Pussy Sisster: Pussy Sisster


01 – Today
02 - Hold Us Down
03 - Way To Nowhere
04 - Back Again
05 - Angel Dust
06 - In Your Arms
07 - Melody Of Pain
08 - Leader Of The Gang
09 - Pussy Sisster

Sie kommen aus Süddeutschland und sind verdammt jung, dennoch haben wohl einige mehr schon von Pussy Sisster gehört. Stichworte wie „Goodbye Deutschland“ oder „Big Brother“ sollten helfen – selbst wenn ich beides auch nur gehört, aber nicht verfolgt habe.
Die „Neue Welle des Schwedischen Glam / Sleaze“ schwappte bereits vor einiger Zeit nach Deutschland über, Bands tauchten auf, Bands verschwanden wieder. Pussy Sisster haben die Zeit bislang nicht nur überdauert, sondern es auch verstanden, sich einen Namen zu machen – durch o.g. TV-Shows, aber auch durch CDs und Liveauftritte – hier und im Ursprungsgebiet ihrer gewählten Musikrichtung, dort wo ihre Vorbilder damals die erste Welle in Bewegung setzten.
Rein musikalisch betrachtet bieten Pussy Sisster nichts, was nicht schon einmal da gewesen wäre. Ganz im Gegenteil kann man ihre 1980er Sunset Strip Einflüsse erkennen, Mötley Crüe meets Guns n’Roses, um die zwei bekanntesten zu nennen.
Pussy Sisster rocken auf ihrem dritten, selbstbetitelten Longplayer mit eingängigen Melodien und leicht mitzusingenden Texten. Schon der Opener „Today“ fesselt und hält den Hörer dazu an, die Scheibe nicht sofort wieder auszuschalten – ganz im Gegenteil eher etwas lauter zu drehen.
Ingesamt überzeugen die Karlsruher eher weniger durch tiefsinnige Texte, verarbeiten dabei aber das Leben eines werdenden Rockstars und des Rock’n’Roll-Klischees an sich – oft folgt Refrain an Refrain. Aber dies macht die Eingängigkeit aus und es ist nicht Genre untypisch. Dafür bieten sie eine gewisse Gitarrenvirtuosität bei vorhersehbaren Melodien; eine verdammte Ohrwurmqualität haben die Songs, melodisch sowie lyrisch! Die treibenden Beats verleiten mächtig zum Abhotten – und sind im Übrigen auch zum Laufen wunderbar geeignet; nicht Weglaufen, damit im Ohr laufen ;).

Technisch betrachtet fehlt es Alex’ Stimme gelegentlich an Volumen, und gerade bei der sonst wunderschönen Ballade „Back Again“ könnte mehr Tiefe in der Instrumentalisierung vorhanden sein.
Durch ihre überzeugende, energiegeladene Bühnenshow und Optik machen Pussy Sisster viel wett, was auf dem Album zu kurz kommt. Auch das gehört ins Sleaze-Genre – live wird gezeigt, wo der Hammer hängt, darum geht es! Viele andere der neuen Bands versuchen dies, aber Pussy Sisster gelingt die Umsetzung.
Mit den heutigen technischen Möglichkeiten im Studio kann ich nur sagen: lasst mal einen anständigen Produzenten an den richtigen Reglern spielen und das Steinchen schleifen.
Besonders wenn man die Songs geshufflet mit anderen Alben hört, fällt die schlechte technische Qualität negativ auf, und das ist schade.

Zu bemängeln gibt es abschließend doch noch einmal etwas: Ab ca. dem dritten Durchlauf in Folge wird’s nicht nur langweilig, sondern durch die mitunter unabwechslungsreichen Texte und die „heh“, die sich durch fast alle Songs des Albums ziehen, anstrengend bis nervig. Schade.
In der Versenkung verschwinden wird die Scheibe bei mir aber sicher nicht, dazu macht sie mir zu viel Spaß! Ohne Heavy Rotation allerdings!

Bonuspunkte gibt es für einen überzeugenden Liveeindruck, die Eingängigkeit der Songs und dafür, dass eine deutsche Band auf der „Neuen Welle des schwedischen Glam / Sleaze“ vorne mit schwimmt.

„The show must go on, Rock’n’Roll is here to stay!“

<<-- zurück / back