Bericht: Wacken Open Air 2009



Der Wetterbericht Ende Juli sagt: Regen, schließlich ist Wacken! Fast zu 100% kann man sich darauf verlassen, dass Wacken und Schlamm auch in 2009 wieder eine Einheit bilden würden, und so regnete es immerhin zum Wochenanfang vor dem Großereignis und selbst zum Abschiedskonzert von Running Wild am Donnerstagabend vergoss der Himmel Tränen. Wettertechnisch war Freitag unberechenbar, aber trocken - In Extremo verzichteten netterweise auf den Spielmannsfluch und passend zu Heaven Shall Burn brannte am Samstag die Sonne vom Himmel, dass sich das Einpacken der Sonnencreme genauso rechtfertigte, wie die Gummistiefel.
Aber bekanntlich redet man nur über das Wetter, wenn man sonst nichts zu berichten hat. (N)
Es ist passiert. Die schönste und kürzeste Jahreszeit ist vorbei. Das zwanzigste Wacken Open Air ist vorüber und nun heißt es warten und sich die Zeit bis zum nächsten Jahr mit den Erinnerungen an das vergangene Fest zu vertreiben.

Erstmals seit einigen Jahren fuhr ich nicht alleine zum Wacken, sondern hatte Unterstützung von zwei Newbies, die Teil der Wackenfamilie werden wollten und am Donnerstag würden noch weitere, nicht ganz so neue Mitglieder folgen.
Dienstag Abend trafen wir in Wacken ein und stellten sehr schnell fest, das es dieses Jahr besonders viele Menschen sehr frühzeitig in den Norden gezogen hatte. So fanden wir uns in etwas größerer Entfernung zum Festivalgelände wieder, als wir erwartet hatten.
Die Anreise klappte ohne Probleme und wir konnten zügig auf den Campingplatz fahren, um dort erst einmal gemütlich unseren Begrüßungsgerstentee zu uns zu nehmen. Doch aus der Gemütlichkeit wurde vorerst nichts, denn es gab gleich einen Vorgeschmack auf etwas, was nach Aussagen vieler Besucher leider kein Einzelfall war - Rücksicht auf andere: Fehlanzeige! Es galt das Gesetz des Stärkeren bzw des Schnelleren und wer zu langsam war, konnte noch unter seinem Auto sein Lager aufschlagen. Aber ein paar "freundliche" Worte klärten schnell die Grenzstreitigkeiten. Glücklicherweise gab es noch genügend Metalheads, die tatsächlich wegen guter Stimmung und Spaß den Weg zum Festival gefunden hatten.


Wacken: Wellness und Aktivurlaub

Mittwoch, 29. Juli 2009

Da am Mittwoch in erster Linie Rahmenprogramm auf dem Plan stand, galt es zunächst die Örtlichkeiten zu sondieren.
Neu im diesen Jahr war das Wikingerdorf, wo es außer Ständen mit den typischen Accessoires auch einen Biergarten und verschiedene Fressbuden mit teils interessanten Speisen zu ordentlichen Preisen gab. Nach Aussage eines Besuchers konnte man nach dem Genuss von zwei Hanfbroten durchaus eine berauschende Wirkung feststellen, die seiner Meinung nach nur vom dem Brot ausging, nicht von dem ehemaligen Inhalt des Becherstapels, den er in der Hand hielt.
Außer verschiedenen Darbietungen bestand für die Besucher die Möglichkeit, sich auch selbst an den Waffen zu betätigen und schnell ereilte viele die Erkenntnis, dass Kraft alleine nicht hilft, wenn man Axt oder Wurfspieß ins Ziel bringen will. Aber auch handwerklich konnte der Freizeit-Wikinger tätig werden: sei es nun beim Schnitzen oder beim Selbstverzieren des Trinkhornes.
Diese gab es in den verschiedensten Größen und Preisklassen. Ein Schnäppchen-Modell fanden wir gleich an einem der ersten Stände. 700 Euro statt 810 Euro, da könnte man glatt zuschlagen.
In verschiedenen Vorführungen sollten ein wenig die frühere Lebensart und Wettkampfformen gezeigt werden und beim Knochenball konnten das gemeine Fußvolk selbst für Unterhaltung sorgen.
Am Abend spielten auf der Medieval Stage Fejd und Ragnaröek. Erstere machten sich aus Schweden auf den Weg, um auf der kleinen Bühne ihre Songs zu präsentieren, wurden dort ordentlich gefeiert und boten ihrerseits das richtige Warm-Up für die später auf dem Programm stehenden Nord-Deutschen. Diese sorgten mit deutschsprachige Texte und Publikumsnähe umgehend für beste Stimmung und auch Metalheads, die an sich nicht unbedingt den mittelalterlichen Tönen zu getan sind, ließen sich schnell mitreißen.
Dies ließ sich im Übrigen an allen Abenden beobachten. Auch wenn nicht jeder die Entscheidung gut hieß ein Wikingerdorf auf Wacken zu präsentieren, war der allgemeine Zuspruch groß. Viele nutzten das Areal auch um sich einwenig von dem Gedränge auf dem Festivalgelände zu erholen, ohne sich gleich vor das eigene Zelt hocken zu müssen.

Anders sah es da schon mit dem Bullhead City Wrestling aus. Zwar gab es wohl meistens genügend Neugierige, die einmal vorbei schauten. Am häufigsten hörte man aber: "Was soll das hier?". Ähnliches galt auch für den Jägermeister-Hochsitz, für nicht gerade wenige kam zu viel Volksfestcharakter auf.
Da Wacken immer so etwas wie Aktivurlaub ist, durfte natürlich ein Fussballturnier nicht fehlen, welches von den meisten Teilnehmenden mit dem nötigen Spaß in Angriff genommen wurde. Aber Spaßbremsen gab es auch hier. Da liefen tatsächlich welche auf, um scheinbar ihre schlechte Saison mit einem Turniersieg gegen einen Haufen Spaßvögel aufzuwerten. Und wenn mich der leicht betrunkene Torwart nervt, kann ich versuchen seinen Kopf von den Schultern zu schießen. Sorry Leute, aber wenn ihr keinen Bock auf Spaß habt, solltet ihr euch einen anderen Platz zum spielen suchen.
Vorbildlich in der Einstellung zeigten sich hier Delirium, die sogar ihre eigene "Medizinische Betreuung" hatten. Und auch wenn sich den Ball meistens ignoriert haben, der Unterhaltungswert war hoch. (P)

Auf Wacken tragen mehr Leute schwarz als auf dem M'era Luna.

Donnerstag, 30. Juli 2009

Die Presse durfte erst am Donnerstag ab 8 Uhr anreisen, jedenfalls stand es so auf unseren Zetteln; der Campingplatz sollte erst um 12 Uhr die Pforten öffnen. Wir hofften einfach, dass dies früher geschähe, ansonsten würden wir vor Selbigem parken. Der Check In verlief reibungslos, dank eigenem Bus dauerte der Zeltaufbau lediglich die Zeit des Verhängens der Frontscheibe und so machten wir uns gegen 9 Uhr mit einem Frühstücksbierchen auf zu einem Erkundungsspaziergang.
Bereits zu so früher Stunde schienen schon viele Metalheads wach zu sein, vielleicht war ein Großteil von ihnen aber auch gerade erst angereist - und offensichtlich hieß es für die Meisten, den Merchandinsestand auf dem Vorplatz zu stürmen. Die Schlangen dort schienen endlos, aber sie wurden vom Soundcheck auf den Hauptbühnen angeheizt - "Hallo" tönte es von dort und die Wartenden antworteten lautstark.
Währenddessen suchten wir bald vergeblich nach einem Mülleimer für unsere mittlerweile geleerten Flaschen. Auf der Shoppingmeile sollten wir welche finden, aber gerade auf dem Vorplatz in der Verköstigungsmeile sollte so etwas vorgehalten werden?! Kein Wunder wohl, dass im Laufe der Tage mehr und mehr Flaschen und Dosen im Matsch versanken. Ob wohl die (Rasen)fläche hier "nach Wacken" zwecks Müllentfernung durchgepflügt wird? Oder soll sich alles festtreten? Dann würde es jedenfalls in ein paar Jahren einen festen Untergrund und keinen Matsch mehr geben - auch eine Alternative, das Feld trocken zu legen. Über Umweltverträglichkeit lässt sich streiten.

Bevor nun doch irgendwann das Festivalgelände an sich öffnen sollte und wir uns dem einen oder anderen herausstehenden Ereignis auf den Bühnen widmen wollen, denken wir noch einmal an die Versorgungssituation:
Der eigens organisierte Supermarkt bot einen Bäcker mit frischen Brötchen und Broten, sowie mit dem Bedarf vergessener Sachen und anderer Lebensnotwendigkeiten - Einweggrills, Dosenfraß, Klopapier, Nutella, Kondome, Chips, Zahnbürsten und so weiter. Die Preise waren selbstverständlich nicht mit dem normalen Ladengeschäft vergleichbar, aber das sollte man auch nicht wirklich erwarten.
Weitere Verköstigung wurde von 6 Uhr bis 18 Uhr in Form von Frühstückszelten geboten. Hierbei lässt sich jedenfalls von unserem Campingplatz berichten, dass es etwas wenig war, nur eine kleine Kanne Kaffee zurzeit kochen zu können. Dies dauerte alles ganz schön lange und kostete uns auch noch 2,50 € (und so waren wir mehr als froh, als wir später unseren eigenen Kocher zum Laufen brachten). Muffins und Donuts standen ebenso zur Auswahl wie Rührei, belegte Brötchen oder Fertigpakete - allerdings gab es diese nicht in der wurstlosen Variante und mit 4,50€ für 2 Brötchen mit Belag zum Selberdrauftun war es auch nicht wirklich günstig.
An warmen Speisen wurde viel geboten - Pizza und Asia Nudeln (das waren allerdings gebratene Spagetti, dennoch das Beste, was wir probierten), auch Burger und Hot Dogs (uns wurde verraten, auch dies sei gut gewesen), der legendäre Wacken Nacken, Pommes mit oder ohne Currywurst, Crepes, Eis und und und... Die versprochenen "ständig frisch gebackenen Quarkies" waren jedoch auch alt, als wir sie zum Mitternachtskaffee testeten.
Als Wackinger fand man auf dem Medieval Market diverse mittelalterliche Köstlichkeiten zu recht humanen Preisen. Leider hatten wir nie Hunger, wenn wir den Weg dorthin fanden, und somit probierten wir nichts. Ist aber für nächstes Jahr vorgemerkt!
Dennoch möchte ich an dieser Stelle ganz arg bemängeln, dass die Vegetarier unter uns zwar durchaus etwas in die Mägen bekommen (wenn man mal von dem Weißbrot mit wässrigem Salat und der Milch oder was auch immer die Soße sein sollte absieht - es nannte sich "Salattasche"). Aber die Diskussionen, kein Fleisch über die Nudeln haben zu wollen, wenn man vegetarische Nudeln bestellt, ist genauso nervig, wie mit einem Gefühl von Proteinmangel nach Hause zu kommen. Vegetarisches Essen hat nichts mit 'einfach Fleisch weg lassen' zu tun, es gibt tatsächlich gute Gerichte, die sich auch mit wenig Aufwand zubereiten lassen, die einen tatsächlich satt machen und einem die Nährstoffe liefern, die man gerade auf einem Festival braucht.
Dies soll ein Denkanstoß an die Organisation des Festivals sein, einen winzigen Tick mehr Abwechslung in den Speiseplan zu bekommen. Es müssen nicht unendlich viele Stände sein, aber vielleicht zumindest einer auf jeder Seite der Bühne wäre wünschenswert!
Ach, die Bierpreise: 3,50€ für 0,4l bzw. 8,50 € für einen Liter halten sich wohl noch relativ im Rahmen. Aber aufpassen, dass einem kein Pfandgeld aus der Tasche gezogen wird, wenn man den Becher tauschen will! Jedoch hatten die Bechersammler in diesem Jahr auch wieder ihre helle Freude, gab es doch unzählige Verschiedene. Cocktails gab's für 6,50€ im 0,3l Becher, Wasser, Cola und Co kamen 3€, bisschen happig.

Um 16 Uhr fanden wir uns zum Metal Battle in der W.E.T. Stage ein, wo wir allerdings ziemlich alleine waren. Auf dem Plan stand der Vertreter aus Finnland, bis zum Ausdruck des Spielplans am Vortag nicht namentlich genannt. Als kurz vor der Stagetime seitlich der Bühne eine Playlist ausgehängt wurde, stellten wir überrascht fest, dass es erst um 17.15 Uhr losgehen würde. Kein Vertreter aus Finnland? Gibt es dort keine Metalbands mehr? Ein Armutszeugnis?!
Skyline & Special Guest weihten gleichzeitig die Black Metal Stage ein. Die Show fiel in die Kategorie "jeder der schon anwesend und wach ist, darf was spielen" und Metalfans sind zeitweilig leicht zu begeistern, so gab es auch eine Polonaise zu "Es gibt kein Bier auf Hawaii" mit Onkel Tom.
D.A.D. - Disneyland After Dark feierten ihren gering besuchten Auftritt auf der Partystage. Es ist schon lustig, sie zu sehen, wenn man denn etwas sehen kann. Leinwände sollten hier für das nächste Jahr möglicherweise in Erwägung gezogen werden.
Steht man auf der linken Bühnenseite, bekommt man auch immer wieder akustische Probleme, denn über die gesamten drei Tage waren die Bands von der "Black" überall gut zu hören - außer vor dieser selbst, wenn man im Bereich vor dem Soundturm einen Platz gefunden hatte. So dröhnten uns während D.A.D. Schandmaul ins Ohr und nicht nur aus soundpraktischen Gründen wechselten wir hinüber. Der gesamte Festivalbereich schien hier bis auf den letzten Zentimeter gefüllt gewesen zu sein und es gab absolut kein Durchkommen. Für die frühe Uhrzeit herrschte eine überwältigende Stimmung und das Publikum war zu 100% textsicher, während Schandmaul ihre Kracher zum Besten gaben. (N)
Es folgte Der W, der sich wiederholt bei der Festivalorganisation bedankte, zum dritten Mal in Wacken - wenn auch das erste Mal Solo - spielen zu dürfen. Natürlich brachte er auch seine aktuelle Live-Band mit und für gute Stimmung war gesorgt. Gleichzeitig feierten J.B.O. anstelle von Anthrax kurzfristig vorverlegt ihren Auftritt als Secret Show auf der Party Stage. Wir wussten zwar, dass J.B.O. das Geheimnis des Tages waren, aber nichts von der Spielplanänderung und so lässt sich einfach nur einer unserer Mitreisenden zitieren: "J.B.O. sind einfach nur bescheuert." - Damit wollten wir sie uns ansehen gehen... (N, I)
Running Wild spielten in Wacken wie so viele Bands zuvor schon ihr Abschiedskonzert. Der Himmel entschloss sich, eine Menge Tränen zu vergießen. Zum Besten gaben sie dabei ein Setlist, welche von den Fans im Internet gewählt wurde. (N, P)
Heaven & Hell sorgten zum Abschluss des Abends für Verwirrung. Waren sie für die "Black" angekündigt, wunderten wir uns noch, dass vor der eigentlich an diesem Abend nicht benutzten True Metal Stage so viel los war, als dort plötzlich das Licht anging und Heaven & Hell auftraten. Im Zuschauerbereich vor der Black setzte eine kleine Völkerwanderung ein.
Das Drumset um Vinny Appice glich einem Haus, und frau hielt dies erst einmal für eine geile Deko. Bei einem anfangs wenig überzeugenden Drumsolo mit stetiger Steigerung wurden wir jedoch eines Besseren belehrt: Appice drehte sich und spielte tatsächlich alles um sich herum. Tolle Show - aber spieltechnisch leider nicht das Beste des Tages.

Irgendwann zwischendurch bei dem am ersten Tag mit nur einer Hauptbühne nicht ganz so vollen Spielplan machten wir einen weiteren Abstecher in den Medieval Bereich, um uns die Handwerker des Mittelalterlichen Spektakels anzusehen und uns eine Weile Spaß mit einem Gaukler zu gönnen. Seine Kunststücke selbst waren nicht allzu weltbewegend, allerdings unterhielt er umso mehr mit seinem Mundwerk. Zwischendurch fand auf der Bühne eine weitere der legendären Hochzeiten auf Wacken als kirchliche Trauung statt.

Band des Tages waren Schandmaul, das Bühnenbild des Tages lieferten Heaven & Hell, nicht nur aufgrund des Drumsets, sondern auch wegen der nostaligisch anmutenden Friedhofszäune und der altaraufgang-ähnlichen Treppe vor dem Drumset. Nicht zu vergessen Ronnie James Dio's glitzerndes Oberteil. (N)

Auf Wacken bangt der Papagei.

Freitag, 31. Juli 2009

Zum Frühstück gab es für uns Endstille. So still sind sie gar nicht, aber dafür waren wir wach. Für Verwirrung sorgte hier jedoch der Sänger, denn dem geübten Auge fiel schnell auf, das nicht Iblis ins Mikrofon trällerte. Eine kurze Recherche ergab, dass es sich um Mannevold von Koldbrann handelte. (N, P)
Während Walls Of Jericho auf der Black mit einem riesen Pit gefeiert wurden, spielten auf der Partystage Tristania. So ganz ins Thema passen die Norweger nicht, dennoch konnten sie einen Teil der offiziell 77.000 Anwesenden begeistern. Uns allerdings zog es zu einem gemütlichen Sit-In vor der True, heraus aus dem Soundüberlappungsbereich Richtung Black, um uns Walls Of Jericho auf einer der drei großen Leinwände anzusehen und gemütlich mit einem Vodka mit Maracujasaft in der Sonne zu chillen - und die Musik passte hervorragend zur Stimmung. (N)
Kurz darauf zog es uns zu Callejon ins Zelt - oder auch direkt davor, denn ein Hereinkommen war ein Ding der Unmöglichkeit. Callejon klärten das Publikum darüber auf, dass ihnen angedroht wurde, keine Wall Of Death entstehen zu lassen, ansonsten würde ihnen der Strom abgestellt. Dies wurde kurz vor dem regulären Ende ihres Auftritts umgesetzt. Auf unserem Platz vor dem Schlammsee bekamen wir zwar Luft, allerdings mehr Sound von Airbourne auf der Black um die Ohren, als von der von uns erwählten Band. Und zu Airbourne bleibt dabei nur eine Frage: "Ist das 'ne AC/DC Coverband, oder warum hören die sich so an?" (N, P)
Aufgrund bleibender -zugegebenermaßen schlechter- Erinnerungen an Dragonforce beschlossen wir, sie uns noch einmal anzusehen und uns eine zweite Meinung zu bilden. Wenn man also Ernst im Bus lässt, Humor mitnimmt und außerdem keine Vorurteile gegen Keyboarder in neongelben Röhrenjeans hat, kann man auch darüber hinweg sehen, dass man sie eigentlich sehen muss, um Spaß zu haben - und dabei tatsächlich leider gar nichts sehen kann. (Wir sind wieder beim Thema: "Eine Leinwand ist ein Muss für die Party Stage in 2010!") Jedoch war der Sound diesmal überragend gut, die Stimmung ebenso und verdammt voll war es auch! Wenn man bei Dragonforce die stilistische Geschmacksfrage wie bei jeder anderen Band auch außer Acht lässt, hat man hier eine Spaßgarantie.

Piratenmetal kennt man, Thrashmetal kennt man, aber Piraten-Thrash? Genau, das ist Swashbuckle aus Miami / Florida, wo die Leute bekanntlich sowieso einen Piratentick haben. Scheinbar spielten sie nur aufgrund ihrer Klamotte auf der Mittelalterbühne, denn musikalisch sind sie von dieser Schublade verdammt weit entfernt. Allerdings sprangen hier und da doch ein paar Ritter durch den Moshpit. Headbangende Papageien und crowdsurfende Haie waren definitiv den weiten Weg dort hinüber wert, genauso wie auf den Großteil der Bullet For My Valentine Show zu verzichten - bei der der Sound so grottig war, dass man sich fragte, warum die Waliser sich überhaupt die Mühe mit zwei Gitarren oder Gesang machten, wenn sowieso nur Matsch aus den Boxen dröhnte. (Vorwurf an den Tonmenschen, nicht an die Band!).
In Flames bedankten sich beim Veranstalter und beim Publikum, dass sie bereits zum sechsten Mal in Wacken spielen durften, das erste Mal war bereits im Jahre 1997 gewesen. Das Soundproblem von BFMV bekam man vom Klang her langsam in den Griff, leise war es aber immer noch. So leise, dass das Publikum später bei Amon Amarth, dem heimlichen Headliner des Abends, lautstark und bald einstimmig "lauter lauter lauter" brüllte - es handelt sich hier um ein Metalkonzert, dies sollte man im Hinterkopf behalten! Und man will sich eigentlich nicht problemlos unterhalten, wenn man vor der Bühne steht. Klingt komisch, ist aber so!
Nichts desto trotz waren Amon Amarth die Band des Tages und auch die mit den überwältigsten Bühnenaufbauten - ein halbes Langschiff kam zum Einsatz, Feuerwerke und kämpfende Wikinger, aber auch Wikingerwachen, die keine Miene verzogen. Auch bei einer Spielzeit von 2 Uhr nachts und einer sich langsam einschleichenden Kälte schien sie absolut jeder sehen zu wollen und textsicher bei der Sache zu sein.
Unser Geheimtipp des Tages sind Swashbuckle, die im September mit dem Paganfest auf Deutschland Tour kommen. Vielleicht einfach mal vormerken!

Zwischen den Konzerten kam eine Ansage, die wohl den Kampf des Wacken Open Airs zum Thema Wall Of Death eindeutig klar stellt:
"Wir sind das größte Metalfestival der Welt und wir waren bisher das Friedlichste. Damit wir auch das friedlichste Festival der Welt bleiben, möchten wir euch bitten, keine Wall Of Death zu machen. Macht lieber einen Circlepit!"

Wacken und Circlepit Weltrekord Versuche

Samstag, 1. August 2009

Der Geruch nach Matsch, Schweiß, Bier und Urin ist allgegenwärtig und das, was ein Wald- und Wiesenfestival ausmacht. Die Wenigsten haben wohl in den letzten drei Tagen geduscht und werden es auch frühestens zu Hause nachholen. Es stinkt, aber will man das missen? (N)
Auch ohne (am Vorabend) betrunken gewesen zu sein, hängt man morgens manchmal durch. Drei Nächte mit wenig Schlaf und 15 Stunden ununterbrochene Konzerte fordern ihren Tribut. Also frühstückten wir gemütlich mit frisch gebrühtem Kaffee, Käsebroten, Obst und Gemüse, machten einen Spaziergang über das Gelände und den Medieval Market, chillten eine Runde und fanden uns mit einem Bier frisch aus dem Kühlschrank um 15.30 Uhr zu Testament zum Guten Morgen Thrash ein. Auffällig war wieder der gute Sound auf der True, die bequem das ganz Gelände beschallte und auch den Letzen aus den Federn kitzelte. (N, I)
"Der Himmel brennt" ist nicht nur ein Stück deutscher Musikkultur, sondern bei strahlendem Sonnenschein und mittlerweile unzähligen Rothäuten unter den Besuchern ein überaus zweideutiges Intro für Heaven Shall Burn. Aufgrund der Schweinegrippe solle die Wall Of Death in diesem Jahr ausfallen, erklärte Sänger Marcus Bischoff, aber ein Circlepit wäre gut. Gesagt, getan - die Menge teilte sich und rasselte wieder ineinander. Ein Circlepit ging doch aber irgendwie anders und so forderte Bischoff dazu auf, um den "Scheiß Turm" zu rennen und den größten Circlepit des W:O:A zu schaffen - wie bereits in Vorjahren geschehen. Die Leute weiter hinten sollten machen, was sie wollten. So klappte es nun auch mit dem "im Kreis laufen". Als letzte Instruktion wurde darum gebeten, die Mädchen nach vorne zu reichen. Klasse Thrash/Death/Metalcore mit viel Humor zwischen den Stücken, Unterhaltung pur. So wollen wir das!

Der Wacken Zeitplan ist manchmal verwirrend und so spielten Rabenschrey auf der Medieval Stage, PAIN auf der Party und In Extremo auf der Black. Gleichzeitig... und auf der W.E.T. spielte sicher auch noch jemand. Ein Vertreter wurde zu Rabenschrey entsand, während zwei sich für PAIN entschieden. Nicht allzu viele andere fanden diesen Weg und die Frage ist, in wie weit noch zu entschuldigen ist, wenn sich die elektronischen Klänge der Schweden mit Dudelsackgedudel vermischen. Dabei wurde im Vergleich zum letzten Jahr die Party Stage bereits anders ausgerichtet. Irgendwie muss man sich doch noch ein paar Gedanken machen. So wechselsten wir ein zwangsläufig zu In Extremo, ein Verbleiben dort erfolgte, weil aus Platzgründen kein Weg zu Rabenschrey zu finden war. Das Letzte Einhorn (Michael Rhein, Gesang) bat das Publikum, doch "lalala" zu singen, wenn sie den Text nicht könnten, er selbst würde ihn auch immer mal wieder vergessen. Dies war aber schon mehr oder weniger die lustigste Aktion bei In Ex. Stark fingen sie an, aber ließen umso stärker nach und entwickelten sich mehr und mehr zur Enttäuschung des Tages, auch wenn geschätzte 50.000 andere es nicht so empfanden. Bühnenshow und Spaßfaktor kennt man von den Berlinern anders, so kam im Publikum auch nur bei den alten Songs Spaß auf, von denen aber zu wenige auf der Setlist standen. (N)
Rabenschrey indes konnten überzeugen, wie eigentlich alle Bands, die während des Festivals auf der Medieval Stage spielten. So war es auch nicht verwunderlich, das viele der von In Extremo etwas enttäuschten Zuschauer sich regelrecht ärgerten, deren Show nicht früher verlassen zu haben. War der Auftritt der heidnischen Mittelalter-Folk Band schon zu Beginn gut besucht so wurde es nach Ende der Berliner noch voller. Was auch den Jungs von Rabenschrey auffiel und entsprechend kommentiert wurde. Insgesamt war das Konzert geprägt von guter Laune, Spielfreude und jeder Menge Interaktion mit dem Publikum, welches sich bereitwillig auf jeden Blödsinn einließ. Zum Abschluss versäumten die Recken es nicht den Fans noch mit zu teilen, wo Band den nach der Aufführung zu finden sein würde. Pech trinken, wie es sich gehört. Und das natürlich am Stand gegenüber der Bühne. (P)

Headliner des Abends waren Machine Head, da führt kein Weg daran vorbei. Uns folgen dabei stinkende Haare ins Gesicht - wohl hauptsächlich unsere eigenen. Sänger Robb Flynn amüsierte sich königlich und zählte zwischenzeitlich bis zu sechs Circlepits in der Menge. Spaß pur bis hinter die Eingangkontrollen! Besser wird's nicht, klatschen! (N, I)

Zeitpläne für ein Festival machen nur dann Sinn, wenn nicht auf verschiedenen Plänen verschiedene Zeiten für ein und dieselbe Band angegeben werden. Turisas waren für mich einer der Hauptgründe, nach Wacken zu fahren - und offensichtlich war ich mit dieser Meinung nicht alleine. Jedoch ist für die finnischen Krieger das Zelt einfach die falsche Bühne. Ihr Battle Metal ist nicht der Ersatz für die fehlende finnische Metal Battle Band. Luft war hierin genauso Mangelware, wie Platz oder der Hauch einer Chance, einen Blick auf die Band zu erhaschen. Nach etwa drei Songs flüchteten wir. Dennoch 1.000 Dank an all die netten Herren, die uns kleinen Mädels beschützten. Ihr seid super! Vor dem Zelt traf man auf viele enttäuschte schwarz-rote Gesichter oder Turisas Shirts, die sicher gerne mehr von ihrer Band gehabt hätten. Mitmachen geht nicht, wenn man die Arme nicht hoch bekommt. Nun ist dies keine Kritik an Turisas! Ganz im Gegenteil! Allerdings wäre es nicht unbedingt nötig gewesen das Zelt zu verlassen, denn weiter hinten sah die Platzlage deutlich besser aus und die Stimmung war nicht schlechter. Nur dies konnte man leider nicht wissen. (N, P)
Während wir noch versuchten, vor der W.E.T. Stage unsere Sauerstofftanks aufzufüllen und jedenfalls von draußen zu lauschen, hörten wir nichts - oder besser gesagt lediglich Saxon, die mit ihrem Set auf der True begonnen hatten. Sie übertönten nicht nur Turisas, sondern auch die später auf der Party auftretenden Korpiklaani, als sie geschätzte 20 Minuten überzogen. Dies lag aber nicht nur an den Vorzeigemetallern, sondern auch an den verspäteten Anfang, bzw daran, das bereits Machine Head etwas später endeten. (N, P)
Subway to Sally begannen demnach auch etwas später und spielten zum Leidwesen einiger Fans vieles vom neuem Album und nur wenige der ‚typischen' StS Klassiker. Zum Schluss gab es zum zwanzigjährigen Jubiläum von Wacken als Veranstaltung einen klassischen Wacken-Schädel für Holger Hübner - dem wir das ganze Spektakel schließlich verdanken. Dann wurde noch einmal um Aufmerksamkeit gebeten und es erschien der Text für die von Subway to Sally bereits im Internet angekündigten Wacken Hymne auf den Leinwänden. Mehr oder weniger erfolgreich versuchten die Fans dem Song zu folgen und läuteten so das Ende des Wacken 2009 ein. (I)

Wacken war viel zu schnell vorbei...

Wacken, das größte und friedlichste Festival der Welt meldet in diesem Jahr 77.000 Teilnehmer, bestehend aus Künstlern, Helfern aus allen Bereichen, Journalisten, Gästen, Dorfbewohnern, die traditionell freien Eintritt haben -, Rettungs- und Sicherheitskräften der Security und natürlich den Fans aus aller Welt.
Dabei kamen 17 Schlägereinen mit 4 Körperverletzungen zur Anzeige und 570 Taschendiebstähle, nicht viel, aber könnte doch im nächsten Jahr weniger werden, denkt mal drüber nach, Leute! Hierzu gab es aber bereits Festnahmen. Auch die Rettungs- und Feuerwehreinsätze halten sich in zahlenmäßig niedrigen Grenzen.


Es gibt eine Zeit zwischen Wacken

Am Montag zurück bei der Arbeit fragt natürlich jeder Unwissende: "Und, alles im grünen Bereich, alles überstanden, war auszuhalten?" Da gibt es doch nur eine Antwort: "NEIN!" Denn es war einfach nur geil!

Faster - Harder - Louder >> see you in Wacken 2010 - rain or shine!
Die Karten sind seit dem 3. August 2009 Punkt Mitternacht im Vorverkauf - und der Serverabsturz zu genau dieser Zeit ist auch wieder behoben. Die Christmas Tickets waren am Mittag des "Tag 1 nach Wacken" ausverkauft. (N)




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