Bericht: Nikki Puppet & Matt Röhr


Es wurde schon im Vorfeld dieser Tour viel geredet über Band und Songauswahl und auch Gift und Galle gespuckt. Zum Glück sind Menschen verschieden und noch glücklicher ist der Umstand, dass es immer noch genug Menschen gibt, die nicht jeden Mist mitmachen und nach Befinden entweder schwiegen oder sich am Abend des 14. Oktober auch im K17 einfanden. Gut gelaunt und gespannt waren diese und deren erster Blick in der Halle ruhte genauestens auf dem Equipment. Okay, das ist schon etwas auffällig, aber man hatte schließlich Erwartungen an den Abend.

Zunächst wartete man aber geduldig, bis alle ihren Weg in die Halle fanden und dann auf Support Nikki Puppet. Diese waren gut, dennoch hielten sich die Leute anfangs zurück. Das dauerte so lange bis man bemerkte, das zur linken Seite der Bühne doch ein Gitarrenvirtuose stand, Christos Mamalitsidis mit Namen. Und genau der –was hätte man an dem Abend anders erwarten können- begeisterte doch ziemlich heftig das Publikum, die hätten gern noch das ein oder andere Solo des Herren gesehen. Doch auch der Gesang Nicky Gronewolds fand Anklang, zumindest bei einigen, Female-Fronted Rock ist halt nicht für jeden etwas. Dafür war sich die Mehrheit wieder bei Basspüppi Anke Doernberg einig, sieht gut aus und weiß was sie tut, nur hören konnte man sie nicht immer. Bei Drummer Felix Zander war man sich wieder uneinig, aber trotz allem Gerede danach, in der knappen Stunde die die vier auf der Bühne waren, haben sie gut unterhalten.

Trotzdem freute sich die Menge, als endlich das erste Drumset im Umbau weichen musste und es nicht mehr lange bis zum Hauptact war. Diese Anspannung vor dem ersten Akkord löste sich abrupt mit eben diesen . Dann gab es auch kein Halten mehr, zur „Revolution“ wurde gerufen und die Menge stimmt textsicher mit ein. Gespielt wurde altes, ganz altes und natürlich auch einiges vom aktuellen Album „Blitz und Donner“. Dabei lag der Schwerpunkt des Abends aber weder auf den alten Kamellen noch auf dem Neuen, sondern vielmehr auf einem unglaublichen Facettenreichtum an Musik. Nicht unbedingt eine Überraschung, trotzdem bekamen wir an dem Abend mehr geboten, als oft erwartet und spekuliert wurde.
So wurden auch die Songs der ersten beiden Soloalben, die sonst meist eher mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurden, von den Leuten überzeugt angenommen. Live bringen diese einen einfach zum Tanzen und wahlweise zum Staunen über die musikalischen Fähigkeiten Ferdy Doernbergs (ich empfehle hierzu Freund Google zu befragen).

Trotz allem war das Gefühl nicht dasselbe wie damals, es war ungezwungener und mit noch mehr Spaß verbunden. Es war nicht mehr nur der Kampf gegen den Rest der Welt, den einige damals dauerhaft zu führen glaubten. Weg von großen Egos, mit ähnlichen Idealen von damals, war es erwachsener – vielleicht bin aber auch nur ich erwachsener geworden (wir wollen es nicht hoffen).
Aber natürlich freute man sich diebisch über die alten Onkelz Sachen, ist auch schon eine Weile her, lange genug, dass selbst ich mich auf „Mexico“ freute – obwohl ich dankbar war, den nach dem Vaya Con Tioz nicht mehr in Dauerschleife hören zu müssen. Heute war das anders, der älteste Song des Abends und sicherlich eins der meist gewünschten Lieder.
Doch perfekt ist es nur, wenn es daneben geht, dachte sich wohl auch Matt Röhrs Gitarre und verstimmte sich mitten im Song dermaßen, dass an weiterspielen nicht zu denken war. Matt kommentierte das schlicht mit „Auweia“ und ließ die Band das Stück zu Ende spielen. Okay, so ganz harmlos war die Geschichte nicht, bockig stellte der Gitarrist fest: „Wenn ich bei ‚Mexico‘ nicht mitspielen kann, dann ist der Song auch nicht zu Ende!“. Herrlich, herrlich, dennoch bedurfte es der magischen Hände des Soundmenschen um die Lady zu beruhigen und so das Lied zu einem würdigen Abschied zu führen. Doch die Dame war nicht mehr von Teamwork zu überzeugen und geriet erneut in Stimmungsschwankungen, was uns ein durchaus schiefes „Erinnerungen“ bescherte, aber an dem Punkt brauchte es auch keine Perfektion mehr.

Der Abend war weit mehr als gelungen, die Stimmung bis zum letzten Danke großartig. Matt Röhr und auch der Rest der Band hatte und machte Spaß. Zwar verschwanden diese bis auf Ferdy Doernberg im Hintergrund, aber auch ohne sie hätten wir kaum einen solchen Abend gehabt.
Besonders nach den Geschichten im Vorfeld, freute ich mich umso mehr über den äußerst sympathischen Matt und über das tolle Publikum. Die Tour soll fortgesetzt werden, ich empfehle bei Gelegenheit vorbeizuschauen – unvoreingenommen – und sich mitreißen zu lassen. Ach und ich würde mich natürlich auf eine Wiederholungstat in Berlin freuen.

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