Bericht: Santa Cruz


Verdammt heiß ist es an diesem Donnerstagabend in Helsinki und speziell im unteren Clubbereich der Bar "Lepakkomies", denn es ist absoluter Hochsommer. Die Luft steht, die Klamotten sind nass geschwitzt und eigentlich will man auch gar nicht in einem stickigen Club sitzen, sondern irgendwo draußen im Park liegen. Aber Santa Cruz spielen heute und für einen Gig dieser mehr als talentierten Newcomer-Rockband kann man schon mal ein paar Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen.

Für mich ist dies der dritte Gig von Santa Cruz und obwohl der Zweite keine zwei Wochen her ist, bin ich gespannt, wie der heutige wohl sein wird.
Den Ersten sah ich eher zufällig, als sie vor ein paar Monaten im Vorprogramm eines eher mager besuchten Sonic Roots-Konzertes spielten. Der Zweite war im Gegensatz dazu eine einzige Riesenfete, welche allerdings im Rahmen der offiziellen After-Show-Party zum Tuska Open Air 2010 stattfand. Wie also sieht ein Konzertabend aus, an dem Santa Cruz der Hauptact sind? Ein Konzertabend ohne eine berühmtere Band danach und ohne die Aufschrift "offizielle After-Show-Party" von einem der größten Festivals Finnlands? Antwort: Erstaunlich gut!

Trotz der Hitzewelle fanden überraschend viele Menschen den Weg in die Semi-Sauna, deutlich mehr sogar als damals beim Sonic Roots-Konzert im übrigens noch kleineren "Manala". Das lässt nur auf eines schließen: Es lohnt sich für eine Band, sich unermüdlich den Allerwertesten abzuspielen, denn genau das tun die Jungs aus Helsinki seit eh und je, vor allem in den Clubs ihrer Heimatstadt.
Obwohl sich die Konzertbesucher erst unmittelbar vor Beginn der Show in den Clubbereich wagten, war die Hitze hier für kaum jemanden lange auszuhalten. Aber wieder raus nach oben, sich abkühlen und dadurch etwas von der Performance verpassen? No way! Und so standen irgendwann sämtliche weibliche Konzertbesucher im BH da und rockten mit der Band, die irgendwann auch "oben ohne" dastand, zumindest zu 3/4.
Sänger Archie trug tapfer bis zum Schluss seine schwarze Weste, die er irgendwie auch brauchte, denn manche Dame konnte sich nicht beherrschen und gab ihrem Bedürfnis ihn anzutatschen nach. So schnell kann's gehen und schon hat man die ersten Groupie-Angebote... *grins*
Herrlich mit anzusehen, wie der Status dieser Band vollkommen zu Recht stetig wächst! Wer jetzt aber glaubt, bei Santa Cruz handle es sich um die x-te "Schmachtbubis aus Finnland in Kajal"-Band, befindet sich absolut auf dem Holzweg! Was Santa Cruz spielen, ist "Good Ol' Glamorous Hard Rock". Nichts mit Schmacht. Sie tragen auch keinen Eyeliner. Sie tragen überhaupt kein Make-Up. Sie tragen noch nicht einmal die für ihr Genre typischen Bandanas oder Spandex-Hosen. Sie rocken einfach. Ganz natürlich. Sie scheren sich nicht um Image oder irgendwelches Gepose und genau das lässt sie auch so sympathisch und vor allem authentisch erscheinen.

Zugegeben: Auch ich fragte mich zwischendurch, was wohl alles los wäre, würde man den Jungs schwarze Haare und den perfekten Lidstrich verpassen. Herausfinden wollen wir's lieber nicht, denn ohne diesen Schnickschnack dauert es mit dem Durchbruch vielleicht ein wenig länger, aber dafür besitzt die Band umso mehr Substanz.
Dies spiegelt sich natürlich vor allem in den Songs wieder, sei es nun bei den rockigen Eigenkompositionen wie "We're Aiming High" und "Screamin' For Adrenaline" oder dem Billy Idol-Cover "Rebel Yell". Mit Letzterem wird fast schon obligatorisch jede Santa Cruz-Show abgeschlossen. Jede? Nein, diese nicht!
Ungeachtet des fließenden Schweißes verlangte das Publikum unermüdlich nach einer Zugabe und diese spielten die Jungs auch, in Form eines weiteren Covers und zwar von den Ramones - "Blitzkrieg Bop".
Gerockt wurde im "Lepakkomies" schon die ganze Zeit. So sehr, dass hier und da mehrere Gläser zu Bruch gingen. Beim Ramones-Cover gab es aber vor allem bei den Jungs aus der ersten Reihe (Ja, richtig gelesen: Die erste Reihe bei Santa Cruz-Konzerten ist scheinbar immer von einer pogenden Gruppe Rockern gefüllt!) kein Halten mehr und da es sich hier mit dem Crowd Surfing im herkömmlichen Sinne aus diversen Gründen ein wenig schwierig gestaltete, ließ sich der "Crowd Surfer" von seinen Kumpels durch den Club tragen. Einfach mal so tun, als ob... Herrlich!

Ein Konzerterlebnis ohne Blut und Tränen, dafür mit umso mehr Schweiß... Wer nicht in Helsinki wohnt, aber einen Trip dorthin plant, sollte dies unbedingt mit den Live-Terminen von Santa Cruz abstimmen. Es lohnt sich!

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