immer für einen guten Drummer gehalten, aber was einen guten Schlagzeuger auszeichnet, ist, dass er variabel ist und so demonstrierte er nicht nur das metaltypische Doublebass-Spiel, sondern gab auch jazztypisches, Off-Beats und anderes zum Besten. Bevor dann die Fragerunde anfing, stellte er erst einmal klar, dass er keine Fragen zum neuen Stam1na-Album und auch keine privaten Dinge gefragt werden möchte. Es sei schließlich eine Drum-Clinic.

Korpiklaani, die Waldschrate aus den Tiefen der finnischen Wälder, sind immer wieder hörens- und auch sehenswert. So viele Leute und Aktion auf der Bühne, dass man vor allem am Bühnenrand aufpassen musste, nicht plötzlich einen Stiefel am Kopf zu haben und schon das ein oder andere Mal in Deckung gehen musste. Dieser Auftritt war Lebensfreude pur! Gitarrist Kalle fegte über die Bühne wie ein Derwisch und auch Sänger/Gitarrist Jonne stand ihm in nichts nach, auch wenn er natürlich immer wieder zu dem mit Rentiergeweihen dekorierten Mikro zurückkehren musste. Das Publikum war aus dem Häuschen und ließ sich von der Stimmung der Band sofort anstecken, doch schon nach einer halben Stunde musste der Klan wieder das Feld räumen.

Stam1na
Die schwedische Truppe Soilwork hatte die Halle schon richtig gut vorgewärmt und so kamen Stam1na kamen von vornherein schon ohne T-Shirts auf die Bühne. Was natürlich besonders bei den Damen in den ersten Reihen für freudige Gesichter sorgte. Außerdem konnten die Jungs auch mit Gästen auf der Bühne aufwarten, die auf dem neuen Album Gesangsparts beisteuerten. Auch Keyboarder Emil, den einige bereits von der Deutschland-Tour und aus dem Video zu 'Lääke' kennen könnten, war wieder mit von der Partie. Sie spielten 'Raja' nahezu komplett und ihr neues Material konnte live vollends überzeugen, aber es durften natürlich auch älteren Stücke wie 'Paha arkkitehti', 'Uudet kymmenen kaskyä' oder 'Kaksi reittiä yksi suunta' nicht fehlen. Das Fazit nach diesem Auftritt: ein geniales Konzert beendete eine gelungene FME 2008.

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