Revolting Cocks - ¿Got Cock?
1. Trojan Horse2. Filthy Señoritas
3. Dykes
4. Juice
5. Piss Army
6. Fuck Monkey
7. Bitch Addictive
8. Air Traffic Control
9. Poke-A-Hot-Ass
10. Me So Horny
11. Me So Horny (Remix)
"Der erste Gedanke ist meist der Richtige", pflegte mein Mathematiknachhilfelehrer früher immer zu sagen. Im Falle dieser Platte erweist sich der Spruch einmal mehr als wahr...
Wäre ich ganz normal im Plattenladen an dieser CD vorbei gekommen: Ich hätte sie bewusst ignoriert! Eine Band namens Revolting Cocks mit einem Albumtitel wie "¿Got Cock?" und dazu ein Cover-Artwork, der einen Frauenmund zeigt, über dessen Oberlippe sich eine weiße Flüssigkeit befindet, die höchstwahrscheinlich etwas anderes als einen Milchbart darstellen soll... "Billigste Effekthascherei, dessen dünner Inhalt es verdammt nötig haben muss!", das hätte ich gedacht - und damit wäre das Thema für mich auch erledigt gewesen. Ich begegne dieser Platte aber nicht im Plattenladen, sondern bekomme sie zum Rezensieren auf den Tisch gelegt - und was folgt sind erst einmal ein paar Aha-Momente. Zum Beispiel "Aha, das ist ein Nebenprojekt von Ex-Ministry-Mastermind Al Jourgensen!" und "Aha, dieses Nebenprojekt existiert schon seit einem Vierteljahrhundert"... Man lernt eben nie aus.
Das größte Aha-Erlebnis bringt aber der Opener "Trojan Horse" mit sich. Nicht zuletzt dank der dunklen Stimme von Sänger Josh Bradford klingt dieser Song sehr Goth-Rock-lastig. Damit hätte ich nun am allerwenigsten gerechnet, ist Al Jourgensen doch eher für harten Industrial-Sound bekannt. Wie dem auch sei: Mit "Trojan Horse" haben die Herren meine vollste Aufmerksamkeit und ich bin schon ganz gespannt auf den restlichen Inhalt des Albums...
Leider umsonst!
"Trojan Horse" wird auf musikalischer Ebene das größte und leider auch einzige Aha-Erlebnis auf "¿Got Cock?" bleiben. Mit dem darauf folgenden "Filthy Señoritas" bleibt man im selben Fahrwasser; es wird sogar noch ein bisschen 80ies-lastiger. Soweit, so gut. Mit Track 3, "Dykes", geht es tatsächlich doch mehr Richtung Industrial, was prinzipiell okay ist, nur bevorzuge ich bei dieser Platte irgendwie mehr den Goth-Rock-Stil, zumal alles andere die angenehme Stimme Josh Bradfords untergräbt.
"Juice" ist reinster Industrial - und ziemlich nervig noch dazu, zumal der Beat in diesem Song schon von KMFDM ("Light") und Disbelief ("Believer") verwendet wurde, was nicht gerade von Kreativität zeugt. Mit "Piss Army" wird es leider nicht besser. Da scheint jemand die Stimme von George W. Bush zu imitieren und der Song an sich erinnert sehr an den Stil von Marilyn Manson, wobei der wohl eher "Fuck Army" gesungen hätte. Das hier fehlende "Fuck" findet sich im Titel des nächsten Songs wieder ("Fuck Money") und hier macht dank des Geschreis und Gerappes das Zuhören wirklich kein Spaß mehr. Und Einspielungen einer Nachrichtensprecherin... Das kennt man auch alles schon, zum Beispiel von PHILIAE ("This Is The Dawn Of A New Error"). Unerwarteter Weise wird es mit "Bitch Addictive" noch einmal etwas erträglicher. Hier geht es auch wieder mehr in die rockigere Richtung und das Team im Studio schien sich bei den Aufnahmen wieder an das vorhandene Gesangstalent erinnert zu haben.
Ab Track 6, "Air Traffic Control", geht es aber endgültig steil abwärts. Mag dieser Track stellenweise albern sein, fällt mir zu "Poke-A-Hot-Ass" irgendwie nur ein Wort ein: "Weird". Und "Me So Horny" mit seinem weiblichen Sprechgesang und Rumgestöhne ist dermaßen nervig, dass ich das Ende der Platte regelrecht herbeisehne. Warum es direkt im Anschluss einen noch nervigeren Remix von "Me So Horny" geben muss, möchte ich nach dessen Ende gar nicht mehr hinterfragen. Ich bin einfach nur froh, dass die Scheibe durch ist. Das ist übrigens genau die Musik, die ich beim ersten Blick aufs Cover erwartet hatte...
Ja, nicht selten ist der erste Gedanke auch der Richtige...
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