Bericht: Reckless Love


Alle guten Dinge sind drei. Oder doch vier? Jedenfalls werde ich die Herren von Reckless Love an diesem Freitagabend zum vierten Mal Live on Stage sehen, nachdem ich erst vor fünf Wochen überhaupt auf diese Band aufmerksam geworden bin. Ja, ihre Shows machen süchtig! Warum genau, das wird heute Abend einmal mehr in Helsinki's most famous Rockclub "Tavastia" beleuchtet...

Die Finnen sind ein sehr entspanntes Volk und so kann es passieren, dass der Großteil der Konzertgäste erst fünf Minuten vor Showbeginn in die Location trudelt, mitunter auch später. Um diese Eigenschaft scheint das Quartett - selbst aus Finnland stammend, genauer gesagt aus Kuopio - zu wissen und so beginnt die Show rund eine halbe Stunde später als angekündigt.
Diese Zeit nutzt so mancher Crashdïet-Fan, um lautstark seinen Estrogen-Überschuss mitzuteilen. Crashdïet-Fan? Ja, richtig gelesen! Bei Reckless Love-Sänger Olli Herman handelt es sich nämlich um keinen geringeren als H. Olliver Twisted, der damals nach dem tragischen Selbstmord von Dave Lepard dessen Platz am Mikrofon als Sänger von Crashdïet einnahm. Letzten Endes schien sein Herz aber doch ein kleines bisschen mehr für den tongue-in-cheek Glam-Rock als für den Sleaze-Rock zu schlagen und so reichte er das Mikro bei Crashdïet an Simon Cruz weiter, um sich nun voll und ganz auf Reckless Love konzentrieren zu können.

Die halbe Stunde Verschiebung hatte sich voll und ganz gelohnt: Das "Tavastia" war voll!
Wie ihr selbstbetiteltes Debüt-Album wird auch dieses Konzert mit "Feel My Heat" eröffnet, für das Olli erst einmal in Jeansjacke und mit schwarzer Sonnenbrille erschien. Seinen schwarzen Spandexhosen im Schlangenleder-Look, die seine Männlichkeit mehr betonten als verhüllten, sollte er bis zum Schluss treu bleiben, dafür war das Jeans-Jäckchen bereits bei der Performance zu "Wild Touch" in die Ecke geflogen und Olli performte im weißen Rippshirt weiter. Dieses jedoch riss er sich im Finale der Performance zur aktuellen Single "Romance" genauso vom Leib wie im dazugehörigen Musikvideo. Da war das Gekreische unter den weiblichen Konzertbesuchern natürlich groß, doch auch ich, die schon dabei war, Reckless Love mehr und mehr für ein Mädchending zu halten, wurde heute eines Besseren belehrt. Im Publikum befanden sich auch so einige harte Metal-Typen, die sogar ein T-Shirt der Band trugen.
Aber, nein: Die kreischten nicht, sondern tranken ganz entspannt ihr Bier und headbangten...
Und weil Olli es liebt, bei den Reckless Love-Shows in schöner Regelmäßigkeit den Inhalt seines Kleiderschranks oder auch seine Kollektion an Sonnenbrillen zu präsentieren, führte er uns bei "Sex" sein Poison-Shirt vor. Aber der Mann stand nicht einfach nur da und ließ sich bewundern... Wie langweilig wäre das denn?!? Eben! Und deswegen interagierte er fast non-stop mit dem Publikum, forderte zum Mitsingen und Mitklatschen auf, was die Fans aber ohnehin schon die ganze Zeit taten. Er sprang von der einen Bühnenhälfte zur anderen und ließ immer wieder auf eine Art und Weise seine Hüften kreisen, die selbst Shakira in den Schatten stellt. Besonders lustig waren aber seine "Aerobic-Einlagen", die unter anderem bei "Born To Rock" vorgeführt wurden: Im 180° Winkel hoch das linke Bein, im 180° Winkel hoch das rechte Bein und das Ganze noch einmal.

Auch die anderen drei Bandmitglieder strahlten wie gewohnt und verbreiteten gute Laune. Drummer Hessu Maxx, dank entsprechender Erhebung an diesem Tag besser zu sehen als sonst, begeisterte mit Drum-Solos. Pepe bekam seine wohlverdiente Aufmerksamkeit für seine Gitarrenkünste und Bassist Jalle Verne musste sich besonders vor den Tatschattacken der Mädchen in der ersten Reihe in Acht nehmen.

An Non-Albumtracks wurden "Get Electric" und eine Coverversion performt, die bei mir zunächst einmal für Verwirrung sorgte: In dem Lied kam öfters die Zeile "It's A Miracle" vor und auch ein spezieller Name wurde in dem Zusammenhang erwähnt. Doch der Song klang irgendwie anders als der, den ich im Kopf hatte. Des Rätsels Lösung: Es war nicht der gleichnamige Crashdïet-Hit, der zu Ehren von Dave Lepard gespielt wurde, sondern "Hysteria", ein Cover von Def Leppard mit selbiger Zeile. Aha!


Ob "oben ohne", mit Karohemdchen oder im Mötley Crüe-Shirt: Olli's Modenschau erfreute das Auge ebenso wie die Hits "Back To Paradise" oder die geniale Zugabe "Badass" die Ohren. Auch Jalle stand irgendwann "oben ohne" da und Hessu, ebenfalls mit nacktem Oberkörper, wagte sich nach vorne, um seine Drumsticks zu verschenken. Handschellen und ein schwarzer Spitzen-BH flogen auf die Bühne...
Kurzum: Bei einer Reckless Love-Show passiert soviel, dass man sich hinterher auch nicht mehr an jedes einzelne Detail wird erinnern können. Das Geld in ein Konzert der Hair Metal-Tributer ist also mehr als gut investiert.

Nach der Show wuselten die Jungs noch durch den Vorraum des "Tavastia", um mit den Fans zu sprechen, Autogramme zu geben und für Fotos zu posieren. Von Höhenflug nicht die geringste Spur, trotz großer Erfolge in Finnland und vor allem auch in UK. Dort touren sie demnächst ein zweites Mal mit ihren Label-Kollegen von Jettblack durch die Lande. Trash&Riot wird selbstverständlich für Euch mit dabei sein...

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