Bericht: Suomi Darkness Festival 2011


Eines schon mal vorweg: Sieben finnische Bands auf einen Streich sind schön, aber ich geriet wieder in Zeit- und Bahnschwierigkeiten und konnte Turmion Kätilöt als letzte Band nicht sehen – und ich ärgere mich drüber.
Die Bands ihrerseits fanden ihren Weg nach Berlin nicht irgendwie, sondern im Rahmen der Berlin Musik Week, die jedes Jahr im September stattfindet. Zusammen mit Popkomm, Musex Finnland, Sonic Seducer und dem Finnland-Institut präsentierte sich so im K17 das „Suomi Darkness Festival“.
Und so bunt gemischt wie die musikalische Seite zeigte sich auch das Publikum, das durfte nämlich zunächst ein wenig länger vor dem K17 verweilen, in dessen Hof schon gemütlich ein Feuer vor sich hin loderte. Vielleicht war das auch ein Grund, weshalb sich die Halle des Clubs nach dem Einlass nur langsam füllte.

Den Beginn für den Abend machten die Hellcity Punks. Es waren zwar zu dem Zeitpunkt noch längst nicht alle in der Halle angekommen und so dauerte es einige Augenblicke, ehe der Funke auf die Leuteübersprang. Aber das war dann auch durch und die Menschen ließen sich auf das Spektakel ein. Die Hardrock-Metal-Pop-Punk Mische geht aber auch ziemlich schnell in Mark und Bein. Gesteigerter Spaßfaktor, den Band und Publikum da erfahren durften, nur das Drumset vor Dennis sah das anders und machte sich ein wenig selbstständig – das wusste einfach, dass es ein langer Abend für sich werden würde. Aber auch das wurde von Sänger Janze galant überspielt und von allem mit Humor genommen.
In dem kurzen Set von sechs Songs fand sich Platz für einen neuen Song: "Angelina Cries". Den es auf dem im nächsten Jahr geplanten Album zu bekommen geben wird- so die diskrete Ansage des Sängers. Eben dieser Song klang auch ein wenig anders, etwas rauer und macht neugierig. Dann war es aber plötzlich auch schon vorbei und die Crewkobolde werkelten an der Bühne rum.

Danach fand sich der erste Stilbruch des Abends, als Black Light Discipline auf die Bühne kamen. Nun wurde der Sound ein ganzes Stück härter und das Publikum änderte sich ein wenig, dies tat es Bandweise den ganzen Abend über. Hier gab es dann Synthpoplines mit dunklen Metal vermischt. Das Tempo wurde ebenso angezogen und es gab heftig Bewegung auf der Bühne, was dazu führte, das sich Gitarrist Joonas und Bassist Iiro öfters mal ineinander verhedderten. Was sind diese Kabel auch so lang? Aber das sorgt ungeplant für noch mehr Spaß auf und vor der Bühne, auch wenn Sänger Toni sich manchmal über das Treiben wunderte. Auch die Kuopio/Helsinki-based Band servierte einen neuen Song: "Walls Inside Us" und machte sich mit ihren lebendigen Auftritt einige Freunde im Publikum. Dann war hier der Spuk auch recht schnell wieder vorbei und das Volkswandern begann auf ein Neues.




Neu sortiert fanden wir uns vor Scream Silence wieder ein. Das wieder sorgte zunächst für stilles Starren – Schockmoment durch Kontrast. Vergleiche zu den vorigen Bands zu ziehen ist da nicht wirklich sinnvoll und auch wenn ihr Postpunk/Gothicrock sicherlich ganz gelungen ist, bin ich an dem Wechsel gescheitert. Bei minimaler Bewegung maximale passive Aggression in ständig wiederholten Rhythmus oder so ähnlich. Für mich nach BLD zu schwer verdaulich, darum ergriff ich irgendwann die Flucht und wärmte mich am Feuer.



Nach einem netten Plausch ging es in der Halle weiter und Cold Cold Ground standen auf der Bühne. Auch hier gab es zunächst ungläubiges Staunen – nicht wegen dem Industrial Metal, den die Jungs spielen, sondern eher wegen Mr. Bunny, der nun halt mit großem Hasenkopf gesegnet ist. Wer das verkraftet hat, durfte gleich weiter staunen und bemerkte zusätzlichen Percussion-Einsatz neben den normalen Drums. Wunderbar im Einklang und genial zu hören. Auch weiter gibt es nichts zu meckern, die Menge vor der Bühne freute sich brav des Gebotenen. Lediglich wurde auch hier einmal deutlich wie schwer die Kommunikation zwischen Band und Audience sein kann, zur Not brüllt man einfach mal „Ja“ – auch wenn das mal gar nicht passte. Mit Songs wie „Die with a dick in your mouth“ und anderen ähnlich herrlichen Tracks schrammt man zwar an der Zensur, aber wen kümmert das, wenn es so viel Spaß macht.

Nun kommen wir zur ersten und einzigen Dame des Abends: Sängerin Maria Mortifera und Beati Mortui. Eben diese Dame fiel mit ihrem weißen Outfit schon den ganzen Abend auf und zeigte ihre gesangliche Spannweite über garstiges Fauchen bis zu lieblichen Gesang. Zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber beliebt in der Menge. Das Trio verfügte übrigens über keinen konventionellen Drummer, sondern zeigen sich mit einem Menschen an den E-Drums. Das hatte ich live noch nicht gesehen und für meinen Geschmack ist das auch nichts, aber wer bin ich schon.



Die letzte Band für mich an dem Abend waren Kinetik Control. Mit ihrer alternativen Rock/Pop Mischung sicherlich der Radiokanditat schlechthin. Ein ganze Stufe entspannter und damit für viele an dem Abend zu ruhig. Dennoch hatte der andere Teil seinen Spaß an der schlichtweg coolen Truppe, die souverän und gekonnt ihre Tracks preis gab. Sie fielen im Abendprogramm doch noch einmal auf und klingen ein wenig wie typische US Rocker, nur aus Finnland eben.


Noch einmal auf einen Blick:

Hellcity Punks
Hellcity Punks nennen sie sich und kommen – wie soll es bei dem Namen anders sein – aus Helsinki, Finnland. Bereits im August 2008 veröffentlichten sie ihre erste, fünf Track starke EP Results in disaster . Im September 2009 folgte ihre erste Single Generation Dead.
Der Sound der Hellcity Punks vereinigen mehrere Elemente miteinander. Hard Rock, Metal, Punk und Pop sind darin zu finden. Ein bisschen von allem eben, gemixt zu eingängigen Songs.

Black Light Discipline
2005 gegründet, spielen sie einen Mix aus Metal und Electro mit Synth-Based Grooves, gespickt mit finnischer Melancholie. Im gleichen Jahr brachten sie bereits „ Same Story, Different People“ auf den Markt, es folgte „Humanography“ 2006 und ihr Album „Empire“ mit der Single „Aggressor“ 2010. In dem Jahr verließ Gitarrist Antti Salo die Band und wurde durch Joonas Pulkinen ersetzt. Kurz nach dem Suomi Darkness Festival gaben die Jungs eine weitere Line-up Veränderung bekannt: Bassist Iiro Saarinen verließ die Band. Dafür fand sich Toni Hintikka, der bereits zuvor tatkräftig am neuen Album (geplant noch in diesem Jahr) mitarbeitete.

Scream Silence
In Finnland längst keine Unbekannten, entspringen sie doch der finnischen Gothic Legende Varjo – wo gleich zwei Bandmitglieder unter tragischen Umständen ums Leben kamen. Die Texte sind nun in Englisch verfasst, das aktuelle Album “In The Cinema“ ist von alten Horrorfilmklassikern der Stummfilmzeit inspiriert und versteht sich als Soundtrack zum Genre.

Cold Cold Ground
Die Helsinkier Band um Sänger Hauptmann D. fand sich 2004 zusammen. In eigener Regie veröffentlichten sie drei EP’s ehe Osasto-A Records 2010 auf sie aufmerksam wurde. Im gleichen Jahr erblickte so ihr erstes Album „This Side Of Deprvity“ das Licht der Musikwelt.
Der Sound der Band ist düsterer, heftiger Rock mit klarem Industrial Einfluss. Kunt als Percussionist gab mit dem Auftritt dem Festival seinen Einstand als neustes Mitglied der Band.

Beati Mortui
Das Elektro Industrial Trio ist seit Veröffentlichung ihrer ersten Demo “Modus Operandi” auf Erfolgskurs. Mit dem Debut “All but dreams will die” zeigten sie sich bereits auf dem Wave Gotik Treffen in Leipzig und supporteten bereits ‚Das Ich’ auf ihrer Deutschlandtour. Aktuell ist das Album “Let the funeral begin” zu haben, was sich zwischen Cyberelektro und Gothic Industrial bewegt. Sängerin Maria Mortifera ereifert sich mit fauchenden Stimmbandexzessen und zarten Vocaleinlagen und gibt der Formation so noch einen bedeutenden Teil ihrer ohnehin schon auffallenden Vielschichtigkeit.

Kinetik Control
Mit ihrem Debüt „Enslaving the Audio” (2000) schafften es die fünf Finnen bereits zum Newcomer des Monats im britischen Metal Hammer. Platzierungen in den finnischen Top Ten Album Charts folgten. Mittlerweile von dem Gebrauch übermäßiger Elektro Elemente abgekommen, fanden die Herren um Sauli Vuotti zu den US Rockwurzeln. Die melancholischer Grundnote im alternativen Rock Gewand blieb jedoch bestehen und entwickelte so einen eigenen Stil. Das aktuelle Album „Only Truth Remains“ findet so im übervölkerten Gerne gekonnt eine Nische.

Turmion Kätilöt
Gegründet 2003 konnten die Jungs sich einen Ruf als exzessive Schockrock Formation erarbeiten. Ihre Liveshows sind mittlerweile legendär. Musikalisch kombinieren sie elektronische Soundwelten mit rauen, meist finnischen Vocals, harten Riffs und donnernden Drums. Die Mitglieder der Band selbst sind in diversen anderen Bands vertreten und bringen daher verschiedenste Einflüsse und Ideen in diese Formation ein. So kamen sie bereits 2004 bei Spinefarm unter und veröffentlichten ihr erstes Album „Hoitovirhe“. Es folgten EPs und weitere Alben. Aktuell ist es „Perstechnique” welches seinen Vorgängern in nichts nach steht und auf Platz 6 der finnischen Album Charts einstieg.
Neugierige können sie als Support der Band Pain im Oktober bestaunen.


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