Superlative
Gerade habe ich "Watch You Bleed" ausgelesen. Ein Buch über die größte und böseste Band der Welt.
Ehrlich gesagt will ich das nicht abstreiten. Aber ich habe noch im Ohr, dass "The Dirt" auch schon über die böseste Band der Welt war?
Meiner bescheidenen Meinung nach waren Mötley Crüe aufgrund von Nichtanwesenheit in Europa und Südamerika nicht ganz so erfolgreich wie Guns N'Roses. Aber erstens will ich das nicht beurteilen und zweitens waren sie auf dem Zeitstreifen sowieso nicht gleichzeitig auf dem Höhepunkt ihrer Karrieren.
Nun will ich also Steven Adlers "My Appetite For Destruction" lesen und der erste Absatz im Klappentext lautet:
After forty years, twenty-eight ODs, three botched suicides, two heart attacks, a couple of jail stints, and a debilitating stroke, Steven Adler, the most self-destructive rock star ever, is ready to share the shattering untold truth in My Appetite for Destruction.
Ok, er ist also der Selbstzerstörerischte.
"Slash" wurde mit dem Wort exessiv zusammen gefasst. Wobei Moment, das ist ja gar kein Superlativ. Zu "Lemmy" wird gesagt: "Wohl kaum einer wird behaupten wollen, mehr Drogen genommen, mehr Bourbon getrunken oder mehr Frauen befriedigt zu haben…" Vince Neil ist laut seiner Biographie (FOLGT), der berüchtigste Frontmann aller Zeiten.
Man könnte die Reihe hier sicher noch lange fortsetzen. Cobain fällt mir ein, der war doch auch… irgendein Superlativ…
Tatsächlich tun sie sich alle nicht so viel. Welche Band faktisch die erfolgreichste ist / war, ist relativ - hängt also vom Zeitpunkt des Höhepunktes ab. Am Ende lassen sich aber bis dato verkaufte Tonträger schnell zusammen zählen.
Wer nun aber wirklich am meisten Drogen genommen hat, lässt sich nicht nachweisen. Und als erstrebenswertes Ziel sollte man das wohl besser sowieso nicht ansehen. Wie viele Frauen die Herren hatten, wissen sie wohl selbst nicht mehr - und ob sie tatsächlich auch alle befriedigten, lassen wir einfach mal dahin gestellt.
Fertig waren sie damals irgendwie alle - das Pulver in die Nase, die Nadel in den Arm. Das gehörte seinerzeit in gewissen Kreisen dazu. Bitte zu Hause nicht nachmachen, Kinder!
Und auch heute sind noch viele Mädels blöd genug, sich jedem Typen vor die Nase zu werfen, der gerade mal in der Lage ist, eine Gitarre richtig herum zu halten…
Im Dschungel der Junki-Biographien muss man aber eben ein Kriterium finden, was einen aus der Masse heraus stechen lässt. Das Niedergeschriebene will doch verkauft werden. Und ein negativer Superlativ macht den bösen Mann noch böser, den fertigen noch fertiger und die ganze Chose möglicherweise interessanter.
Aber irgendwie geht es da auch noch um den Musiker oder die Geschichte einer Band, oder?
<<-- zurück / back