Bericht: Black Stone Cherry und Alter Bridge
Verlässt man sich als Schreiberling auf die vorliegende ausgedruckte Setlist, ist man manchmal verlassen und sucht vergeblich nach “Wonderful Life” – was nicht drauf steht, aber von Myles Kennedy mit seiner Akustikgitarre alleine auf der großen Bühne vorgetragen wurde – wunderschön und von vielen Kehlen mitgesungen.
Dazu musste man sich während des Konzertes noch überlegen, ob man zu seinem Alter Bridge Lieblingssong „Ghosts Of Days Gone By“ seiner Arbeit im Fotograben nachkommt oder doch nur feiert, aber das mal am Rande – die Professionalität siegte und sollte es hier auch.
Zur Veröffentlichung ihres zweiten Albums “Folklore And Superstition“ wurden die aus Edmonton, Kentucky stammenden Black Stone Cherry 2008 als Fackelträger des Southern Rock gefeiert. Im Mai 2011 veröffentlichten sie mit „Between The Devil And The Deep Blue Sea“ ihr drittes Werk und tourten bereits den ganzen Sommer mit u.a. Theory Of A Deadman und auch Alter Bridge die USA. Und genau diese brachten sie nun nicht nur nach Hamburg, sondern gaben ihnen auch noch eine ganze Stunde Spielzeit im Vorprogramm. Draußen war es frostig, drinnen war es überheizt – und dennoch tat es dem teils viel zu warm angezogenen Hamburger Publikum keinen Abbruch, bereits den Opener des Abends zu feiern und absolut textsicher zu begleiten wie einen Hauptact.
Ein durchwachsenes Bühnenbild wurde von den jungen Herren geboten – vom Rüschenhemd und Leoschuhen zu 08/15 Jeans mit olivfarbenem Shirt oder Beanie war so ziemlich jede Stilrichtung vertreten. Ein interessanter Anblick alle Mal, dazu kam eine Menge Bewegung zu fetzenden Tunes; Springen, Hüpfen und Instrumentenwechsel auf der Bühne. Schließlich sollte auch für die Ohren was geboten werden, und das war genauso interessant und abwechslungsreich wie der Anblick; rockig und auch mal balladig, wie beispielsweise die aktuelle Single „In My Blood“.
Aufgrund überaus aktiver Bewegung auf der Bühne, bleibt die Virtuosität der Songs grundsätzlich gelegentlich auf der Strecke. Soll nicht heißen, es wurde schlecht gespielt, ganz im Gegenteil – zu kompliziert soll es schließlich auch nicht sein. Nicht ein Gitarrensolo macht den Song, sondern das Ineinandergreifen aller Instrumente mit der Stimme – wenn dann noch eine entsprechende Show dazu gemischt wird: Herz, was willst du mehr? Und fängt ein John Fred Young versehentlich seinen Drumstick nicht wieder auf, greift er sich so schnell einen Neuen, dass es wohl niemand gemerkt hat, der ihn nicht genau beobachtete.
Fazit: laute Töne, leise Töne, metallig oder doch auch mal bluesig und „Sweet Home Alabama“ kurz vor Abschluss. Das macht einfach Spaß und gute Laune.
Also schnell in der Pause ein Wasser holen – oder eben auch nicht, da leider kein Durchkommen zur Bar war – und gespannt auf die Fortsetzung eines bisher gelungenen Abends harren.
Black Stone Cherry sind:
- Chris Robertson – Gesang / Gitarre
- Ben Wells – Gitarre / Gesang
- Jon Lawhon – Bass / Gesang
- John Fred Young – Schlagzeug
- Chris Robertson – Gesang / Gitarre
- Ben Wells – Gitarre / Gesang
- Jon Lawhon – Bass / Gesang
- John Fred Young – Schlagzeug
„Creed“ war einmal vielen ein Begriff, aber aus verschiedenen Gründen kamen Mark Tremonti (Gitarre, Gesang und Kopf), Brian Marshall (Bass) und Scott Philips (Drums) mit ex-Mayfield Four und mittlerweile auch Slash – Sänger Myles Kennedy zusammen und 2004 entstanden Alter Bridge, die bereits mit ihrem Debut „One Day Remains“ Goldstatus in den USA erreichten.„AB III“ wurde, wie der Name sagt, als drittes Album im Jahre 2010 veröffentlicht und Lable Roadrunner steuerte erst vor wenigen Wochen „AB III.5“ mit einer BonusDVD hinterher. Somit wird das gleiche Album ein zweites Mal betourt und der Vierer ließ sich im Hamburger Docks vor ausverkauftem Haus feiern.
Beschaulich fing es an, als Myles Kennedy im Stockdunklen allein die Bühne betrat, nur schemenhaft mit einem Spot von hinten bestrahlt wurde und zum Opener „Slip To The Void“ in die Saiten griff. Dunkel und ruhig, wie AB III – fast schon ein krasser Gegensatz im Vergleich zu Black Stone Cherry zuvor – bevor dann aber, wie Tremonti sagt: „The intro really sucks you in...", es nach einer guten Minute klar wurde, was er damit meint.
Hallo Alter Bridge!
Geschätzte eineinhalb Stunden (gefühlte zehn Minuten) brachten sie das Docks zum überkochen. Stimmungsvoll wurde das Publikum rechts- und linksseitig zu einen Lautstärkencontest aufgefordert oder auch mal eine Anekdote zum Besten gegeben. Leider verstand ich akustisch nicht wirklich viel davon – mag es an der bekannt schlechten Akustik im Docks liegen oder dass ich direkt vor dem Boxenturm die Stufen okkupierte.
So oder so hatten offensichtlich alle Beteiligten ihren Spaß, und als Myles einmal keine Lust hatte, seine Gitarre selbst zu bedienen, wurde kurzerhand der Gitarrentech zu diesem Zweck auf die Bühne eingeladen. Dafür aber, wie oben bereits erwähnt, spielte er uns „Wonderful Life“ ganz exklusiv vor.
So oder so ging es um die Gitarren an diesem Abend. Mark Tremonti ist nicht erst seit dieser Woche als Ausnahmegitarrist bekannt. Slash merkte kürzlich an, dass Kennedy ein verdammt guter Gitarrist wäre, was selbstverständlich den AB – Jungs und wohl auch den Fans schon bekannt war. Dennoch gut so etwas von einer „Legende“ gesagt zu bekommen!
Entsprechend lieferten sich Tremonti und Kennedy vor dem leider schon letzten Song des Abends „Rise Today“ ein Gitarren Duell, welches vom Hocker riss und ihrer beider Können auf eine Stufe stellte. Nun ist es mit Soli immer so eine Sache – irgendwann wird es für den Nicht-Musiker-Zuschauer langweilig und ich denke, es hätte keine Minute länger andauern sollen, eventuell sogar etwas weniger. Mir machte es noch Spaß, neben mir vernahm ich jedoch abwertendes Stöhnen. Sei dem so – bei „Rise Today“ wurde noch einmal richtig mitgegröhlt, die Band verabschiedete sich und die unfreundliche Deckenbeleuchtung ging an.
Ja, das wars. Schon. Schade. Wann kommen sie wieder?
Slip To The Void | White Knuckles | Ghosts Of Days Gone By | I Know It Hurts | All Hope Is Gone | Metalingus | Broken Wings | Come To Life | One Day Remains | Coeur D’Alene | Watch You Over | Blackbird | Find The Real | Isolation
Open Your Eyes | Rise Today
Zwei Tage zuvor noch musste das Konzert im dänischen Kolding wegen einer Erkältung von Myles Kennedy abgesagt werden. Er wurde zu Sprechverbot und Bettruhe verurteilt und scheinbar bangten viele, ob das Konzert in Hamburg stattfinden würde. Ob die Stimme hielt? Nun ja, doch – auch wenn nicht 100% zuverlässig. Myles sagte gegen Ende hin, dass er eigentlich noch viel lieber im Bett geblieben wäre, aber die Hamburger hätten es wert gemacht, dass sie aufgetreten waren.
Danke! Leider nicht allseitiges Verständnis für die Stimmlage, aber trotzdem danke für einen gelungenen Abend.
Rücksicht und Respekt, liebe Leser! Er hat dies für euch alle auf sich genommen, und wenn immer wieder gemeckert wird, dass Myles’ Stimme in Hamburg nie hält: geht doch nicht hin und hört zu Hause die CD oder lebt damit, dass es so ist, schließlich wart ihr scheinbar schon öfter anwesend. Und hey, offensichtlich hattet ihr einen guten Abend.
Von dem was seine Stimme selbst im nicht gesunden Zustand leistet, können sich verdammt viele andere eine große Scheibe abschneiden!
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