Wacken Open Air Special: Bülent Ceylan / Live Review
Donnerstag Nachmittag, 17.05 Uhr, True Metal Stage
Wenn man Skyline einmal ausklammert, gab es im Jahre 22 nach Wackengründung eine Eröffnung der ganz anderen Art: Mit „Willkommen auf dem ersten Comedy Festival“ wurden die Wackinger begrüßt. Und von ihnen hatte sich eine ganze Menge eingefunden. Hungrig sehnte man sich nach Tagen auf dem Zeltplatz, im Wackingerdorf und im Biergarten nach neuer Unterhaltung – und da das Vorprogramm mit den W:O:A Firefighters und Mambo Kurt am Vortrag wohl genauso spaßig zu nehmen ist wie „jeder darf mitmachen“-Skyline, bot Ceylans Comedyshow den richtigen Übergang zu dem Ernst der Lage eines Metal Festivals, welches später mit Frei.Wild in die Vollen starten würde.
Ausgearbeitet hatte „Der Türk“, wie er sich selbst bezeichnet, die Geschichte des gemeinen Metallers im wohl berühmtesten Supermarkt der Welt, der dazu netterweise auch einen Einkaufswagen zur Verfügung stellte.
Wer Bülent schon einmal live oder im TV gesehen hat weiß, dass es ihm schwer fällt, wirklich dem vorüberlegten Programm zu folgen, und sich nicht von seinen eigenen wahnwitzigen Ideen ablenken zu lassen.
Aufgefallen ist die echte Spontanität in seinen Erzählungen wohl all denjenigen, die zuvor bei der Pressekonferenz waren und somit die einzigen, die lachten, als er die Mexikaner in der Ankündigung des Papstwitzes erwähnte. Die Mischung aus fertigem Programm und Improvisation wurde dadurch noch glaubhafter verkörpert.
Gut aber, dass nicht nur er über „[s]einen eigenen Scheiß“ lachen kann und die wenn nicht 80.000 aber doch sicher 40.000 Anwesenden voll und ganz auf seine Seite zog.
Wie es sich für einen richtigen Metaller gehört, ließ er sich kurz vor Abschluss seines Programms – oder jedenfalls des zeitlich schaffbaren Teils davon – mit einem eigens für ihn bedruckten „Bülent Ceylan rocks Wacken“ Schlauchboot von der Menge tragen. Er genoss sichtlich, unter „Seinesgleichen“ zu sein.
30 Minuten mit guter, thematisch ins Rahmenprogramm passender Comedy gingen verdammt schnell rum und Bülent Ceylan hätte noch wesentlich länger erzählen können. Ich hätte auch noch weiter zugehört. :)
Das Wacken Open Air hat (nach dem Summer Breeze) etwas Neues gewagt und es ist gut angekommen.
Ich bin gespannt, ob sich die Kombination aus Comedy und Musikfestival noch weiter verbreitet.
Wer ist eigentlich Bülent Ceylan?
Bülent ist der, der zwischen Deutschland Sucht Den Superstar Katzenjammer- bzw. Entscheidungsshow die Haare schüttelt und wegen dem sicher der eine oder andere von uns gelegentlich das Ende dieser Sendung nebenbei mitverfolgte.
Als Sohn einer deutschen Mutter und eines türkischen Vaters in Mannheim geboren und aufgewachsen, studierte er erst Philosophie und Politikwissenschaften, bringt aber heute ganz Deutschland zum Lachen, wenn er wegen „Techno zum Rassisten“ wird. Er nimmt die Türken genauso hoch, wie die Deutschen – Bülent darf das und Bülent verzeiht man das.
Bekannt geworden ist er durch den „Quatsch Comedy Club“ und ähnliche TV-Formate, eins kam zum anderen, 2009 folgte der „Deutsche Comedy Preis“ als bester Newcomer und schließlich erhielt er die sechs Folgen umfassende, oben erwähnte, „Bülent Ceylan Show“ auf RTL.
2010 startete er seine Metal-Festival-Karriere als ‚Artist’ beim Summer Breeze, 2011 folgte das „Wacken Open Air“.
Zurzeit ist er auf Deutschlandtour.
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