Wacken Open Air Special: Crashdiet / Live Review
Samstag Mittag, 13.00 Uhr, True Metal StageEigentlich war es noch nicht ganz 12.00 Uhr, als wir uns vor der Bühne einfanden, da wir etwas sehen wollten, ohne ins Kino zu gehen. Nach und nach sammelten sich einige Leute, und schon vor dem Beginn von Moonsorrow auf der Black Stage war die erste Reihe komplett belegt – wenn auch gechilled. Die restlichen Festivalbesucher pilgerten zielstrebig an uns vorbei, nur um eine knappe Stunde später zurück zu kommen.
Es wurden aber auch Stimmen a la „Jetzt muss ich echt noch Moonsorrow ertragen“ laut. Und am Ende verwunderte uns tatsächlich der Menschenstrom von der einen zur anderen Hauptbühne, denn diese beiden Bands haben so rein gar nichts gemein, vereinen aber dennoch ein Publikum.
Absicht? Neugier? Einfach mal die nächste Band gucken, weil man sowieso nichts besseres zu tun hat?
Schön und gut, je voller desto besser – und gegen 12.45h war tatsächlich der Raum zwischen True Metal Stage und Eingangszelten gefüllt, wenn auch bequem. Aber schließlich war es noch früher Morgen.
CrashDiet betraten die Bühne und wie gleich schon einmal mit Abkühlung vorzusorgen, gab der Himmel ein paar Tropfen von sich. Aber zum Weinen war hier nichts, das kapierte „der da oben“ auch ganz schnell und stellte das feuchte Zeug wieder ein. So ging es also auf und vor der Bühne heiß her, auch wenn die Stimmung sich durchwachsen hielt – aber siehe oben, einige Zuschauer kamen gerade von einem Doom-Metal-Frühstücks-Gig.
Auch Sänger Simon Cruz registrierte die mittelprächtige Stimmung und kommentierte: „Heh, I know you are hungover, but it’s a new day!“ Der schwedische Vierer ließ sich von nichts schocken und rockte, was das Zeug hielt – energiegeladen wurde über die Bühne gerannt, die „auf gar keinen Fall übertreten weil Feuerwerk“ Linie wurde geflissentlich ignoriert und auf sämtlichen Aufbauten vor der Bühne herum geturnt. Und Feuer(werk) gab es auch immer mal wieder. Dem Techniker fehlte hier ein Hauch Fingerspitzengefühlt und Sekundengenauigkeit, aber das lassen wir einfach mal so stehen.
Songtechnisch hielten CrashDiet sich hauptsächlich im Bereich des Dritten Albums „Generation Wild“ auf, aber ohne „Riot in Everyone“ können sie einfach kein Konzert spielen.
Wir schrieben ca. 12.30 Uhr und die Bühne ward leer – und blieb leer. Im Publikum gab es erst einmal entsetzte Gesichter. Was sollte das, war es schon vorbei? So schnell? Nach einer kurzen geschockten Stille fing die Menge an, nach Zugabe zu schreien. Aber es passierte nichts. Es herrschte eine ganz merkwürdige, fast bedrohliche Atmosphäre – aber irgendwie war klar, dass sie noch einmal wieder kommen mussten, denn auf der Generation Wild Tour den gleichnamigen Song nicht zu spielen, wäre ein No Go. Nur wussten das mit Sicherheit viele W:O:A Besucher nicht.
Nach einer Ewigkeit, so schien es, tat sich wieder was auf der Bühne – und Simon kam auf einem Moped um die Ecke gefahren. Stilecht und 100% aus dem letzten Jahrhundert wurde das Klischee verkörpert, gelebt, gezeigt – und ein Jubeln ging durch viele Tausend Kehlen. „Rebel“ war die passende Zugabe, bei der es sich Martin Sweet (Gitarre) und Eric Young (Drums) nicht nehmen ließen, für eine Weile ihre Instrumente zu tauschen, wobei Young am Sechs-Saiter die bessere Figur machte als der eigentliche Gitarrist an den Fellen.
Als krönenden Abschluss, dennoch viel zu früh, gab es „Generation Wild“ – bevor nach wirklichem Zeitablauf Simon lässig die Maschine von der Bühne fahren wollte, aber erstmal nicht anbekam – nach einer kurzen Pause doch, und dafür erhielt er einen extra großen Beifall aus dem Zuschauerraum.
Fazit:
CrashDiet waren unser Geheimtipp auf dem Festival – auch wenn wir feststellten, dass er offensichtlich gar nicht so geheim war, der Tipp. Gut so!
Die Berechtigung auf der Hauptbühne zu spielen hatten sie alle Mal, die Menge wurde nach und nach in den Bann gezogen und erobert.
Simon Cruz hatte Peter London offensichtlich kein Haarspary übrig gelassen. Martin Sweet und Eric Young in vertauschten Rollen geht auch.
Ich mag nicht neutral sein, aber diese Jungs gehen ab und machen Spaß, ich kann nicht genug von ihnen bekommen!
Wer sind eigentlich CrashDiet?
CrashDiet gründeten sich 2000 in Schweden, stark beeinflusst von Skid Row, Guns N' Roses, Kiss, W.A.S.P. und G.G. Allin. Ihnen wird nachgesagt, den 1980er Glam / Sleaze neu erfunden zu haben und Auslöser der Welle des neuen schwedischen Glam / Sleaze zu sein. Ein großer Spritzer Punk ist der ganzen Sache gelungen beigemischt.
Im Jahre 2005 veröffentlichten sie ihr Debut „Rest In Sleaze“ als erste Sleaze Rock Band bei seinem Major Lable (Universal) seit über 10 Jahren. Im Januar 2006 beging Leadsänger und Kopf der Band Dave Lepard im Alter von 25 Jahren Selbstmord und dies bedeutete das Ende für eine Band, die erfolgreich den Weg beschritten hatte, die Welt zu erobern.
Nach einigem hin und her entschieden die drei verbleibenden Bandmitgleider weiter zu machen und im Januar 2007 wurde mit dem Finnen H. Olliver Twisted (aka Olli Hermann, heute Reckless Love) ein neuer Sänger bekannt gegeben. Ein gemeinsames Album „The Unattractive Revolution“ folgte im Oktober. Aber es kam anders als geplant und im Sommer 2008 feuerten die Schweden den Finnen.
Ein weiteres Jahr verging, bis im Juni 2009 der nunmehr dritte Leadsänger Simon Cruz bekannt gegeben wurde. Wiederum folgte das Album „Generation Wild“ etwa ein dreiviertel Jahr später.
Seitdem heißt es, den Fussstapfen der 1980er zu folgen; Stadionrock wie er leibt und lebt und Simon Cruz (Gesang/Gitarre), Martin Sweet (Gitarre), Peter London (Bass) und Eric Young (Drums) folgen ihrer eingeschlagenen Richtung konsequent.
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