Bericht: Vengince | Breed77 | 36 Crazyfists | DevilDriver


Der Dezember begann in Berlin kontrastreich, während es draußen den ersten Schnee des Winters gab, wurde es ziemlich heiß im Kreuzberger SO36. Aber erstmal auf Anfang:
Obwohl die Kultlocation SO36 in Kreuzberg ziemlich gut zu erreichen ist, schaffte es die Berliner S-Bahn auch dieses Mal einigen Steine in den Weg zu legen. So hieß es für mich dann - erste Band verpasst, wofür ich mir in den Arsch beißen könnte (oder besser der Bahn), den es handelte es sich dabei um Vengince. Diese wurden als Special Guest von DevilDriver mitgebracht und rocken ziemlich ordentlich - das kann ich auch sagen wenn ich sie nicht live gesehen hab. Einfach mal deren Myspace stalken und mit mir hoffen, dass sie sich aus dem sonnigen Kalifornien bald mal wieder hierher verirren, passiert denen öfters.
Immerhin schaffte ich es rechtzeitig zu Breed77, die konnten mit dem Wetter sicherlich mehr anfangen, sieht ja in England nicht viel anderes aus. Auf der Bühne angekommen, gab es aus dem Publikum zunächst kaum merkliches Kopfnicken, aber es gibt Bands die haben was und die brauchen nur einen einzigen Song um die Stimmung und die Leute an sich zu reißen. Und diesen Song hatten Breed77 im Ärmel, namentlich ‚Zombie'. Hierbei handelt es sich um ein ziemlich geniales Cover was auch einfach jeder mit singen kann. Da mir nach Geheimniskrämerei ist, empfehle ich deren Website, da gibt es den Track in voller Länge. Für die Leute im SO36 hieß es nun lauthals mitsingen, Spaß haben, noch lauter singen und noch mehr Spaß haben. Diese Stimmung hielt sich auch über den Rest des Sets, auch wenn sich keiner so richtig headbangen zu trauen schien. Dafür ging Hüpfen umso besser. Mittlerweile hatte sich die Location auch gut gefüllt und so langsam wurde es gemütlich warm.
Nachdem die Engländer ihre Show beendet hatten, gab sich ein guter Teil der Menge des leiblichen Wohls hin und stürmten Bar und Raucherraum. Allerdings hielt diese Völkerwanderung nur kurz an, viel zu groß war die Freude auf die nächste Band.

Es gibt dieses wundervolle Zitat von 36 Crazy Fists Sänger Brock Lindow: "We've always wanted to have a career with this and make music that was maybe not for everybody, but for a certain group of people and it meant a great deal to those people." - Eigentlich eine sehr passende Beschreibung dessen, was nun folgen sollte. Licht aus, Band da und sie wurden rasend gefeiert, obgleich es noch keine merklichen Töne von ihnen gab. Was sie mit dem neuen Album ‚Collisions and Castaways' im Gepäck prompt änderten. Nicht ganz ohne Hilfe des Publikums, das war nämlich mehr als textsicher und laut. Außerdem schien es zwischen der Menge und der Band eine Art spezielle Sprache zu geben, wie wäre es sonst zu erklären, dass die Leute die weder vorher noch nachher des Englischen mächtig waren, plötzlich reibungslos verstanden und die Späße von Sänger Lindow mit machten. Aber sie machten nicht nur das: Stage Diving gehörte beinahe zum guten Ton und wenige Minuten nach Beginn vollzog sich in den ersten Reihen ein recht ansehnlicher Circle Pit. Damit niemanden schwindlig wurde, gab es neben verschiedenen Gesangseinsätzen auch das altbewährte Hüpfen und das bis in die letzte Reihe des Clubs. Plötzlich war es kurz still und irgendwer stimmte ‚Happy Birthday' an und alle sangen erst einmal mit, Ehre wem auch immer Ehre gebührte. Mittlerweile war nicht nur die Stimmung hochgekocht, nein das Thermometer kletterte brav immer weiter hinauf, was dazu führte das die Wände langsam feucht wurden, aber auch das gehört dazu. Damit man nicht allzu sehr vom Geschehen auf der Bühne abgelenkt wurde, veranstaltete sich kurzer Hand eine Wall of Death im vorderen Bereich des Clubs. Was ebenso frenetisch gefeiert wurde wie jeder einzelne Song der vier in Anchorage, Alaska, beheimateten Herren. Kurz vor Schluss wurde jedoch um einen Augenblick Ruhe zu Gedenken an JD Stuart gebeten -was ausnahmslos gut klappte- um daraufhin noch einmal alles zu geben. Die Band schien vom grenzenlosen Support der Berliner überwältigt und die Leute selbst konnten kaum genug bekommen. Am liebsten hätten sie alles gleichzeitig gemacht, aber zumindest Crowd Surfen und dabei klatschen ließ sich reibungslos vereinbaren.


Die Pause die umbautechnisch erfolgte, hatte das Publikum auch bitter nötig, schließlich wurde es doch heftigst gefordert und es erwarteten uns noch die Headliner aus Kalifornien.
Also wurde auch diese Pause für Wohl genutzt, wobei dieses Mal viele die Chance sahen sich einfach kurz hinzusetzen.
Bald gab es die Erlösung und DevilDriver traten endlich ins Licht. Wie schon beinahe erwartet gab es von nun an im So36 wieder kein Halten mehr - weder auf noch vor der Bühne. Einige merkten jedoch sofort, dass der überaus energiegeladene Bassist nicht der von einigen erwartete Bassist war. Jon Miller, eigentlich der Herr am DevilDriver Viersaiter, fiel in dieser Tour durch einen familiären Notfalls kurzfristig aus und wurde vom Tourmanager der Band Aaron Patrick (Ex-Bury Your Dead) vertreten. Schließlich sollte die Tour weitergehen, was an diesem Abend von den Berlinern mehr als dankbar angenommen wurde.
Die Kalifornier verlegten sich aufgrund von leichteren Verständigungsschwierigkeiten, etwas weniger auf längere Konversationen, dafür aber umso mehr auf vielfältige Action. So erschien der Circle Pit vor der Bühne beinahe nur für Songpausen widerwillig unterbrochen zu werden. Außerdem wurde er zunehmend größer.
Zur Hälfte begrüßte Dez Fafara nun auch diejenigen im Publikum, die heute Abend ihr erstes DevilDriver Konzert erleben durften und hieß sie im Kreis der Familie willkommen.
Die ausgewählten Songs des Abends waren eher neuerer Generation, was aber niemanden störte - wobei‚ neu auch leicht übertrieben ist, schließlich hat ‚Pray for Villains' von 2009 doch schon was Zeit auf dem Buckel. Aber Album Nummer fünf steht mit Ende Februar 2011 bereits in den Startlöchern.
An diesem Abend wurde jedenfalls ein Knaller nach dem nächsten geboten, während im Zuschauerraum die Leute kaum wussten wo ihnen der Kopf stand. Trotz allem konnte sich der Einsatz der Security in Grenzen halten - außer zu netten Hinweisen zum sicheren Stage Diven und einem kurzen Intermezzo um ‚Stage Diving' und ‚Musiker Begrabschen' zu unterscheiden, aber auch das konnten die Herren aus Santa Barbara ein klein wenig prägnanter selbst klären. Leider folgte später eine kurze Unstimmigkeit zwischen der ersten Reihe und Sänger Fafara als -WasAuchImmer- seinerseits abhanden kam. Doch schnallte die Meute zu diesem Zeitpunkte davon nicht allzu viel. Kann auch durchaus am mittlerweile zunehmenden Sauerstoffmangel gelegen haben. Jedoch verschwanden plötzlich die fünf Kalifornier von der Bühne und ließen das Berliner Publikum etwas ratlos zurück, ehe ein doch recht bekanntes Intro sich wieder fand und kurz bevor der Club die Stimme zum Mitsingen von Metallicas ‚Master Of Puppets' anstimmen konnte, waren sie wieder da, nicht ohne ein wenig zu schmunzeln. Damit das nicht alles zu kuschelig wird, bat Dez Fafara noch einmal zum Circle Pit, größer, weiter, schneller und im Endeffekt noch einmal doppelt so groß wie die davor. Danach wurden wir mit einem verfrühten ‚Merry Fucking Christmas' ziemlich erschöpft in die Nacht und zu den ersten Schneeflocken entlassen.


Update:
21 Dec 2010
To all DevilDriver fans and friends
To all DevilDriver fans and friends, I wanted to give you an update on my status as far as my health is concerned.
Regarding the past 2 European tours, I was either forced to leave by my own accord or asked to leave by my band/managment.
I have been touring with DevilDriver for almost the past ten years and the drugs and alcohol have finally caught up with me. I realized this when I ended up in the ICU on my birthday last week.
I need to make a change so that I can save my own life and keep the friends that I still have left.
I know that alot of DevilDriver fans seek me out first as the one to party with because I consider myself a very social person who is quite outgoing, personable and friendly.
That was all fun in my 20's touring with the band, but as I am entering my early 30's I can feel the damage catching up with me mentally and physically. I don't want to burn out prematurely before my time on this Earth is up.
On January 1st I will be entering an intense rehabilitation program in order for me to reclaim my health and the person who I once was.
I will not be doing the Canadian tour in January or the Australian tour in February and March. This is for my own good. I need to come out of rehab with a sound body and mind. After I complete my rehabilitation I hope to see all DevilDriver friends and family as soon as I can.
Much love to you all.
Jonathan Miller
Spread the DevilDriver word!

<<-- zurück / back