Man kennt es ja...
Man kennt es ja: Man ist von einer Freundin eingeladen und ladet auf einer Party die vom eigenen Wohlbefinden so weit entfernt ist, wie Reisen zum Mittelpunkt der Erde. Wenn man nun noch Outfittechnisch geringfügig vom Stereotypen der Feier abweicht, zum Beispiel mit schönen schwarzen Kleidungsstücken und keiner kleinen Silberkette mit Tiffany Herzen dran, fällt man ohne großen Aufwand auf – und wird schon mal in Gespräche eingebunden.
In meinem Fall sah das so aus:
„Mensch, du trägst ja solche Sachen da, dann hörst Du sicher auch solche Musik?“ – „Ähm, naja ja..“ - „Da wusste ich gleich, du siehst wirklich so aus als ob du solche Musik hören würdest. So Rock und Metal und Gothic Zeug und so.“ – „Das kommt hin“ – „Aha, dann stehst also auch auf Unheilig ? Ich auch!“
BÄM! Dabei glitzerten ihre Augen in Freude eine Gemeinsamkeit gefunden zu haben. Und bei mir erst. Ich hatte mich geistig schon auf Fragen zu Friedhöfen und bemalten, wahlweise Hühnerkopf spuckenden Musikern und auch anderen Klischees vorbeireitet. Sogar zu den verdammten glitzernden Vampiren hatte ich was.
Zur Modeerscheinung eines Musikstils dafür umso weniger.
Nicht, dass dies das erste Mal wäre. Viele zuvor sorgen für Hamsterkäufe in diversen Musikläden und zu meist nicht ganz zu euphorischen Kommentaren auf Blogs, Gästebüchern und Foren von älteren Fans.
Nun wie kommt das?
Wie ist es zu erklären, dass Bands mit definitiv wenig bis keinen Popeinschlag, gerade da plötzlich einen Hype erleben? Natürlich es gibt welche, die gerade das provozieren und mit plötzlich unbekannten seichten Klängen daherkommen, um halt auch mal was zu verdienen. Legitim – keine Frage, auch Musiker wollen essen oder sich endlich ein Motorboot kaufen. Dennoch ist es merkwürdig auf Konzerten neben irgendwie deplazierten Wesen zu stehen. Oft finden diese Überflieger ja auch schnell den Weg zurück in die Szene und ein Bruchteil der vormals Deplazierten findet sich auch wieder. Nur so lebt sich der Spaß.
Schade wird es nur, wenn andere Industrien auf den gleichen Zug aufspringen und diverse Mode und Accessoires sich überall wiederfinden. Zwar bekommt man unschlagbar günstig durchaus tolle Teile, es wird aber langweilig wenn die überall ausgeführt werden. Hier ist es dann gefragt individuell zu werden – eigentlich auch schon bevor die eigene Subkultur sich im Blitzlicht wieder findet. Dann hat man vielleicht auch mehr Glück bei Stilfragen nicht mehr nur auf eine Szene reduziert zu werden.
Zumindest wenn man mehr Glück hat als ich.
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