Nostalgie


Am Wochenende machte ich einen kleinen Ausflug über die Autobahnen Deutschlands und durchsuchte zuvor mein bescheidenes CD Regal nach etwas Abwechslung.
Unter anderem landete so nach einigen Jahren Missachtung Private Lines "Evil Knievel Factor" in meinem Player. Die ersten Töne klangen noch merkwürdig, aber schon nach wenigen Sekunden stellte sich ein altbewährtes Feeling ein. Die Texte waren sofort wieder in meinem Kopf, und das wo ich mir doch sonst nichts merken kann. Lauthals sang ich mit, frau muss sich schließlich beschäftigen. Und mit den Texten waren diverse Erinnerungen wieder da, denn diese CD bzw. Private Line als solche schrieben schon irgendwie einen Teil des Soundtracks meines Lebens. Hass und Liebe - wenn auch im übertragenen Sinne und in dieser Reihenfolge (denn es bedingt einander), Roadtrips in Finnland und Deutschland, all dies war urplötzlich wieder in meinem Kopf, als wäre es erst gestern gewesen.

Eigentlich gibt es für diesen Nostalgie Trip eine simple Erklärung.
Unser Gedächtnis ist kodiert und Musik ist ein Schlüssel. Wir verbinden Lieder mit Erinnerungen, beispielsweise "unser Lied" in Kitschfilmen oder auch im echten Leben. Kommt also ein bestimmter Song wieder aus den Boxen, entschlüsselt dieser Codes in unseren Gehirnwindungen und sendet Bilder vor unsere Augen.
Alzheimerpatienten werden beispielsweise mit Musiktherapie behandelt. Bei Dementen wird das wortbezogene Gedächtnis als erstes zerstört.
Musik und Sprache verarbeiten wir in den gleichen Hirnregionen. Wenn also das noch funktionierende implizite Gedächtnis, also der Teil, der sich auf Erleben und Verhalten unbewusst auswirkt, durch Töne in Schwung gebracht, kramt das richtige Lied eine ganze Armada an Erinnerungen hoch.

"One good thing about music, when it hits you feel no pain", sang Bob Marley in 'Trenchtown Rock'. Nun ja, vielleicht doch - je nachdem was man in den Tiefen seines Schädels vergraben hat.

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