Bericht: Wacken Open Air 2010


"Frohes Neues" begrüßte man sich am Mittwoch nach dem Zeltaufbau mit seinen Nachbarn für ein paar Tage und ließ die Weizenmix-Flaschen klirren.
Aber im Jahre 2010, zum 21. Jubiläum, war Wacken nicht normal. Nun ja, das war Wacken zu diesem einen bestimmten Wochenende im August noch nie. 2009 stand die Musikauswahl eher für die "jungen Wilden". 2010 standen eher die "alten Ruhigen" auf dem Plan, denn im Vergleich zum Vorjahr war die Bandauswahl überwiegen eher seicht gehalten. Schwarz traf bunt - und die Auswahl der getragenen Bandshirts ließ erstaunlich viele Glam- oder auch Sleazebands durchblicken.
Außerdem war das WOA 2010 von Sonnenschein geprägt. Manch einer schleppte seine Gummistiefel vergebens mit - aber bedauert sei, wer keine andere Fußbekleidung im Gepäck hatte!

82.500 Teilnehmer wies das Festival in diesem Jahre auf. Teilnehmer sind in diesem Fall: Künstler, Helfer, Presse, sog. VIP, Dörfler, Rettungs-/Sicherheitskräfte und selbstverständlich die zahlenden Besucher. Und sie alle machten das W:O:A wie immer zu dem schönsten Wochenende des Jahres.


Mittwoch

Es war brechend voll. Man konnte sich kaum bewegen auf dem Wackinger Gelände. Unter Anbetracht der Geschichte aus Duisburg sollte man für Folgejahre doch darüber nachdenken, ob man nicht mehr Bühnen bereits an diesem Tag öffnet oder zumindest mehr Platz vor den bereits geöffneten Bühnen einräumt. Oder auch vielleicht mehr Entertainmentprogramm bietet? "Ist das da ein Tunnel?!", wurde beim W:O:A 2010 zum Running Gag. Fragwürdig…

Lord Of The Lost
Eröffnungsträger des Spektakels waren dieses Jahr Lord Of The Lost. Zu Beginn des Tages kannte diese Band ungefähr keiner, aber schon während des Soundchecks sammelten sich mehr und mehr Leute vor der Bühne und ließen sich begeistern. Kurze Zeit später sang der gesamte Platz zur Lady Gaga Cover Version und jubelte was das Zeug hielt. Die Dagewesenen wissen nun, wer die Hamburger sind und einige hoffen sicherlich nach diesem grandiosen Auftakt auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr.
Die komplette Konzertreview kannst du hier lesen.

Fiddler's Green
Sie übernahmen die Masse und wussten nicht weniger zu begeistern, auch wenn viele vorzeitig nach einem etwas luftigeren Plätzchen suchen mussten - schlichtweg zu wenig Platz auf dem Platz. Mit Fiddler's Green war die Party jedenfalls ein mehr als gelungener Start für das Wacken Wochenende.

Und der Himmel sah das ähnlich und sponserte so auch noch etwas Abkühlung von oben. Auch das überrascht in Wacken zum Festivaltermin niemanden mehr, man kramte seine unförmigen Müll-Regen Capes hervor und am Morgen danach sah man den einen oder anderen vorsorglich mal die mehr oder weniger hübschen Gummistiefel ausführen.

Bühnen- und Bandverteilung
Es macht den Anschein, dass auf Wacken nur noch große Bands spielen - oder eben viele sehr große und ein paar eher doch kleine.
Der Platz vor den Bühnen wurde dieser Entwicklung jedoch nicht angepasst. Bei Fiddler's Green flüchteten wir nach 1 ½ Songs aus der ersten Reihe. Nicht, weil die Folk-Rocker so schlecht waren, aber weil es einfach keinen Spaß macht, sich während eines Konzertes nur darauf zu konzentrieren, wer so alles direkt neben einem aus der Menge gezogen wird. Da hat man schnell die Nase voll und kann das Konzert in keiner Weise genießen.
Wenn man dann auch noch liest, dass Gojira ins Zelt gesteckt werden, schluckt man. Equilibrium auf der Wackinger ist absolut unglaublich. Da werden Bands, die in Vorjahren die Mainstages zum Überkochen brachten, nach "da hinten" verlegt… Zweifel kommen an der Organisation auf. Genauso spielten Tyr auf der Wackinger. Thematisch mag es treffend sein, aber auch wenn sie laut Heri Joensen beim letzten Besuch auf Wacken kaum Zuschauer hatten, sollte man bei der Bühnenvergabe darüber nachdenken, wie sich diese Band in den vergangenen Jahren entwickelt hat.
Bietet den Zuschauern mehr Platz!!!



Donnerstag

Surprise Act auf - festhalten - dem Red Bull Bus!
Apocalyptica!
Die Überraschung des Tages. Die Gerüchte und Vorahnungen (standen sie doch auf Postern und Shirts…) fanden sich bestätigt, als tatsächlich ein Cello samt Schwarzhaarigem die Leiter auf das Busdach erklomm. In einer guten halben Stunde überraschten die vier Finnen eine doch große Menge mit neuen Songs, sowie "I Don't Care" inklusive Gesang vom neuen Livesänger Tipe Johnson, der die Apos auch auf der folgenden Tour begleiten wird. Bittersweet wurde jedoch wie gehabt in der Instrumentalversion vorgetragen und eine Mischung aus Metallica- und Sepultura- Klassikern durfte selbstverständlich nicht fehlen. Der lautstarken Aufforderung nach einer Zugabe wurde mit Master of Puppets begeistert nachgekommen und die Menge vor dem Bus grölte enthusiastisch mit.
Im Prinzip ein Standard Apocalyptica Konzert, auch die Auswahl der Setlist - wobei der Standard bei dieser Band extrem hoch liegt. Besonders war aber eben die Überraschung und die Location, die dies zu einer Einmaligkeit gemacht hat, die man besser nicht verpasst hat!

Setlist:
Wherever I May Roam | Refuse / Resist | End Of Me | Sacra | Bittersweet | I Don't Care | Grack ??? | Hall Of The Mountain King || Master Of Puppets


"Wenn das schwarze T-Shirt nicht erfunden worden wäre, gäbe es dieses Festival nicht!"


Aus organisatorischen Gründen von Seiten des Veranstalters (zu später Aushang von Ort und Zeit) haben wir es leider nicht zum Prelistening von Apocalypticas Neuer ‚7th Symphonie' geschafft. Aber wir haben die Herren bei der Pressekonferenz Rede und Antwort stehen lassen.
Die Review des Albums kannst du hier nachlesen.

Alice Cooper
Danach ging es zur Superlative Alice Cooper, der ja eigentlich schon Kult ist und den man irgendwann gesehen haben sollte. Besonders schön mit wärmender Sonne und auf dem Boden sitzend. Der Herr nutzte die Bühne mit ihrer Größe und scheuchte seine knapp bekleidete "Asylum Krankenschwester" kräftig über die Bühne - durchaus zur Freude des Publikums. Zwischendrin endete Alice Cooper dann auch mal am Galgen. Der Sound kam zwar etwas schräg daher, aber so genau konnte man nicht ausmachen, woran das lag. Störte auch keinen, Alice' Tanz mit der Puppe hielt die Blicke fest und der Klassiker Poison wird wohl immer auch noch in der hundertachtzigsten Reihe mitgesungen.

Mötley Crüe
Band Of The Day
Vom Klischee passen die West Hollywood Altrocker rein gar nicht nach Wacken und dieser Tage sah man erstaunlich bunte Leute das schwarze Wacken auflockern.
Eine gute Stunde hieß es good ol' Rock'n'Roll, von Klassikern wie Girls Girls Girls bis zum ‚neuen' Saints Of Los Angeles. Friedlich und einstimmig feierten schwarz und bunt diesen Meilenstein der Musikgeschichte.

Iron Maiden
Gerammelt voll war der Platz von der Bühne bis zum Ausgang und wohl auch noch dahinter, als wir uns eigentlich unseren Weg zu Gojira ins sauerstoffleere Zelt bahnten. Bei unschlagbarem Sound spielten Maiden unter anderem ein Tribute für Ronnie James Dio, der bekanntlich kürzlich seiner Krankheit erlag. Am Folgetag wurde uns zugetragen, dass sich die Setlist ausschließlich auf neue Stücke und ein paar Alte "Must Haves" beschränkte.
Aber selbst im Zelt sitzend und auf die Franzosen wartend zog sich eine Gänsehaut durch die Thrashmetal Seelen, als die Hard Rocker ihren Überhit "Fear Of The Dark" spielten und auch noch fernab das komplette Zelt nicht anders konnte als mit zu singen.

Gojira
Nach einem Abend mit seichter Musik flog es einem um die Ohren im Zelt - laut und schnell. Gojira aus Frankreich ließen es krachen. Irgendwie fiel es zunächst schwer, sich auf den musikthematischen Wechsel einzustellen - vielleicht lag es aber auch daran, dass die nicht vorhandene Luft der WET Stage und das auf das Publikum gerichtete, extrem störende Strobo nicht einmal die Möglichkeit für Konzentration und Einstellen auf das Dargebotene gewährte. Dennoch war es brechend voll und es wurde gut abgefeiert.

Wetter
Mit diesem Paukenschlag verabschiedete sich dann auch endgültig die letzte verträumte Regenwolke und die Sonne nahm Wacken über Nacht für den Rest des Wochenendes ein. Erst wirklich zum Ende des Festivals Samstagabend gab es wieder Wasser von oben.


Organisationskritik
Organisation ist alles - heißt es so schön, und es stimmt auch. Wenn etwas gut organisiert ist, gibt es nichts zu meckern. Wenn es was zu meckern gibt, dann liegt es vielleicht daran, dass etwas nicht hinreichend durchdacht ist.
Wundersamerweise (?) war es dieses Jahr so, dass es beim Wacken Open Air aus Sicht der offiziellen Besucher, wenn man denn die Presse als solche bezeichnen kann, den einen oder anderen Kritikpunkt gab - jedenfalls was das Erreichen des Festivalgeländes angeht.
Mach einem Gast ist sicher die Brücke neben dem Autogrammzelt aufgefallen. Dies ist der Weg für Presse und sog. VIP, aber auch für Artists, die gerade ihr Freizeitvergnügen suchen, um auf das Festivalgelände oder eben zurück zum Zelt oder Bus zu gelangen. Die Öffnungszeiten waren allerdings mehr als fragwürdig. So spielte morgens bereits die eine oder andere Band. Die Brücke blieb verschlossen. Die letzte Band spielte noch - die Brücke wurde schon wieder geschlossen.
Nun gibt es auch noch einen anderen Weg vom eigenen Zelt zur Bühne - ganz weit hinten rum. Glücklich schätzten sich die, die "Artist" auf ihrem Kärtchen stehen hatten, die durften den Weg unter der Brücke durch wählen. Alle anderen mussten weit laufen - netterweise des Nachts ein Ende an einem Feld entlang. Unbeleuchtet. Bleibt zu hoffen, dass wir nicht die einzigen Mädels waren, die zwar mit mulmigem Gefühl aber dennoch unbeschadet dort hinten durch die Heide geschickt wurden.

Freitag

End Of Green
Eines der unschlagbaren Vorzüge eines Wacken Morgens ist es, sich langsam auf das Gelände zu schleichen, sich einen schönen Platz zu suchen und sich von Sonne und guter Musik verwöhnen zu lassen. End Of Green machten Freitag die Morgenkapelle und vor der Party Stage hatten sich dazu auch einige Menschen versammelt. Enttäuscht wurde Niemand, weder die die vor der Bühne hüpften noch die, die sich etwas im Hintergrund hielten. Band toll - Morgen toll - Alles toll.

Essen:
Im Vergleich zum Vorjahr bleibt nicht viel hinzuzufügen.
Neu war der Quarkstand, wo es Joghurt mit Früchten und / oder Müsli gab. Eine nette Abwechslung im Futterprogramm, die gerade bei dem diesjährigen Wetter gerne genutzt wurde.
Im Backstage Bereich wurde ein spitzenmäßiges Catering zu humanen Preisen aufgefahren. Super! Aber die Pommes haben sie vergessen. Für nächstes Jahr stehen diese jedoch bereits auf dem Merkzettel.

Amorphis
Während die Kollegin gerade in Florida am Pool chillte, genossen wir unser zweites Frühstück in Form von Früchtequark vor der Black und verfolgten einmal mehr im Gras liegend die Finnen von Amorphis. Die Sonne schien uns auf den Bauch - was will man mehr? Und geiler als Florida ist es hier allemal!

"I think this must be the most beautiful voice of the world - Wacken! Wacken!"


Die Apokalyptischen Reiter
Band Of The Day
Unterhaltung mit Forderung an die volle Konzentrationsfähigkeit zu früher Stunde und bei gefühlten 50° - im Schatten, wenn denn irgendwo welcher gewesen wäre…
"Wenn ihr ne Zugabe wollt, dann müsst ihr jetzt alle zum Veranstalter gehen!" So schallte es zum Ende von der Bühne. Die Stimmung war zum Überkochen, nicht nur weil es etwas warm war, sondern weil es einfach mitreißend war. Die Reiter sind eben einfach eine der besten Livebands, die man sich vorstellen kann - für Ohren und Augen wird ein Spektakel geboten.
Und tatsächlich gab es eine Zugabe, ohne dass geschätzte 40.000 Metalseelen den Veranstalter nervten - von sich aus wurde diese vom Stagemanager bewilligt und dieser trug dabei den Sänger der Reiter Eumel über die Bühne.

The Boss Hoss
Kontrastprogramm wurde dieses Jahr ganz groß geschrieben und so spielten im direkten, Anschluss zu den Apo Reitern The Boss Hoss. Man hätte jetzt glauben können das funktioniert nicht, aber schau da: Party in Wacken das geht immer, ob mit Cowboy Hut oder nicht. Okay, textsicher war definitiv anders, aber ein "Jihaa" geht immer und wenn es dann hapert, holt man einfach ein paar skurrile Instrumente vor und verwundert die Leute vor der Bühne - Hauptsache Spaß gehabt

Frei.Wild
Überraschung des Tages
Deutschrock aus Italien - mit fragwürdigem Ruf der Band. Hierzu wurde sich von Seiten der Band allerdings auch geäußert.
Wie (fast) bei allen anderen Bands auch wurde vor dem Konzert darauf hingewiesen, dass aus Sicherheitsgründen in Absprache mit der Band auf die Wall Of Death, den Moshpit und auch den Circlepit verzichtet werden sollte.
Pogo war aber offensichtlich erlaubt. Nun ja… jedenfalls wurde von der Bühne immer wieder dazu aufgefordert und das Publikum kam diesem Wunsch gerne nach.
Diese Band sagt von sich selbst, dass sie von der Stimmung vor der Bühne leben. Und diese war absolut hervorragend. Es gab Massen an Armen, besagte Pogorunden und mittelschwere Erdbeben von der hüpfenden Menge. Textsicher waren die Tausende allemal.
Vor "Land der Vollidioten" folgte bereits erwähnte Stellungnahme, dass die rechte Szene scheiße sei. Abgeschlossen wurde mit "Sieger stehen da auf..." und beendete eine perfekte Party vor und auf der Party Stage.

Broilers
Überraschung des Tages
Ich hasse das Zelt, aber die Düsseldorfer forderten dazu auf, kurz den Hass herauszulassen und Platz für die Liebe zu machen.
Der Deutsch-Rock-Abend wurde nach Frei.Wild hier fortgesetzt. Reggae Punk, der die Metaller Muskulatur entspannt und den gesamten Körper in Wallung bringt. Stillhalten war unmöglich im vollen Zelt - Abhotten und Abtanzen war angesagt. Etwas überraschend aber dennoch überzeugend, freuten sich alle in der Hütte und waren erstaunlich textsicher bei der Sache. Einfach erste Sahne, aber leider viel zu schnell vorbei.

Kostüme
Neben den vielen großartigen Bands, sind es immer und immer wieder die Besucher, die Wacken aufs Neue verschönern. Sei es mit Gesängen fürs Spiderschwein vor einigen Jahren oder durch die Errichtung wundersamer Zeltgebilde oder gar (Müll-) Kunstwerke. Mittlerweile finden sich auch immer mehr Leute, die sich kostümiert in die Menge wagen und so steht plötzlich mal ein Bär neben einem oder ein Pinguin bangt in der ersten Reihe. Immer wieder schön, immer wieder lustig und immer wieder gern.

Arch Enemy
Einen kurzen Entspannungsmoment zum wieder runterkommen nach den Broilers fanden wir bei den letzten Songs von Arch Enemy vor einer total überlaufenen Black Metal Stage.

Grave Digger
30 Jahre, darauf blicken Grave Digger mittlerweile zurück. Wo kann man ein solches Ereignis besser feiern als auf Wacken. Schließlich kann hier jeder zumindest irgendwas mitsingen und exklusive Gäste finden sich auch noch. So gab es ein Duett zusammen mit Doro Pesch, einen viel zu kurzen Besuch von Van Canto, die mit einstimmten in den Song, der wieder einmal Gänsehaut auslöste: ‚Rebellion'. Unterstützt wurde Chris Boltendahl vom Blind Guardian Sänger Hansi Kürsch und einem erstaunlichen Chor von Menschen überall auf dem Gelände.
Aber das einem auch nach einer solchen langen Zeit on Stage immer noch etwas einfällt, davon durften wir uns auch noch überzeugen: Kurze Hand hieß es: Licht aus, Leucht-Drumsticks an und Solo spektakulär voraus.

Slayer
Thrash Metal ist durchaus furchtbar entspannend und funktioniert somit wunderbar als Einschlafhilfe. Nur leider haben Slayer dies falsch verstanden. Sie fingen mit gutem Tempo an, aber irgendwie schlief die Band dann ein; ab dem zweiten Song ging der Speed verloren.
Aus geringerer Langeweile durften wir aber während der Großen auf der großen Bühne ein kleines "Privatkonzert" der Dudelsackspieler von Grave Digger in der Press Area genießen - wenn auch übertönt vom lauten Schlagzeug und Retortenmusik. Schade eigentlich.
Ein späterer kurzer Abstecher vorbei an Slayer auf der Suche nach etwas dreckigem Fast Food zeigte uns allerdings doch noch, dass die alten Herren das Tempo noch nicht ganz verloren haben.
Kurz zusammen gefasst: Dies war mein zweites Slayer Konzert - und leider konnten sie mich beide Male nicht überzeugen.

Samstag

Smoke Blow
Samstagmorgen um 1200 auf dem Wacken Gelände - gehen wir doch mal schauen. Bereits 2001 hatten sie die Ehre auf der WET Stage und siehe da, es schien als ob sich vereinzelt wer erinnerte. Jedenfalls gaben sie einen gelungen Einstieg in den letzten Wacken Tag. Auch wenn mittlerweile der ein oder andere von gleich zwei Sängern auf der Bühne etwas überfordert schienen.

Videoleinwände
Rechts, links und mittig der Black und der True Metal Stage stehen bekanntlich die großen Leinwände, damit auch die hinten noch etwas sehen können. Neuerdings steht eine solche auch auf dem Vorplatz (und im Backstage direkt hinter dem Bierstand von dessen Dach halb verdeckt, wo es letztes Jahr noch Fernseher taten und dank Retortenmusik sowieso kein Bühnensound ankommt).
Die Partystage wurde leider immer noch nicht mit einer Leinwand ausgestattet und es wird Zeit, auch eine an der Wackinger Stage unter zu bringen. Zelt? Reden wir gar nicht erst drüber… wäre eh kein Platz…
Aber immer wieder bleibt zu beklagen, dass die Auswahl der gezeigten Ausschnitte zu wünschen übrig lässt. Pyrotechnik wird missachtet und Sänger haben Gesichter. Ja. Aber normalerweise passieren auch andere spannende Sachen. Nikki Sixx (Mötley Crüe) hat einen faszinierenden Mikroständer oder bei den Reitern passiert ständig richtig was - um mal zwei Beispiele zu nennen.

Ektomorf
Ebenfalls am Morgen und auch nicht minder leise sammelten sich für Ektomorf viele Menschen vor der Black und machten hüpfend ihren Frühsport, ziemlich eindrucksvoll. Die Band aus Ungarn verlangte ihren Fans einiges ab und bekam dafür auch viel Support zurück. Immer wieder schön.

Crucified Barbara
WET Stage; Zelt; Sauerstoff - finde den Fehler. Ja, das Zelt mag ja Kultstatus haben, aber immer wieder gibt es auch Momente, wo man es gerne verbrennen würde. Die Schwedinnen hatten es also nicht leicht die Leute zu motivieren. Sie waren ziemlich gut, aber die Wenigsten hatten noch Energie um besonders auf sich aufmerksam machen zu können. Irgendwie schade.

Overkill
Nach Crucified Barbara im stickigen Zelt und einer halben Flasche Wasser über dem Kopf (auch wenn Duschen untrue ist), bieten Overkill genau die richtige Entspannung. Im Gegensatz zu Slayer haben sie es mit der Einschlafmusik richtig verstanden - schön schnell und immer schön den Takt halten! Gechillt im Gras liegen und berauscht werden - das ist Wacken!

"This is the metal capital of the whole fucking universe!"


W.A.S.P.
Von überwältigend bis langatmig deckte das Rockurgestein das musikalische Spektrum ab. Selbst in der etwa 200ten Reihe wurde textsicher mitgesungen, teilweise chillig auf dem Boden sitzend, während jedoch auch im Bereich direkt vor der Bühne die Aktivität eher zu wünschen übrig lässt. Mitsingen und tanzen, ab und an mal klatschen - das scheint nach dem heißen Tag anstrengend genug.
W.A.S.P. sollte man mal gesehen haben - irgendwie vermittelte das Publikum den Eindruck, dass es hier genau darum ging.

Tyr
Band des Tages
Irgendwo zwischen Norwegen und Island liegen die Färör Inseln, soso. Und komisch reden tun die da.
Auch die Wackinger Stage hielt jedoch unzählige Metalheads nicht davon ab, die Nordmänner mit ihrem teilweise in dieser komischen Sprache namens Färingisch mit ihrem Pagan- / Vikingmetal zu feiern. Und weil es so schön war, wurde auch gleich noch das Crowd - Werfen erfunden, nachdem Frontmann Heri Joensen noch kurz die ausfallende Wall Of Death bedauerte.

Immortal
"Schüttel dein (langsam fettiges) Haar für mich!" hieß es bei Immortal. Tausende Seelen machten sich auf, die Klischeeband zu feiern. Die machen einfach immer alles richtig und auch am letzten Abend freute sich der gerammelt volle Platz über kleine Spitzen gegen jeden und alles und einfach auch gute Musik. Ob etwas weiter hinten als Hintergrundmusik oder geifernd direkt vor der Stage - gute Laune pur.

Soulfly
Überraschung des Tages
Vor ca. 13 Monaten sahen wir Soulfly zuletzt. Die Stimmung in Band und etwa 20-köpfigem (kein Schreibfehler!) Publikum spiegelte sich im Popo.
Heute gaben die Brasilianer sich vor ca. 50.000 die Ehre und übertrafen alle Erwartungen um Längen, nicht nur als Max Calavera bei "Refuse / Resist" zum Circlepit aufrief.
Zu unserem persönlichen Wacken-Abschluss wurde noch einmal alles von uns gefordert: rennen, springen - und morgen werden wir nicht nur wegen der Nackenschmerzen heiser sein.
Wahnsinn war das genial, ich will noch mal!!!




Wacken - Rain or Shine - wir sehen uns in 2011. Und packen zu den Gummistiefeln vielleicht doch die Flip Flops?



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