Bericht: Backyard Babies, Duff McKagan's Loaded & Mötley Crüe


Nach etlichen Jahren kamen Mötley Crüe wieder auf Deutschland Tour. Nach München und Stuttgart war am 16. Juni 2009 Berlin an der Reihe.
Bereits eine Stunde vor dem Einlass trafen sich die Fans vor der Columbia Halle. Zwischen Deutschen hörte man auch Schweizer und Schweden, die extra für Mötley Crüe angereist waren.
Auffällig waren viele junge Leute, die teilweise vor der Halle ihre Textsicherheit unter Beweis stellen wollten und damit alle gut unterhielten.

Als Opener auf der Mötley Crüe Europatournee wurden Backyard Babies verpflichtet. In 20 Jahren Bandgeschichte machten Backyard Babies nicht nur Schweden, sondern jede Bühne der Welt unsicher, wenn sich die Gelegenheit bot. Brauchen sie mit unzähligen Fans rund um den Globus noch eine Vorstellung?
Mit ihren dreckingen Streetmetal und der richtigen Punkattitude, stilistisch zum Sound von Mötley Crüe passend, rockten sie ca. eine halbe Stunde die Bühne. Einige BYB Fans befanden sich unter den Zuschauern und nicht nur jene waren begeistert. Das Publikum jubelte den Babies zu und die Stimmung kochte über. Ein Fan ließ sich sogar dazu hinreißen, beim zweiten Stück über die Absperrung zu klettern. Für ihn war der Abend damit allerdings beendet.
Ein Kracher wie "Minus Celsius" darf natürlich im BYB Set nicht fehlen, aber auch Stücke aus dem 2008er Album mit dem schlichten Namen "Backyard Babies" wurden vorgetragen.
Ein bisschen eingefahren mag die Show der Schweden wirken, aber bei der Menge an Konzerten auf ihren Buckeln ist dies wohl nicht verwunderlich. Leider war ihre Spielzeit viel zu kurz und die Jungs verabschiedet sich mit der Ankündigung, Ende des Jahres auf Headliner Tour zu kommen.

Duff McKagan's Loaded - ohne den Namen des Frontmannes in der Bandbezeichnung würde man auf diese Band wohl nicht so schnell aufmerksam werden - standen als nächstes auf dem Plan. (Anm: Duff McKagan war seinerzeit Bassist bei Guns'n'Roses.) BYB legten gut vor und somit hatten die Amerikaner etwas zu toppen. Ihre Musik ist jedoch wesentlich ruhiger als die beider anderer Bands des Abends und somit schien die Stimmung im Publikum herunter zu kühlen. Der einzige, der wirklich rockte war Jeff Rouse (Bass), der wie ein Wirbelwind über die Bühne fegte. Duff flirtete mit den ersten Reihen, aber so wirklich kam keine Stimmung auf. Gitarrist Mike Squires schmiss mit seinen Plektren als wäre Ausverkauf. Duff bedankte sich bei den Zuschauern dafür, dass sie das beste Auditorium bisher auf der Tour gewesen wären. Es bleibt allerdings fraglich, ob die anderen bislang noch ruhiger (also nur körperlich anwesend) waren, oder ob dieser Spruch einfach zum Standartrepertoire gehört.
Das Anspielen des Guns'n'Roses Hits "Paradise City" weckte die Columbia Halle aber doch kurzzeitig auf.

Die letzte Umbaupause folgte und plötzlich fiel ein schwarzer Vorhang vor der Bühne herunter. Dort hinter mussten heimliche Dinge vorgehen. Ob dies zur Spannungssteigerung beitragen sollte oder einfach nur nervig war, lassen wir dahin gestellt.
Es zog sich ein wenig hin, bis das Intro von "Kickstart My Heart" aus den Boxen dröhnte und Mötley Crüe um 21.30 Uhr die enthüllte Bühne betraten.
Die folgenden 90 Minuten vergingen wie im Rausch. Mötley Crüe spielten all ihre Hits. Songs wie "Girls Girls Girls", "Kickstart My Heart", "Live Wire", "Too Fast For Love", "Dr Feelgood", "Shout At The Devil", aber auch die aktuelleren Singles "Saints Of Los Angeles" und "Motherfucker Of The Year" durften nicht fehlen. Vorgetragen wurde die gesamte Show vor an den Hollywood Schriftzug erinnernde Buchstaben "ANGLES", allerdings spiegelverkehrt.
Während Mick Mars hauptsächlich spielerisch (unter anderem in einem langen Solo) überzeugte, fegten Vince Neil und Nikki Sixx wie besessen über die Bühne. Und auch einen Tommy Lee hält es nicht hinter dem Schlagzeug, er fand sogar kurzzeitig mit einer Flasche Jägermeister für die Fans seinen Weg in den Bühnengraben.
Zum Ende wurde es noch einmal dunkel. Schemenhaft konnte man erkennen, wie bereits ein Teil des Drumsets ab- und ein Keyboard aufgebaut wurde - Zeit für "Home Sweet Home", Zeit zum Abschied und möglicherweise auch Zeit für den einen oder anderen Fan, sich ein Tränchen weg zu drücken.

Dieses Konzert war unbedingt sehenswert - jedenfalls für uns. Aber was dran ist an dem Mythos Mötley Crüe, DIE Rockstars schlechthin? Ihre Musik ist definitiv Geschmackssache, wie es immer ist bei Musik. Ihre Show war gut. Aber das beste Konzert aller Zeiten war es sicher nicht. Gute Show, gute Stimmung, viel Spaß - vielen Dank für einen mitreißenden Abend.
Auf der nächsten Tour würden wir wieder kommen!


Das bereits vom Kraftwerk Rummelsberg in die Columbia Halle verlegte Konzert war noch immer bei weitem nicht ausverkauft, aber gut gefüllt war der untere Bereich der Halle dennoch. Von vielen wurden wohl ausverkaufte Hallen erwartet, erfüllt hat sich dies auf der gesamten Tour nicht. Möglicherweise sollten Mötley Crüe einfach mehr für den deutschen Markt tun!

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