Devillac - Three Hours to Coma


01. Three hours to coma
02. Man without a spine
03. P6
04. Winchester
05. Mental
06. Kamikaze
07. Rough Mountain
08. Next Level
09. White knuckle drive
10. Gainer


Stellen wir uns einmal vor, wir befinden uns irgendwo im Nirgendwo im Süden der USA. Wir sitzen in einem Cabrio, die untergehende Sonne scheint uns direkt ins Gesicht. Wir haben Lust auf ein Bier und halten an einer schäbig aussehenden Bar. Verstaubt und verschwitzt betreten wir den rauchigen und stickigen Laden. An der Bar sitzen Vorzeige-Klischee-Rocker, die direkt einem Road-Movie entsprungen sein könnten, wie sie in den Neunzigern zu Hauf im Kino liefen. Auf der Bühne spielt eine Band - in diesem Fall Devillac!
Wenn wir uns allerdings daran erinnern, dass die im Jahr 2000 gegründete Band aus dem kalten Finnland kommt, gerät unsere Welt ein klein wenig aus den Fugen. Sonne und Wüste sind so ziemlich die letzten Attribute, mit denen man eine Band aus Finnland in Verbindung bringt. Allerdings beschwor sich zumindest bei mir nach dem ersten Durchhören so ein Bild vor meinem inneren Auge und will auch nach mehrmaligem Hören, nicht so einfach verschwinden.

"If you´re into sweaty, snotty and dirty Rock'N'Roll with a twist you´ll probably enjoy 'Three hours to coma'[...]", ist eine durchaus passende Beschreibung, mit der Devillac ihren Stil erklären.
Die Idee ist gut, schade ist nur, dass Sänger Micki bei Liedern wie "Man without a spine" und "Kamikaze" durch die eingängigen und durchaus schmutzigen Gitarren zu wenig Beachtung findet. Micki singt für meinen Geschmack zu leise und kommt nicht ganz gegen seine musizierenden Bandkollegen an. Teilweise habe ich das Gefühl, dass ‚Three hours to coma' direkt in einer Garage oder eben einem rauchigen Club aufgenommen worden ist und direkt auf CD gebannt wurde.
Negativ fallen mir leider auch die stilistischen Ähnlichkeiten in den 10 Liedern ihres Debütalbums auf. Außer ein paar Veränderungen am Rhythmus der Gitarre, kann ich in keinem Lied etwas Neues entdecken. Manchmal beschleicht mich das Gefühl, ein einziges langes Lied zu hören. Der Opener ‚Three hours to coma' ist als reine Instrumental Version eine tolle Lösung, um den Hörer auf die kommenden Lieder einzustimmen. Ein wenig zu lang geraten vielleicht, aber definitiv nicht schlecht.
Dennoch braucht man wahrscheinlich eine gewisse Zeit, sich dem Reiz von Devillac zu öffnen. Denn an sich ist diese Art von gradlinigem und schnörkelfreiem Rock selten in der Musikwelt geworden, wo es nur noch darum geht, soviel Schnick Schnack wie möglich in einem einzigem Lied unterzubringen. Hier liegt ganz klar Devillac's Stärke - echter, unverfälschter Rock. Vielleicht schafft es die Band bei ihrem zweiten Studioalbum ihre Schwächen auszubügeln und liefert dann ein rund um glücklich machendes Album ab.

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