Bericht: Warbringer, Defiance, Rusty Eye, Scythe, Velosity, Master Destructor, Unzane, Dybbuk, Polemic


Das einschlägig mehr oder weniger bekannte Whisky A Go Go auf dem Sunset Strip in Los Angeles lud einmal mehr zur Konzertparade und ließ gleich neun Bands auflaufen. Vor- und Nachteile eines solchen, für den Club nicht ganz unüblichen Abends, seien dahingestellt. Unter diesen Bandansammlungen finden sich auch immer wieder richtige Perlen, eine davon sind Warbringer aus Vetura, CA.

Aber erst mal auf Anfang: Begonnen hat der ganze Spaß in einer lauschigen Frühlingsnacht, in der eigentlich um 20:00 Einlass sein wollte und kurz vor acht schon die erste Band auf der Bühne stand. Also verpassten wir diskret den Anfang, mussten aber eingestehen, dass das bei Polemic nicht unbedingt schade war. Zumindest war der Club noch fast leer und die Band überforderte uns mit etwas zu viel verzerrter Gitarre und nicht vorhandenem Gesang, so dass wir erst einmal die Flucht antraten.

Wieder eingefunden haben wir uns leider erst zu den letzten beiden Songs von Velosity. Was wiederum sehr schade war, da sich so allmählich Konzertstimmung breit machte und die drei Herren im Übrigen ziemlich rocken. Sie verzichten auf jeweiligen Schnickschnack und bieten schnellen, aggressiven Thrash. Simpel und gut.

Danach traten Scythe auf die Bühne. So ganz konnten sie uns mit dem was sie da ablieferten nicht überzeugen, alles wirkte etwas langatmig und irgendwie nicht wirklich einprägsam, bzw. konnte sich nicht wirklich abheben. Jaja, alles schon einmal da gewesen, was allerdings nicht heißen soll, das die vier als Lokalband nichts drauf hätten. Sie machen schon ganz anständigen Metal, mit Einfluss von Thrash Klassikern der 80s, nur leider fehlte das entscheidende Etwas sich im Ohr festzusetzen.

Kurzer Umbau und Rusty Eye versuchten sich auf der Bühne. Die, wie ihre Vorgänger ebenfalls, in Los Angeles beheimatete Band gibt sich auch dem Metal hin, allerdings in einer recht eigenwilligen Konstellation: Zu dritt mit Gitarre, Bass und Drums - nicht ungewöhnlich, aber es teilen sich Bassist Mr. Rust und Drummerin Miss Randall die Vocals. Wobei Letztere nicht nur klassisch die Backing Vocals bedient, sondern gleichberechtigte Vocalparts übernimmt. Durch ihre gute Stimme eigentlich kein Problem und von der Scheibe hört man das Potential der Drei von ersten Augenblick. Leider klingt das live nicht so eindeutig, man hatte das Gefühl die Stimme der Drummerin leidet arg unter der Doppelbelastung.

Das Gefühl hatte sich so langsam im Club breitgemacht und die Stimmung war merklich abgekühlt. Nicht unbedingt die besten Vorrausetzungen für die folgende Band, wir waren gespannt.

Die Nächsten am Start waren Defiance. Die Band aus Oakland beendete die Lokalbandrunde und brauchte auf der Bühne keine 30 Sekunden um die Stimmung hoch zu treiben. Der Club füllte sich rapide und ein etwas gewöhnungsbedürftiger Circle Pit (eigentlich Triangel-Run?) erhob sich vor der Bühne.
Seit 1985 gibt es die Band und auch wenn einzig Gründungsvater Mike Kaufmann (Bass) noch erhalten geblieben ist, geben die Fünf in Sachen Thrash Metal Vollgas. Auch wenn sie schon den einen oder anderen Namenswechsel und Bandmitgliederausstieg hinter sich haben, ihren Stil sind sie treu geblieben. Schnell, hämmernd und mit gekonnten Gitarren Soli. In ihrer aktuellen Besetzung mit Keven Albert am Mic, Jim Adams und Shawn Bozarth an den Gitarren, Mike Kaufmann am Bass und Neu Mitglied Burton Ortega an den Drums war es die erste Band an diesem Abend die sich auf der Bühne sichtlich wohl fühlte und die Leute mitreißen konnte.

Allerdings nicht die Letzte.
Warbringer sind der nicht mehr ganz so geheime Geheimtipp in Sachen Thrash. Die überraschend junge Band gastierte schon als Support für einige der ganz Großen der Szene und umso mehr freuten wir uns sie in diesem dagegen exklusiven Rahmen sehen zu dürfen. Mittlerweile hatte sich der Club auch mehr und mehr gefüllt und es wurden gespannt die Aufbauarbeiten auf der Bühne verfolgt.
Auch Warbringer brauchte nur wenige Sekunden um auch den Letzten im Raum von ihrem Können zu überzeugen. Sie kamen, sahen und schredderten alles gekonnt zu Boden.
Die straighten Songs mit extremen Moshpit-Potential ließen auch wieder unsere Circle Pit Freunde auflaufen und die überbesorgten Security des Clubs gleich dazu. Mit viel Tempo und coolen Groove-Parts von Bassist Andy Laux heizten sie der Menge ein. Die druckvolle und herausragende Arbeit von Nic Ritter an den Drums riss nicht nur die Band sondern auch uns in ungeahnte Sphären. Nackenschmerzen inbegriffen. Wie es Warbringer schaffen in so jungen Jahren dermaßen gut zu sein bleibt ein Rätsel. Vielleicht ist es die Stimme von Sänger John Kevill, die das Ganze unverwechselbar macht? Oder die donnernden Gitarrenparts von John Laux und Adam Caroll?
Was auch immer es war, an dem Abend schlug es ein wie eine Bombe und nach dem eigentlichen Ende gab es dann noch - auf ausdrücklichen Publikumswunsch - eine Zugabe. Nach einem kleinen Hinweis auf die kommende Tour mit Overkill war der Spuk dann auch vorbei und die feiernde Menge in die Nacht entlassen.

Neugierig? Zum Headbangers Open Air Festival kommen die Jungs über den Atlantik...
29. Juli 2010 HOA Hamburg


<<-- zurück / back