Uniklubi - Luotisade
1. Kiveen2. Älä Jää
3. Vnus
4. Luotisade
5. Myrkky
6. Vapauta Meidät
7. Varjoon Juuttunut
8. Paha Sisällä
9. Aika Mustaa Muistot
10. Varjot
11. Se ei Lähde Pois
Nach schweren gesundheitlichen Problemen, einer Operation und einem langen Sprechverbot des Sängers Jussi und daraufhin vielen abgesagten Konzerten im Sommer und Herbst 2006, darunter auch einer geplanten Tour in Deutschland, fragten sich bereits viele gespannt, wie es denn nun weitergehen würde. Etwa zwei Jahre nach Veröffentlichung ihres zweiten Albums "Kehä" und der im Mai veröffentlichten Single "Vnus" erscheint am 22. August 2007 endlich die lange ersehnte dritte CD der außerhalb Finnlands wohl bekanntesten finnisch singenden Band Uniklubi.
Die fünf Jungs aus Tampere haben sich weiterentwickelt und sind dabei dennoch ihrem Stil treu geblieben. Gitarren- und Schlagzeugparts, die eindeutigen Wiedererkennungswert haben, aber dabei keinesfalls langweilig werden. Beileibe soll dies nicht heißen, dass über alle drei Alben die gleichen Riffs gespielt wurden - es ist einiges neu auf der aktuellen CD "Luotisade"!
Aufgrund sprachlicher Schwierigkeiten fällt mir eine inhaltliche Rezension der Lyrics schwer, um nicht zu sagen, dass sie mir unmöglich ist. Entsprechend werde ich mich auf den musikalischen Part konzentrieren.
Stimmlich gesehen sei vielleicht erwähnt, dass Jussi seine gesundheitlichen Probleme überwunden hat und wieder "der Alte" ist - jedenfalls hört es sich so an!
Opener "Kiveen" beginnt mit einem Xylophon und einer Kinderstimme, bevor die Gitarren einem verraten, von welcher Band man ein Album einlegte. Bis Jussis Gesang hinzukommt wird die erste Strophe vordergründig lediglich von Schlagzeug und Bass begleitet- bis es im Refrain zu einem unverkennbaren Uniklubi Sound kommt. Zum Ende hin erklingt noch ein Instrumentalstück, in dem die bandeigenen Instrumente von einem Keyboard verstärkt werden und der Song nach einem doppelten Refrain mit einem Xylophonpart endet.
Wären in "Älä Jää" nicht Jannes erstklassigen Spielereien mit der Gitarre, die den Song schon im Intro zu einem Kracher machen, könnte man jenen durch die Gesangslinien im Refrain leicht in die Schlagerschublade abschieben, aber so ist er dafür einfach zu rockig. Beginnt er mit im Vordergrund stehenden Gitarren, untermalt von etwas Schlagzeug und Bass, so werden die Instrumente mit dem Einsetzen des Gesangs in den Hintergrund gestellt, um zwischen den Strophen wieder hervor zu kommen und den Refrain zu unterstreichen.
Die erste Singelauskoppelung "Vnus" folgt als dritter Song des Albums und wird ausgemachten Uniklubi Fans bereits in Fleisch und Blut übergegangen sein. Ein Song im alten Stil, der vielleicht auch gerade deshalb als erste Veröffentlichung gewählt wurde, um einen Übergang zwischen altem und neuem Material zu schaffen. Eingängige Melodien und eingängige Lyrics - auch oder gerade für die nicht finnischsprachigen Hörer, die einen absoluten Suchtfaktor erzeugen!
Mit dem Titeltrack "Luotisade" wird es ein wenig ruhiger und die Ballade, die bisher auf keinem Uniklubi Album fehlen durfte, ist wieder in der ersten CD Hälfte untergebracht.
Nachdem ich zum Ende von "Luotisade" zugegebenermaßen etwas gelangweilt war und abgeschaltet hatte, holte mich "Myrkky" wieder ins Diesseits zurück. Wieder beginnend mit einem klassischen Gitarrenintro, setzen die Vocals ein, die ab und an von einem Gitarrensolo unterbrochen werden und in einem Ohrwurmgefahr aufweisenden Refrain enden, bevor der nächste Instrumentalpart zur nächsten Strophe überleitet, bei der wieder die Vocals von einem kurzen Gitarrensolo unterbrochen werden, der Kreis sich im Refrain schließt und letzten Endes der Song in einem Gitarrensolo ausläuft. Bisher mein Lieblingsstück auf der CD!
"Vapauta Meidät" beginnt ruhiger, mit bald gesprochenem Gesang und nur leise von den Instrumenten begleitet. Aber dies ist nur von der kurzen Dauer einer Strophe, nach der die Instrumente mit voller Kraft einsetzen. Auf den Refrain folgen wieder Keyboardparts. Und das in einer Band ohne Keyboarder. Scheinbar durfte Produzent Jari Latomaa hier, wie auch auf dem Vorgängeralbum "Kehä", persönlich in die Tasten greifen. Und das sehr gelungen!
Vom ersten Augenblick erklingen in "Varjoon Juuttunut" die Vocals, leise aber dennoch deutlicher als im vorangehenden Song instrumental untermalt, so dass im zweiten Teil der ersten Strophe erst das Schlagzeug zur Gitarre stößt und der Song eingeleitet von den Drums (und beim dritten von der Gitarre) im Refrain seinen Höhepunkt findet.
Spontan kommen mir bei "Paha Sisällä" die im Vergleich zum Refrain wesentlich ruhigeren Strophen in den Sinn. Allerdings schrieb ich das schon einige Male. Einerseits ist es der natürliche Aufbau eines Songs, dass dieser im Refrain gipfelt. Hört man allerdings ein Album als Ganzes und bauen sich mehrere Songs nacheinander so auf, dass sich dabei die Melodien auch noch ähneln, wird der geneigte Hörer etwas gelangweilt. Dennoch sind die Gitarrenparts zum Ende des Songs mitreißend genug, um nicht wirklich der Langeweile zu verfallen und den Ansätzen zur Eintönigkeit zu entkommen.
Und mit Beginn von "Aika Mustaa Muistot" kommt auch wieder Abwechselung in die CD. Ein ruhigerer Song mit akustischen Gitarren und Keyboardlines ohne hervorstechende Refrains, sondern mit gleich bleibender Stärke - sehr gut geeignet zum zurücklehnen, entspannen und davon träumen. Und das, ganz ohne dabei langweilig zu sein! Vielleicht lässt das Stück aber auch Kurzweiligkeit aufkommen, weil es lediglich 2:49' lang ist.
Auch bei "Varjot" sind gleich von Beginn an die Strophen stark gehalten, dass sie nicht von den Refrains in den Hintergrund gestellt werden, wenngleich ein sprachlicher Unterschied auffällt. So sind die Lyrics in den Refrains wesentlich melodischer als in den fast schon gesprochenen Strophen. Warum Jussi allerdings im letzten drittel im Refrain einige Worte bald kreischt, bleibt mir unverständlich.
Abgeschlossen wird Luotisade mit "Se ei Lähde Pois", was mit den kaum wahrnehmbaren Keyboardklängen in den ersten Sekunden im westernähnlichen Stil an verlassene Städte erinnert, durch die der Wind tote Büsche treibt. Darauf wird das Intro durch eine Gitarre erweitert bis nach 30 Sekunden auch die anderen Instrumente hinzukommen und erst nach weiteren 34 Sekunden die Vocals einsetzen. Durch dieses lange Intro legt der Song die Überlegung nahe, warum es der letzte und nicht der erste Track auf dem Album ist.
Verzerrte Gitarren und das Wechselspiel der Leadvocals gemischt mit Backingvocals machen im zweiten Teil den bald schon typischen Uniklubi Klang aus, in dem selbstverständlich Instrumentalteile nicht fehlen dürfen - und ein sehr abruptes Ende schließt sich an.
Bevor man es eigentlich richtig verstanden hat, ist damit die CD auch schon wieder vorbei und ich frage mich, ob ich sie noch ein viertes Mal hören möchte oder doch lieber meine Musikauswahl ändere. Schlussendlich wird mir aus terminlichen Gründen diese Entscheidung abgenommen und der Player einfach ausgemacht.
Luotisade ist in meinen Augen ein durchwachsenes Werk, mit einigen richtig guten Songs, was aber an anderen Stellen auch nur zum nebenbei laufen lassen geeignet ist, da die drohende Eintönigkeit der Tracks sechs bis acht die Aufmerksamkeit des Hörers nicht hinreichend fesselt. Genau dies schaffen andere Tracks dafür umso mehr.
Fazit: für Uniklubi Fans sowieso ein Muss, für alle anderen immerhin eine Überlegung wert!
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