Bericht: Jesus On Extasy und Lord Of The Lost


Pumpe Kiel, Roter Salon – also im Keller, da wo regelmäßig einmal im Monat die Metal- und Gothicparties stattfinden, stand heute Abend ein etwas anderes Programm an:
Jesus on Extasy aus Essen und Lord Of The Lost aus Hamburg gaben sich die Ehre – und das in einer Mischung aus Metal und Gothic.

Wachte ich noch morgens mit dem erschreckenden Gedanken auf, dass doch damals Jesus On Extasy die finnischen Entwine supporteten, fiel mir siedend heiß ein, dass genau zu dieser Zeit „JOE“ die Cover der einschlägigen Szenemagazine zierten. „LOTL“ gab es damals noch gar nicht. Und wie der Verlauf der Zeit es so will, sind die Lords, oder besser gesagt der Lord himself, diejenigen, die man schon mal auf einem Magazincover betrachten kann, und die in den letzten Jahren auf dem einen oder anderen Festival für Aufsehen sorgten.
Nachdem also Lord Of The Lost im Frühjahr für Mono Inc. auf der Deutschlandtour sehr erfolgreich eröffneten, sind sie nun wieder als Headliner unterwegs.
Die JOE von damals gibt es mittlerweile nicht mehr, viel mehr hat Chai nun eine komplett andere Band um sich vereint. Somit machte ich mich absolut unvoreingenommen auf den Weg und ließ auf mich zukommen, was denn da kommen sollte.
Als ich kurz nach 20 Uhr den Keller der Pumpe erreichte, wartete eine lange Schlange vor dem kürzlich geöffneten Eingang, was mich in positives Staunen versetzte – noch mehr, dass auch nach mir noch viele Weitere ihren Weg fanden. Zugegebenermaßen hatte ich ein wenig Angst, dass die Kieler, die doch eher einer nicht metallischen Szene fröhnen, die Gelegenheit einer der wenigen Metalkonzerte sausen lassen würden. Aber tatsächlich fanden über 100 „zahlende Gäste“ an diesem Abend ihren Weg. Daumen hoch dafür Kiel! Und so sollten Bands und ein wenn auch locker, dennoch gut gefüllter Zuschauerraum einen gut gelaunten Abend in bester Stimmung verbringen. Der Weg und der überraschend hohe Eintrittspreis hat sich allemal gelohnt.

Gegen 21 Uhr war Teil Eins der Wartezeit, die man in Pläuschenchen mit alten und neuen Bekannten verbrachte, endlich beendet und Jesus On Extasy betraten die Bühne. Sie wurden nicht von allen freudig erwartet und ein Teil der Anwesenden wusste nicht einmal, ob es eine Vorband gäbe und wer diese nun war. Aber dennoch kam eine gewisse Stimmung auf. Die Leute vor der Bühne feierten mit, ein anderer Teil der Zuschauer hielt sich jedoch weiter mit Konversation im Bar- oder Raucherbereich auf.
Musikalisch sind „JOE“ durchaus tragbar, die Melodien reißen mit und die Beats gehen durch und durch. Nun bin ich bekanntlich keine Freundin weiblichen Gesangs, also zählt meine Meinung hier wohl nur halb, aber die Stimme von Sängerin Manja Wagner passt nicht auf die Musik – zu quietschig, wurde des Öfteren von anderen Konzertbesuchern geäußert.
Ca. eine halbe Stunde erfreuten JOE den einen Teil des Publikums, während sie einen geringen Anderen nervten.
Schade!

Für unter fünf Minuten wurde die Umbaupause von erfahrenen „LOTL-Tourmitreisenden“ vorhergesagt, was mir ungläubig erschien und so ging auch erst gute fünf Minuten nach dem JOE Auftritt spektakulär der Vorhang vor der Bühne zu. Ein Showeffekt bereits vor Beginn der eigentlichen Show. Und tatsächlich dauerte es noch eine Weile, bis der schwarze Stoff wieder beiseite gezogen wurde und sich eine Nebelwand auftat, aus der die ersten Klänge ertönten, zwischen denen sich die einzelnen Musiker auftaten, schließlich Chris „The Lord“ Harms die Bühne betrat und der Sechser sich mit „We Are The Lost“ vorstellte.
Eine 90 Minuten andauernde Show versprach Chris und dabei wurden Songs aus 2 ½ Alben präsentiert. Eineinhalb Stunden sind gerade für kleine Clubs mittlerweile eine ungewöhnliche Länge, was durchaus positiv zu vermerken ist. So wundert es aber auch nicht, dass das Set zur Mitte hin mit „Till Death Us Do Part“ und den folgenden Songs etwas weniger Tempo bot, damit allen Beteiligten eine kurze Verschnaufpause zu Gute kommen konnte. Ein Teil der Anwesenden nutzte dies wirklich als Konzertpause und die Bar litt kurzfristig an Überfüllung – wenig verwunderlich, denn im Bereich zwischen Mischpult und Bühne war es mittlerweile sehr heiß und stickig geworden und mit frisch geölten Kehlen kamen alle schnell wieder zurück und ließen es mit „Break Your Heart“ wieder richtig krachen.
Bevor man sich aber tatsächlich klar wurde, was geschah, kündigte Chris mit „Last Words“ bereits den letzen Song des Abends an – aber das konnten doch keine 90 Minuten gewesen sein? Waren es auch nicht, denn auch wenn die Herren und Dame sich kurz bitten ließen, kamen sie noch für eine drei Songs umfassende Zugabe zurück – und bei „Dry The Rain“, „Bad Romance“ und der aktuellen Single „Sex On Legs“ gab es absolut kein Halten mehr. Ein Gesang aus über 100 Kehlen erfüllte die Gewölbe des Roten Salons.
Schluss war nun noch lange nicht, denn die Sechs legten keine Pause ein, bevor sie sich zum Merchandise Stand für persönliche Konversation, Autogramme und den Verkauf von Fanartikeln bewegten – woraufhin sich auch die Menschentraube einmal durch den Raum bewegte.

Aber auch von zuvor gibt es noch das eine oder andere zu berichten:
Seit meinem letzten Clubkonzert bei Lord Of The Lost hat sich ein bisschen was verändert. Insgesamt hat sich die Band bezüglich des Line Ups in den letzten Jahren gewandelt (wir berichteten), aber nun scheinen sie sich gefunden zu haben. Ohne Sensai steht nunmehr ein Gitarrist weniger auf der Bühne, was einerseits durch Bo und Sebsta kompensiert wird, aber Gared nicht davon abhält, neben Keyboards und Percussions auch zur Gitarre zu greifen und vom Lord dabei sogar in den Mittelpunkt des Geschehen gerückt zu werden – nämlich auf den selbst mitgebrachten Vorbau der Bühne. Dieser besteht übrigens zum Teil aus einem Gitterboden – unterlegt mit Nebelmaschine und Lightshow, vor welchem der Lord sein Mikro stehen hat. Gelegentlich hat er damit sozusagen Rotlicht im Schritt – passend übrigens zum Thema des „Antagony“ Albums. Und wenn es hier schon unsachlich wird: all diejenigen, die noch auf eins der weiteren Konzerte gehen werden: achtet bei Sex On Legs doch bitte darauf, wie Chris das Mikrophon festhält, damit ich nicht die einzige bin, die schmunzeln muss. ;)
Ansonsten greift auch der Lord wieder selbst mit zur Gitarre, akustisch und elektrisch – allerdings nur noch im letzten Drittel der Show. Ein wenig von seiner Bewegungsfreudigkeit hat er nicht nur dadurch hergegeben, dafür sieht man ihn heute aber wesentlich mehr lächeln und lachen, als es „alte Hasen“ von ihm gewohnt sind. Das ist gut so.

Setlist:
We Are The Lost | Do You Wanna Die Without A Scar | Undead Or Alive | Fragmenting Facade | Prison
Antagony | Son Of The Dawn | Death Doesn’t Kill You But I Do | Inferior | The Pendulum Of Death
Till Death Us Do Part | Prologue | Epiphany | Break Your Heart | Last Words
Zugabe: Dry The Rain | Bad Romance | Sex On Legs


Weitere Tourdaten findet ihr hier.



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