Interview mit Jonne Aaron & Larry Love / Negative


Zwei Jahre sind seit unserem letzten Interview mit den Jungs von Negative vergangen. In der Zwischenzeit hat sich einiges getan. Wir hatten vor ihrem Konzert in Erfurt die Gelegenheit mit Jonne und Larry über das neue Album Karma Killer, die DVD und vieles mehr zu sprechen.
Warum Larry auf der Bühne explodiert und wir alle alte Hippies sind, könnt ihr nun hier lesen.



finnbands: Wie verlief die Tour bisher?
Jonne: Es war bislang sehr interessant und wirklich schön, die Beste bislang!
finnbands: Warum interessant?
Jonne: Naja, nach all diesen Rückschlägen, die wir hatten, während wir Karma Killer aufnahmen, ist es wirklich schön zu sehen, dass die Leute immer noch zu unseren Konzerten kommen. Sie waren sehr geduldig mit der Band. Und es ist immer wieder großartig hier Konzerte zu spielen, es scheint, als würden die Leute es wirklich genießen, wenn wir da sind.
Larry: Es herrscht die ganze Zeit über eine wirklich positive Atmosphäre. Unsere letzte Tour war wesentlich stressiger, wir hatten ein paar Probleme. Persönliche Probleme, die Shows und das Publikum usw. waren großartig, aber jetzt ist es einfach die beste Tour, die wir jemals hier gespielt haben.
Jonne: In Berlin dachte ich, ich müsste auf der Bühne zusammenbrechen und weinen. Ich hab keine Ahnung, ich bin nicht bescheuert oder so, aber in diesem Moment, verstehst du? Als ich realisiert hatte, dass wir ein wundervolles Publikum hatten und die Band funktioniert.

finnbands: Lasst uns über euer aktuelles Album reden. Glaubt ihr an Karma?
Jonne: Hmmmm... ja. Wir sind hier um den Leuten ein bisschen gutes Karma zu bringen.
Larry: Ich glaube ins besondere daran, dass dir, wenn du Gutes tust, auch Gutes widerfährt, es ist wie ein Kreislauf.

finnbands: Wie kam es dazu, dass ihr Karma Killer von Robbie Williams gecovert habt?
Jonne: Ich bin ein großer Fan von Robbie. Ich denke, es ist einer seiner Songs, der einfach auch von Negative stammen könnte. Und natürlich ist es der Titel unseres Albums, da ist ne gute Verbindung zwischen diesen beiden Dingen. Es fühlte sich einfach gut an.
Es gab da dieses Konzept in Finnland, sie haben das vorher in England probiert. Es gibt einen großen Fernsehsender und sie nehmen sich ein paar Smashhits, also sehr bekannte Songs. Dann covern bekannte Musiker diese Songs und sie werden im Radio und im Fernsehen gespielt, die Leute müssen dann entscheiden, welche Version das Original ist, und welche die gecoverte Version. Das war der Grundstein, dass wir Karma Killer coverten.


finnbands: Welches Gefühl ist am besten zum Texten?
Jonne: Ich kann es nicht benennen.
Larry: Ja, es gibt keinen Namen dafür.
Jonne: Hey, das ist ne gute Frage!
Larry: Wenn du anfängst zu schreiben, fühlst du dich noch normal, dann fügen sich die Elemente zusammen und du erreichst dieses Gefühl.
Jonne: Du musst einfach nur ... , ich weiß nicht, es braucht keine bestimmte Zeit oder bestimmten Ort, wenn die Inspiration kommt. Du musst einfach in einer gewissen Art und Weise aufgeschlossen sein. Du kannst es immer eine spirituelle Atmoshpäre nennen, wenn du was kreierst. Man kann es einfach nicht erklären.
Larry: Auf jeden Fall musst du erstmal deinen Kopf frei kriegen. Wenn du an deine Schmutzwäsche denkst...
Jonne: Ich glaube, ich bin nur ein kleines Licht im Universum und das himmlische Orchester wie Freddy Mercury und all die alten Helden, sie schreiben ihre Sachen durch mich oder Gott, oder wen auch immer. Ich bin nur ein kleiner Teil auf dem Bildschirm oder im Radio, der es zu den Menschen bringt. So sehe ich das.
Larry: Tatsächlich ist da der Glaube, dass es da einen Gott gibt, der die Kreativität an die sensibleren Menschen schickt...
Jonne: Du kannst das zerstören, wenn du zuviel Drogen nimmst oder zuviel trinkst oder schnüffelst oder was auch immer. Du musst diese Gabe nutzen.
Larry: Du wirst frustriert werden, wenn du diese Gabe, die dir gegeben wurde, nicht nutzt.
Jonne: Dann fährst du direkt in die Hölle. Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss. Wir haben alle unsere Mission.

finnbands: Stellt euch euer aller letztes Konzert vor, wo soll es stattfinden und wie soll es ablaufen?
Jonne: Im Wembleystadion.
finnbands: Und irgendwelche besonderen Gäste oder so?
Jonne: Vielleicht ein paar. *grinst*
Larry: Es wäre super auf der Bühne zu sterben, und das beim letzten Konzert. Auf der Bühne explodieren - BOOOOOM! Negative sind gegangen.
Jonne: Ja, in ein anderes Universum. Ernsthaft, Wembley ist das Zuhause von Queen und ich denke, es ist ein großer Meilenstein für eine Band, wenn sie Wembley ausverkaufen.
Larry: Habt ihr den Auftritt der Foo Fighters in Wembley gesehen?
Jonne: Es ist total beeindruckend.
Larry: Wir haben's uns gestern im Bus angesehen, es war unbeschreiblich.

finnbands: Ok, sprechen wir über die DVD. Sie heißt In the eye of the hurricane und wie ich gelesen habe, ist das Auge der ruhigste Teil des Hurrikanes. Wenn man eure Musik und Liveshows betrachtet, ist das doch ein eher ungewöhnlicher Name. Warum habt ihr euch dafür entschieden?
Jonne: Ich denke er repräsentiert und steht als eine Figur für den Punkt unseres Lebens, an dem wir im Moment als Band sind. Wie du siehst, ist es hier immer sehr still. Schönes Essen, einfach rumsitzen, während um uns herum eine Menge passiert.
Larry: Manchmal fühlt es sich an, als würden all diese Dinge die ganze Zeit um uns herum passieren. Wir sind einfach da und sagen "Okay, lasst uns dieses Konzert heute Abend spielen!", aber außenrum gibt es so viele Dinge, die passieren. Es ist schwer zu erklären.
Jonne: Zur gleichen Zeit in Finnland...
Larry: Es fühlt sich an, als gäbe es zwei Wege, du kannst auch aus dem Auge des Hurrikanes hinaus gehen, wenn du möchtest, aber dann bist du im Arsch.
Jonne: Ich glaube, der einzige Weg den Sturm zu überleben besteht darin, im Auge des Hurrikanes zu bleiben. Es ist symbolisch.

finnbands: Das Auge ist von der "Eyewall" (dt. Augenwand) umgeben, welche der härteste Teil ist. Was ist die "Eyewall", wenn man in einer Band spielt? Was ist am härtesten?
Jonne: Härteste?
finnbands: Ja.
Jonne: Du weißt nie, was dir die Zukunft bringen wird, und ich glaube ein neues Album zu erschafften ist die aufregendste Sache, wenn man in einer Band ist. Stressig, sehr stressig. Aber auf Tour sein ist das Beste. Sowas gibt's eigentlich nicht, ich sehe alles recht positiv und ich mag es, auf diese Art zu denken. Ich kann mich dran erinnern, als ich probierte in einen normalen Job, vom 9 bis 17 Uhr zu arbeiten. Damals in der Schule dachte ich immer "Ich hoffe ich kann mal von meiner Musik leben. Ich würde Songs schreiben, die ganze Zeit neue Songs schreiben und so was. Ich würde die Zeit mit meiner Band auf Tour verbringen!" Ich hasste es im DVD Verleih zu arbeiten. Es war ein cooler, einfacher Job, aber ich kann behaupten, dass es nicht mein Tässchen Tee war. Es gab noch keinen Moment in meinem Leben, wo ich jemand anderes sein wollte. Das Härteste ist wohl am Ende eine Balance zwischen deinem Privat - und Bandleben zu finden, die Leute spüren so was, wenn sie zu deinen Konzerten kommen.
Larry: Es ist hart auf die Bühne zu gehen, wenn dein Privatleben den Bach runter geht. Du musst dir selbst in den Hintern treten.

Jonne: Wir hatten dieses Problem in unserer Band, mit unserem ehemaligen Gitarristen. Das ist jetzt ein Teil unserer Geschichte und wir schauen vorwärts und alles erscheint gut und richtig.

finnbands: Du wirst von einem Hurrikane erfasst, wo soll er dich hinbringen?
Jonne: Hoffentlich an einen warmen, sonnigen Ort. Mit einem schönen Strand und tollen Leuten.
Larry: Nach Jamaika!
Jonne: Nach Jamaika, Miami oder LA, oder einfach Las Palmas, in ein Touristendorf!

finnbands: Wie fühlt es sich an, wenn ihr all die alten Aufnahmen seht ?
Jonne: Es fühlt sich immer wieder merkwürdig an. Immer wenn ich Bilder aus unserer Vergangenheit sehe, fühlt es sich eigentlich so an. Besonders wenn du es an dein Publikum weitergibst und es für jeden ist. Dein Herz ist wie ein offenes Buch, für die ganze Welt zu lesen, sang Vince Neil. (Anm. der Redaktion: Vince Neil ist der Sänger der Band Mötley Crue) Es gehört dazu, wenn man in einer Band ist. Es ist merkwürdig zu sehen, wie lang es uns nun schon als Band gibt. Als wir anfingen, war ich 14 oder 15, wenn ich Bilder aus dieser Zeit sehe denke ich mir "Scheisse, ich bin 25, aber ich fühle mich, als wäre ich schon 50 Jahre auf dieser Welt!" Es passierte soviel während der letzten Jahre, am Ende ist es wie ein Lottogewinn.
Larry: Mit den alten Sachen meinst du die alten Aufnahmen auf der DVD?
finnbands: Ja, genau.
Larry: Es fühlt sich nicht schlimm an. Du kannst deine Geschichte nicht vergessen, das waren eben die Zeiten. Wie eigentlich immer. Da gab es diesen gewissen Punkt, wo alles in die falsche Richtung lief und es war die ganze Zeit wie ein Kampf. Aber die meisten Erinnerungen sind positiv.


finnbands: Welche Zeit würdet ihr gerne wiederholen?
Jonne: Welche Zeit? Wir könnten heute Nacht die großartige Show von gestern wiederholen! *grinst* Wir können es sogar noch besser machen! Manchmal hab ich diese Träume, dann bin ich zurück in meiner Kindheit, bei meiner Großmutter zu Hause. Es scheint so, als wäre dieser Ort eine sichere Festung für mich. Denn jedes Mal bin ich glücklich und erleichtert, in einer guten Stimmung, ich träume davon einfach ein kleiner Junge zu sein oder so. Es wären wahrscheinlich diese Tage. Aber ich bin immer noch an einem Ort meiner Kindheit.

finnbands: Wie definiert ihr Liebe ?
Larry: Es ist ein Grundelement des Lebens.
Jonne: Sie ist der Fluss des Lebens. Ich denke, wir sind alle Liebhaber. Das klingt jetzt wie ein beschissener alter Hippiesong, aber ich glaube es ist einfach so...
Larry: Ich bin für immer ein Hippie! .
Jonne: Sterbt Hippies, sterbt! Wie Cartman von South Park sagte.
Eigentlich sind wir alle alte Hippies, außer Slammer. Er hört viel aggressive Musik wie Sklipnot. Ich kann mich damit nicht anfreunden.
Aber ich glaube es ist wie bei Shakespear, vor ein paar hundert Jahren.
As long as there's love, there's justice and peace.

finnbands: Wie würdest du dich einer blinden Person beschreiben?
Jonne: Im Moment verpasst du gar nichts! Sei froh, dass du blind bist! Ehrlich, es ist besser so!

finnbands: Wann ist es Zeit aufzuhören?
Jonne: Aufhören? Ich denke nach dieser Frage!

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