Eine zu 85% wahre Geschichte
Klosterman, Chuck


"Chuck ist in Diane verliebt, aber auch in Quincy und Lenore. Die Liebe ist das größte Problem in Chucks Leben. Zum Glück hat der Musikjournalist einen Auftrag - der allerdings scheint noch absurder als sein momentanes Lebensgefühl zu sein. Quer durch die USA fährt er nach Missoula, Ithaca und Rhode Island, an die Orte, an denen Rock-Heroen den Tod fanden. Vom Sumpf, in dem Lynyrd Skynyrds Flugzeug abstürzte bis zum Bungalow, wo sich Kurt Cobain mit einer Schrotflinte das Leben wegschoss. Rockstars sterben exzentrisch - und werden so unsterblich. Ein witzig makabrer Roadmovie durch das Herz der Musik, die an den Sehnsüchten unserer Seele kratzt. Schließlich kehrt Chuck in die Welt der Lebenden zurück. Was er vom Tod halten soll, weiß er immer noch nicht - nur dass er verliebt ist wie zu Beginn seiner Reise - in Diane, Quincy und Lenore. "

Chuck arbeitet für ein New Yorker Musikmagazin und recherchiert dafür an Orten, an denen mehr oder weniger berühmte Persönlichkeiten der Musikgeschichte ums Leben kamen. Hierzu reist er mit mehr CDs auf dem Rücksitz als manch anderer im heimischen Regal stehen hat durch die USA, beschließt aber Los Angeles auszulassen - wohl der Ort, an dem es am meisten zu berichten gäbe. Er begründet dies mit seiner persönlichen Abneigung gegen diese Stadt.
Die journalistischen Elemente entsprechen den Tatsachen, zu 85% handelt es sich bei diesem Buch jedoch um einen Roman. Klosterman schreibt größtenteils über die Gedanken, die ihn in seinem verkifften Hirn auf seiner Reise begleiten und lässt dadurch bedingte Lebensphilosophien samt überzeugender Ansichten ebenso wenig aus wie die drei Frauen, die einen Hauptteil seines Lebens - und seiner Gedankenwelt auf dieser Reise - ausmachen.
Oftmals handelt es sich hierbei einfach nur um langweiliges Blahblah. Eigentlich sollen die verschiedenen Frauen die Geschichte spannend machen. Ich fragte mich beim Lesen jedoch öfter, wann er denn nun endlich einmal zum Punkt kommen würde. Wenn er diesen dann findet, führt kein Weg mehr am Schmunzeln vorbei.
Klosterman schreibt voller Ironie, Witz und Sarkasmus - sehr frisch und er überzeugt mit musikalischem Hintergrundwissen. Die Grenzen zwischen journalistischem und literarischen Schreiben sind hier bisweilen sehr fließend.

"Killing yourself to live heißt das Buch im Original etwas treffender, weil es in der Musikwelt tatsächlich oft so ist, dass man erst unsterblich wird, wenn man -- auf möglichst unnatürliche Weise -- zu Tode gekommen ist. "

Augenscheinlich lassen sich Vergleiche zu Nick Hornbys "High Fidelity" ziehen. Mich erinnert es auch an den Kinofilm "Almost Famous" - ein Roadmovie, bei dem es oberflächlich um Musik geht, diese tatsächlich aber nur in einer Nebenrolle behandelt wird.
Auch wenn man zwischenzeitlich immer wieder versucht ist, das Buch aus der Hand zu legen und nicht wieder anzufassen, fesselt es einen und lässt diesen Wunsch unmöglich werden.
Definitiv mal etwas anderes aus dem Bereich der seichten Unterhaltung.

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